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Windräder im Abendlicht

Neue Flächen aufgetaucht

Windräder in Hofheim sind nicht vom Tisch

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Wie realistisch ist der Bau von Windrädern in Hofheim? Die Antwort auf die Frage ist nicht so eindeutig, wie es lange schien.

Hofheim - Im Frühjahr 2017 lehnte die Stadtverordnetenversammlung nicht nur die Ausweisung von Vorrangflächen für Windräder rund um Langenhain ab, sondern beschloss auch, dass die Stadt ihr gehörende Flächen nicht zur Verfügung stellen soll. Damit schien das Thema erledigt – unabhängig davon, ob diese Vorrangflächen im Regionalen Flächennutzungsplan festgeschrieben werden oder nicht.

Windräder auf Flächen des Landes Hessen?

Inzwischen gibt es daran aber Zweifel. Denn es hat sich herausgestellt, dass es doch auch nennenswerte Flächen gibt, die nicht der Stadt gehören. Wie sich aus Karten ergibt, die die Stadt dem Kreisblatt zur Verfügung gestellt hat, gehört eine Fläche nördlich des Bahai-Tempels dem Land Hessen, wird vom Landesbetrieb Hessen-Forst verwaltet. Misst man nach, so ergibt sich, dass es sich um etwa zwölf Hektar handelt. Zweitens gibt es ein Vorranggebiet westlich von Langenhain, auf der Karthaus. Zwei Teile ganz im Norden und ein Teil ganz im Süden dieser Vorrangfläche gehören privaten Eigentümern. In einem Fall sind es vier Hektar, im anderen sind es sechs Hektar.

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Die Frage ist, was die privaten Waldbesitzer mit ihren Flächen machen. „Hessen Forst hat verkündet, dass sie verkaufen“, zitierte die Grünen-Stadtverordnete Marianne Knöss im Umweltausschuss eine Zeitungsmeldung. Das stimmt aber nur ungefähr. Generell würden keine Waldflächen verkauft, lässt die Pressestelle von Hessen Forst wissen. Möglich sei aber, sich mit Investoren über eine Verpachtung von Flächen zu einigen. Und da der Ausbau der Windkraft ein Ziel der Landesregierung sei, werde dies auch getan.

Also: Hessen Forst verkauft Flächen zwar nicht, verpachtet sie aber. Und da ist das Ziel der Landesregierung nicht die einzige Motivation. Schon vor Jahren wurde berichtet, dass für die Fläche eines einzigen Windrades Pachteinnahmen von 25 000 Euro jährlich erzielt werden können – und das in eher schlechten Lagen. Dagegen wirft die Waldbewirtschaftung zumindest im Taunus kaum Gewinne ab.

Das könnte auch für die privaten Eigentümer der Flächen westlich von Langenhain ein Argument sein. Und wer weiß schon, ob die Stadt an ihrer Position festhält. „Alle fünf Jahre können sich die politischen Mehrheiten ändern“, sagt Olaf Bertko von der Langenhainer Bürgerinitiative „Gegenwind.“ Niemand kann ausschließen, dass die Stadt ihre Flächen eines Tages doch verpachtet, schon wegen der möglichen Einnahmen.

Nicht einig wurden sich die Stadtverordneten im Bauausschuss, ob die Flächen für den Bau von Windrädern überhaupt ausreichen – Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler (CDU) geht davon aus, FWG-Mann Matthias Hees glaubt nicht, dass sich das rechnet. BI-Sprecher Bertko warnt davor, sich politisch auf irgendwelche Einschätzungen darüber zu verlassen, was ein Investor für wirtschaftlich halten könnte und was nicht.

Keine einheitlichen Angaben zum Flächenbedarf

Einheitliche Angaben zum Flächenbedarf für Windräder sind aber nicht zu finden, die Hinweise schwanken zwischen drei und sieben Hektar Fläche, die gebraucht werden. Der Landesentwicklungsplan geht von drei Windrädern auf zehn Hektar aus. Vorläufiges Fazit: Die Fläche von Hessen Forst nördlich von Langenhain dürfte rechnerisch ausreichend groß sein, bei den privaten Flächen auf der Karthaus ist das fraglich. Heute Abend wird sich der Ortsbeirat Langenhain mit dem Thema befassen. Die Sitzung im Jagdhaus beginnt um 20 Uhr.

Unterschiedliche Meinungen gibt es auch über die möglichen Folgen einer Ablehnung der Vorranggebiete. Nach aktuellem Stand machen sie 1,7 Prozent der Fläche des Landes Hessen aus, erreicht werden sollen aber zwei Prozent. Dieser Unterschied führe dazu, dass Investoren nicht auf die Vorranggebiete verwiesen werden, sondern überall Bauanträge für Windräder stellen könnten, argumentieren Grüne und Linke.

BI-Sprecher Bertko bestreitet dies. Die Hofheimer Flächen stehen im Regionalen Flächennutzungsplan nämlich unter dem Vorbehalt, dass eine Abwägung mit den Interessen der Flugsicherung nicht stattgefunden hat. Deshalb könnten sie bei der Beurteilung der Frage, ob es genügend Vorrangflächen gebe, um den Bau von Windrädern außerhalb verbieten zu können, nicht berücksichtigt werden.

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