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Hofheims fröhliche Musikantin ist tot

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Ursula Brehm in ihrem Element: Das Bild entstand vor fünf Jahren beim Seniorensingen in den Räumen der Senioren-Nachbarschaftshilfe in der alten Kellerei.
Ursula Brehm in ihrem Element: Das Bild entstand vor fünf Jahren beim Seniorensingen in den Räumen der Senioren-Nachbarschaftshilfe in der alten Kellerei. © Knapp

Ursula Brehm wurde 87 Jahre alt - Das Akkordeon hat sie ihr Leben lang begleitet

Hofheim/Lorsbach. Ursula Brehm war eine Hofheimerin mit Leib und Seele, und sie war eine Frau, die mit ihrer Musik die Menschen begeistern konnte. Es gibt wohl nur wenige Hofheimer, die nicht wissen, wer sie ist. Am 2. Januar ist Ursula Brehm im Alter von 87 Jahren verstorben.

Geboren wurde Ursula Brehm am 23. November 1935 in Zeilsheim. Als 14-Jährige kam sie zum ersten Mal zu einer Sportveranstaltung nach Lorsbach und sagte sofort: „Hier möchte ich einmal wohnen.“ Dieser Wunsch erfüllte sich 1958. Auch in Lorsbach hat ihr die Musik Tür, Tor und Herzen geöffnet.

Die kleine Ursula ging zum Klavierunterricht zu Musiklehrer Josef Baum in Zeilsheim. Der strenge Rektor Brandenburger brachte ihr die ersten Versuche mit einem klitzekleinen Akkordeon nahe. Das hatte zur Folge, dass sie nie am Handarbeitsunterricht teilnahm, da sie immer die keulenschwingenden Gymnastikgruppen der Schule musikalisch begleiten musste. Der junge Musiklehrer und spätere Musikdirektor Hans-Georg Baumann vermittelte ihr die Liebe zum Akkordeon und den Spaß am Üben. Ihr Vater „erschrottelte“ ihr schließlich 1948 auf dem Frankfurter Schwarzmarkt ein stattliches rotes Akkorden mit Glitzersteinen, das sie kaum heben konnte. Das gute Stück hielt sie ihr Leben lang in Ehren. Ihr erstes Konzert gab sie mit dem Zeilsheimer Akkordeon-Verein Concordia im Herbst 1949. Ihr Solostück hatte den Namen „Gruß aus Kiel“.

Der Wunsch nach Weiterkommen wuchs, und ihr kleiner Bruder Rolf Kubon war ihr stärkster Konkurrent. Bald spielten sie als Duo, wurden Hessen- und Stadtmeister und mit dem Wiesbadener Orchester Deutsche Meister. Das alles ging nicht ohne Stress ab, aber Ursula Brehm sagte: „Für mich steht die Freude am Spiel im Vordergrund!“ Einmal sei sie aus einem Orchester geflogen, weil man sie fröhlich spielend auf dem Frankfurter Fastnachtszug im Fernsehen gesehen hatte. Aber das hat ihr nichts ausgemacht, und so wirkte sie auch stets gerne bei Hofheimer und Lorsbacher Veranstaltungen mit. „So glitt ich sanft in den Ruf einer fröhlichen Musikantin hinein“, sagte sie und ergänzte, „so sehe ich mich auch am Liebsten.“ Die Liebe zur Musik hat sie nicht nur in den vielen Gruppen die sie leitete, weitergegeben, sondern auch an die beiden Töchter, Enkel und Urenkel.

Von 1981 bis 1987 war die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin für die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) Mitglied in der Stadtverordnetenversammlung Hofheim, sie engagierte sich im Ortsbeirat Lorsbach und unterstützte als Assistentin die FWG-Kreistagsfraktion und den Landesverband. Sie kümmerte sich um Asylbewerber, wirkte viele Jahre als Schöffin in Frankfurt und als Pfarrhelferin in der Evangelischen Frauenhilfe in Lorsbach.

Brehms ehrenamtliches Engagement war so vielseitig dass man sich fragen könnte, wie das alles in ein Leben hineingepasst hat. Sie hat ihre Zeit ihren Mitmenschen gewidmet, kommunalpolitisch, sozial und vor allem musikalisch. Sie organisierte seit 1966 die Lorsbacher Seniorenweihnachtsfeier, leitete mehr als 30 Jahre den Senioren-Singkreis, unterstützte über zwei Jahrzehnte mit ihrem Bruder Rolf Kubon die „Gruppo folkloristico Italiano di Hofheim“, war eines der ersten Mitglieder der Senioren-Nachbarschaftshilfe (SNH), leitete dort den Singkreis und war mit ihrem Sangesfreund Adolf Faller gerngesehener Gast bei vielen Veranstaltungen. Selbst als es ihr gesundheitlich nicht mehr so gut ging und sie ins Martha-Else-Haus zog, engagierte sie sich im Hausbeirat und leitete - wie könnte es anders sein - einen Singkreis.

1988 erhielt sie für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten die Ehrennadel der Stadt Hofheim in Silber, 1990 den Ehrenbrief des Landes Hessen und die Große Ehrennadel des Deutschen Harmonika-Verbandes. 2015 folgte die Goldenen Ehrennadel der Stadt Hofheim. Bescheiden, wie sie war, sagte sie stets: „Es ist mir unangenehm, wenn so viel Aufhebens um mich und eine Sache gemacht wird, die mir doch Spaß macht.“ Es gäbe doch nichts Schöneres, als zu sehen, wenn die Augen strahlen, Musik ins Herz dringt und Emotionen geweckt werden. Peter Kolar

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