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Montagmittag im Pfarrheim von St. Georg: Edith von Eerde serviert den Gästen leckere Linsensuppe. Die Marxheimer Suppenrunde, die die „Familie Marxheim“ organisiert, zählt zu den zahlreichen wertvollen Angeboten, die es in Hofheim bereits gibt. Bei der Suppenrunde können sich Alt und Jung treffen. Das Stadtteilprojekt „Familie Marxheim“ wird getragen vom Caritasverband.

Bürgermeisterwahl

Die Nahversorgung hat Priorität bei den Hofheimer Bürgermeister-Kandidaten

Am 24. März ist in Hofheim Bürgermeisterwahl, sieben Kandidaten treten an. Das Kreisblatt setzt seine Themen-Serie fort und hat alle Bewerber nach ihren Plänen für die Seniorenpolitik gefragt. Es gibt größere Übereinstimmungen als bei anderen Politikfeldern, alle würdigen die Anstrengungen von Stadt, Nachbarschaftshilfen, Kirchen und Organisationen. Zumeist werden Nahversorgung, Wohnungsbau und Treffpunkte als wichtige Themen angesehen. Unterschiede zeigen sich im Detail.

Christian Vogt (CDU)Diedenbergen

Die Grundversorgung ist für Christian Vogt das, was mit Blick auf die Senioren sichergestellt und ausgebaut werden muss. Da viele Angebote und Dienstleistungen über das Internet genutzt werden können, ist der Ausbau der Datenautobahn für ihn ein Gebot der Politik für Senioren. „Neue Techniken können helfen, länger autonom zu Hause zu leben“, sagt er. Vogt stellt sich auch eine engere Zusammenarbeit mit dem Main-Taunus-Kreis im Sinne der Senioren vor. Und mit dem Blick auf die nächsthöheren politischen Ebenen ist für ihn noch nicht Schluss. Er sei überzeugt, dass sich Hofheim auch in der Seniorenarbeit mehr Unterstützung holen könne, dass es Fördertöpfe auf Bundesebene oder bei der Europäischen Union gebe, die man bisher noch nicht so nutze, wie es möglich sei. Außerdem möchte Vogt neue Konzepte für seniorengerechtes Wohnen entwickeln – an Standorten, die möglichst nahe im Zentrum liegen. Die HWB könne dabei immer ein wichtiger Akteur sein, wenn es keine privaten Interessenten gebe.

Bernhard Köppler (SPD)Kernstadt

Den Hofheimern zu ermöglichen, möglichst selbstbestimmt alt zu werden, das ist für Bernhard Köppler die seniorenpolitische Leitlinie. Was dafür gebraucht wird – diese Frage müssten vor allem die Senioren selbst beantworten. Aber davon abgesehen, stellt auch der SPD-Kandidat das Einkaufen als besonderes Problem für die ältere Generation heraus. Sogar in Marxheim sei das schwierig, sagt er, denn die beiden Supermärkte liegen am Ortsrand. Darüber hinaus gehe es ihm um eine soziale Infrastruktur, die Kontakte und Kommunikation ermögliche, auch um der Vereinsamung vorzubeugen. Wohin könnten alleinstehende Senioren sonntags oder an Weihnachten gehen – diese Frage müsse schon gestellt werden. Es müsse um wohnortnahe Treffpunkte gehen, dabei um kleine Einrichtungen, nicht um große Hallen. „Wir brauchen etwas mitten im Quartier“, sagt er; der Stadtteiltreff in der Homburger Straße hat für ihn dabei Vorbildcharakter. Solche Begegnungsorte könnten auch genutzt werden, um weitere Hilfe zu organisieren, wo sie notwendig werde.

Bianca Strauss (Grüne)Wallau

Seniorenpolitik, das ist für Bianca Strauss unbedingt eine Politik der kurzen Wege. Eine gute Vernetzung, das ist für sie das Mittel sowohl gegen Vereinsamung im Alter als auch zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung. Und wegen der kurzen Wege müsse diese Vernetzung im Quartier stattfinden. Senioren dort, wo sie leben, sich treffen und einkaufen können. Dass es nicht in jedem Quartier einen Supermarkt geben könne, weiß Bianca Strauss. Schon deshalb müsse die Mobilität von Senioren gefördert werden. Die Grünen-Politikerin freut sich, dass es viele Ehrenamtliche gibt, die sich für die Senioren engagieren. Erster Schritt müsse sein, alle zu fragen, die sich engagieren, was in der Seniorenarbeit gebraucht werde. Das könnten Räume sein als Treffpunkte, aber auch ganz andere Dinge. Viele Angebote müsse die Stadt nicht zwingend selbst organisieren, sondern oft reiche es aus, zu vermitteln und Kontakte herzustellen. Immer wieder gebe es den Willen zum Engagement, so dass oft nur ein kleiner Anstoß notwendig wäre.

