Blick in die Elisabethenstraße: Das Chinon-Center ragt auf der linken und der Sparkassen-Neubau auf der rechten Seite in die Höhe. Vor der Taunus Sparkasse sollten eigentlich Bäume gepflanzt werden. Wegen diverser unterirdischer Leitungen geht das nun aber nicht.
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Blick in die Elisabethenstraße: Das Chinon-Center ragt auf der linken und der Sparkassen-Neubau auf der rechten Seite in die Höhe. Vor der Taunus Sparkasse sollten eigentlich Bäume gepflanzt werden. Wegen diverser unterirdischer Leitungen geht das nun aber nicht.

Stadtplanung

Hofheims Betonschlucht: Neue Bäume nur in Kübeln

  • VonManfred Becht
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Sparkassen-Komplex steht näher an der Elisabethenstraße, als im Bebauungsplan erlaubt. Kreis: Abweichung genehmigt, alles ist rechtens.

Hofheim -Die Stadt Hofheim habe sich beim Bau des Sparkassen-Bücherei-Komplexes am Kellereiplatz nicht an den von ihr selbst aufgestellten Bebauungsplan gehalten, der Kreis habe die dafür notwendigen Befreiungen rechtswidrig erteilt. Diese Vorwürfe hat die Fraktion der Linken in der Stadtverordnetenversammlung erhoben. Der Main-Taunus-Kreis hat dies zurückgewiesen, von der Stadt Hofheim war gestern keine Stellungnahme zu bekommen.

An der Abweichung selbst gibt es keinen Zweifel. Sie wurde 2019 auch schon einmal öffentlich diskutiert. Denn eigentlich sollte die Fassade der Taunus Sparkasse zur Elisabethenstraße hin exakt in der Fluchtlinie der südlichen Bebauung der Elisabethenstraße liegen - dazu zählen das HWB-Forum und das Gebäude von Frank Heimbau. Beide Häuser treten deutlich von der Straße zurück. Der Linken-Stadtverordnete Bernd Hausmann nennt konkrete Zahlen: Sechs Meter Abstand zwischen Sparkasse und Bordsteinkante seien durch den Bebauungsplan gefordert, tatsächlich gebe es nun nur vier Meter Platz.

Solche Abweichungen sind erlaubt, müssen aber genehmigt werden. Die stadteigene Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) als Bauherr habe dies beantragt, der Kreis habe dem zugestimmt, erklärt Johannes Latsch, Pressesprecher der Kreisverwaltung, auf Anfrage dieser Zeitung. Dabei habe die Stadt Hofheim ihr Einvernehmen erteilt.

Rechtswidrig sei dieser Schritt gewesen, schimpft Hausmann. Denn Abweichungen seien nur zulässig, wenn die Grundzüge der Planung nicht berührt würden. Der vergrößerte Abstand zur Straße habe darauf abgezielt, die Wirkung einer Schlucht zwischen Sparkasse und Chinon-Center zu vermeiden. Genau eine solche Schluchtwirkung sei nun aber eingetreten. Und die HWB hätte ihr Vorhaben sehr gut auch ohne diese Abweichung realisieren können, ist Hausmann überzeugt.

Die Baubehörde sieht das städtebauliche Thema anders. "Der Abstand des Gebäudes zur Straße ist noch groß genug, und bei einer Gebäudehöhe von elf Metern ist eine Schlucht nicht zu befürchten", so Kreishaus-Sprecher Latsch. Die Grundzüge der Planung würden daher nicht beeinflusst.

Unstreitig ist nun zwischen Straße und Gebäude weniger Platz zur Begrünung. Als die HWB ihre Pläne vorstellte, waren entlang der Straße einige recht große Bäume eingezeichnet. Nun ist einerseits die Marotte der Architekten bekannt, durch groß eingezeichnete Bäume die geplanten Gebäude kleiner aussehen zu lassen. Andererseits hätte der ursprünglich geplante freie Geländestreifen gewiss mehr Chancen geboten, dass Bäume eines Tages dort tatsächlich so groß werden - oder überhaupt wachsen können.

Danach sieht es nun aber nicht aus. Flächen für Bäume kann man nirgends erkennen. Und tatsächlich hat die Stadt bereits verlauten lassen, man könne dort wegen der unterirdisch verlaufenden Kabel keine tief wurzelnden Bäume pflanzen. Deshalb sollen große Kübel aufgestellt werden, in denen Bäume wachsen können.

Darüber hatte der Magistrat bereits im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung berichtet, was dort zu Protesten führte. Eine ähnliche Lösung nämlich gibt es bereits auf dem Chinonplatz vor der Stadthalle, dessen Gestaltung aber auch nicht nur auf Begeisterung stößt.

Irritierend ist auf jeden Fall die Auskunft, man habe von der Existenz der dort störenden Kabel nichts gewusst. Tatsächlich tauchen bei Bauarbeiten immer wieder einmal unvermutete Kabel auf. In diesem Fall aber stand dort seit vielen Jahren ein Verteilerkasten, und der steht immer noch da. Und zu jedem Verteilerkasten führen Kabel - zumindest eine Prüfung hätte also nahegelegen. bt

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