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Leerstände gibt es auch in den HWB-Häusern in der Wilhelmstraße

Linke drängt auf Vermietung

Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft lässt Wohnungen leerstehen

Bei der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) sind mehr als 30 Wohnungen ungenutzt. Die Linke hält das für einen Skandal, die HWB verweist auf gefasste Beschlüsse.

Fast 500 Namen stehen auf der Warteliste der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft für eine bezahlbare Wohnung. Rund 1650 Wohnungen besitzt die HWB, die Fluktuation ist gering. Übermäßig viel gebaut wird nicht – zwar wieder etwas mehr als vor 10 oder 20 Jahren, aber nicht genug, um die Warteliste zügig verkürzen zu können. Mit anderen Worten: Ein Ende der Wohnungsknappheit in Hofheim ist nicht in Sicht. 

Und in dieser Situation lässt die HWB rund drei Dutzend Wohnungen leerstehen. Ärgerlich findet dies die Linke, und sie will es auch nicht länger hinnehmen. Der Magistrat solle im Aufsichtsrat darauf hinwirken, dass die HWB die Wohnungen bald wieder vermietet, heißt es in einem Antrag der Linken in der Stadtverordnetenversammlung. Pläne zum Verkauf oder Abbruch dieser Häuser sollen aufgegeben werden. Über den Antrag wird voraussichtlich bei der Parlamentssitzung am 14. November beraten. 

Dem Magistrat sind die vielen leerstehenden Wohnungen peinlich

Dem Magistrat seien die vielen leerstehenden Wohnungen selbst peinlich, erklären die Linken. Sie schließen dies daraus, dass der Magistrat die Antwort auf eine entsprechende Anfrage als vertraulich eingestuft hat. Die Linken haben sich daraufhin auf den Weg gemacht und die Häuser in Augenschein genommen, die schon wiederholt in der Debatte waren. Auf 38 beziffern sie die Zahl der leerstehenden Wohnungen. HWB-Geschäftsführer Norman Diehl bestätigt nicht die Zahl, aber die Größenordnung stimme schon. Er weist darauf hin, dass manche Wohnungen dazu genutzt werden, kurzfristig Flüchtlinge oder Obdachlose unterzubringen. Ganz klar: Es ist für einen Betrachter von außen nicht immer zweifelsfrei zu erkennen, ob eine Wohnung als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird oder ganz normal vermietet ist. 

Diehl versteht die Aufregung der Linken allerdings nicht so ganz. Aus seiner Sicht entspricht die Vorgehensweise der HWB genau dem 2008 beschlossenen Zehnjahresplan des Unternehmens. Dieses sieht den Verkauf von Häusern mit kleinen Wohnungen in schlechtem Erhaltungszustand vor. Solche Wohnungen gibt es in der Hofheimer Straße in Lorsbach, im Ostend und in der Wilhelmstraße. Die Linken haben außerdem noch drei anscheinend leerstehende Wohnungen in der Rheingaustraße gefunden. Nach Diehls Angaben handelt es sich weitgehend um Wohnungen, die nur bewohnbar wären, wenn Beträge zwischen 30 000 und 50 000 Euro investiert werden. „Im heutigen Zustand will die keiner haben, sind die gar nicht vermietbar“, ist er überzeugt. Die notwendigen Investitionen wiederum stünden in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Mieteinnahmen, die dann erzielt werden könnten.

Beide Seiten halten strikt an ihren Einschätzungen fest 

Die HWB hat außerdem argumentiert, sie brauche den Erlös aus dem Verkauf der Häuser als Eigenkapital bei der Finanzierung neuer Projekte. Die Linke bestreitet das, beide Seiten halten strikt an ihrer Einschätzung fest. In dem Zusammenhang hat der Magistrat den Linken-Fraktionsvorsitzenden Bernd Hausmann auch aus dem Aufsichtsrat der HWB geworfen. HWB-Chef Diehl legt noch Wert auf die Feststellung, dass kein Mieter aus seiner Wohnung vertrieben werden soll. Nimmt ein Mieter eine angebotene Ersatzwohnung nicht an, könne er die Wohnung behalten, in der er lebe. Sollte es im gleichen Haus noch weitere Wohnungen geben, die nicht mehr zu vermieten seien, müsse in Kauf genommen werden, dass diese Wohnungen über längere Zeiträume leer stehen. „Das ist jetzt aber alles nicht neu“, betont Diehl.

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