Barbara Grassel (Linke)Lorsbach

Auch für Barbara Grassel hat die Sicherung der Nahversorgung oberste Priorität in der Politik für die Senioren. Dabei käme es zumindest darauf an, das zu erhalten, was es noch gibt – das scheint ja nicht in allen Fällen sicher. Am Beispiel Lorsbach erläutert sie, dass ein Einkaufsladen im Ort auch die Funktion eines Treffpunktes habe – der in ihrem Stadtteil jetzt fehlt. Und Treffpunkte müssten her, in den einzelnen Quartieren und Stadtteilen. Denn Senioren fahren nicht gerne weit, um sich zu treffen. Cafés und andere Treffpunkte dieser Art gebe es kaum noch. Im übrigen sei die Stadtverwaltung keineswegs machtlos, wenn es um den Erhalt der Infrastruktur gehe. In Lorsbach habe der Rückgang damit begonnen, dass die Stadt die Außenstelle schloss. Man könne nicht darauf zu setzen, dass immer mehr über das Internet erledigt wird – denn Gemeinschaft fördere dies nicht. Und noch ein wichtiges Defizit gelte es zu bekämpfen: Es fehlen öffentliche Toiletten. Für Senioren sei dies ein ernsthafteres Problem als für die Jüngeren.

Andreas Nickel (FWG)Lorsbach

Andreas Nickel hält überhaupt nichts davon festzulegen, was für Senioren wichtig sein könnte – er möchte sie lieber selbst befragen. Die Beteiligung müsse dabei über den Seniorenbeirat hinausgehen und dürfe andere Altersgruppen nicht ausblenden – auch die Jüngeren kommen irgendwann ins Seniorenalter und haben durchaus ihre Vorstellungen, was ihnen dann wichtig sein könnte. „Wir müssen da einen ansprechenden Prozess daraus machen“, ist es ihm wichtig, dies so zu gestalten, dass die Form der Beteiligung nicht abschreckt, sondern motiviert. Einbezogen werden müssen alle Akteure, die jetzt schon Seniorenarbeit machen. Ideen für neue Angebote und Projekte hätte er schon – Nickel kann sich beispielsweise vorstellen, dass es ein Interesse am gemeinsamen Musizieren gibt, das aber organisatorische Hilfestellungen braucht. Und warum sollte es nicht unter Beteiligung verschiedener Generationen, also inklusive der Senioren, ein „Stadt-Hofheim-Radio“ geben, wenn die Jugendarbeit schon die technische Ausrüstung dafür hat?

Wilhelm Schultze (parteilos)Lorsbach

Wilhelm Schultze ist überzeugt, dass viele Senioren gegen ihren Willen eher isoliert leben, sich aber nicht überwinden können, von sich aus neue Kontakte aufzubauen. Es gelte daher, Konzepte zu entwickeln, auf diese Menschen zuzugehen. Ein möglicher Akteur wäre dabei die Senioren-Nachbarschaftshilfe, die dies aber sicher alleine nicht in Angriff nehmen könne, sondern Unterstützung brauche. Ein Mittel zur Überwindung der Isolation seien Mehrgenerationenhäuser, ausdrücklich findet er daher das Projekt der HWB am Klingenborn vorbildlich. Politik für die Senioren in Hofheim hat für ihn aber noch mehr Dimensionen. Schultze weist ebenfalls auf die Notwendigkeit hin, sich um wohnortnahe Versorgungsmöglichkeiten zu kümmern. Zu überlegen wäre, ob die Stadt etwas unternehmen kann, um dem Mangel an Pflegekräften zu begegnen. Geprüft werden solle außerdem, ob in Hofheim ein stationäres Hospiz gebraucht wird – zur Zeit gibt es bekanntlich den ambulant tätige Hospizverein.

Friederike Röhr (parteilos)Diedenbergen

Friederike Röhr geht nicht davon aus, dass der freie Markt alleine dafür sorgt, dass es ausreichend wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten gibt. Für Senioren müssten ehrenamtliche Lösungen gefunden werden, eventuell in Zusammenarbeit mit den bestehenden Lebensmittelmärkten. Wobei sie auch den Widerspruch benennt, dass viele den Abbau von Infrastruktur beklagen, selbst aber das nicht nutzen, was es gibt. Gut dran sind Senioren, die in der Nähe der Innenstadt wohnen. Denn dort ist auch die Nahversorgung zumeist gut gesichert, zumindest in der Hofheimer Kernstadt. Dort seniorengerechte Wohnungen zu bauen, das wäre ihr ein Anliegen. Eher klein sollten diese sein, barrierefrei und bezahlbar. Dabei würde sie eine Vermischung verschiedener Altersgruppen bevorzugen, auch junge Leute brauchen kleine und bezahlbare Wohnungen. Und es müsse auch nicht nur um große Einrichtungen mit vielen Wohnungen gehen. Auch für Friederike Röhr ist die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft dabei ein geeigneter Akteur.

red

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