Essensausgabe in der oberen Hauptstraße in Hofheim bei Frankfurt. Taunus-Wirtin Milka Schmidt reicht Michael Zerhau das bestellte Mittagessen aus einem Fenster des Restaurants. Abhol-Angebote sind währnend des Corona-Lockdowns die einzige Möglichkeit für die Gastronomie.
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Essensausgabe in der oberen Hauptstraße in Hofheim. Taunus-Wirtin Milka Schmidt reicht Michael Zerhau das bestellte Mittagessen aus einem Fenster des Restaurants.

Pandemie

Corona-Zeit: So geht es der Gastronomie im Lockdown

  • vonBarbara Schmidt
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Die Betriebe warten noch auf Finanzhilfen und leben vom Ersparten und treuen Kunden.

Hofheim – Hofheim ist längst eine gastronomische Hochburg. In der malerischen Altstadt ist die Auswahl groß für alle, die sich gern hinter gedeckte Tische setzen und sich an diesen vom Frühstück bis zum ambitionierten Menü und von der Kaffeespezialität bis zur feinen Torte Gutes servieren lassen. Dass das auch nach diesem Shutdown so bleibt, kann man derzeit nur hoffen. Denn schon seit Anfang November ist das, was direkt in die Kassen kommt, aufs Außer-Haus-Geschäft begrenzt. Nach der erneuten Verlängerung des Shutdown haben wir uns bei einigen Gastronomen umgehört.

Gastronomie in Hofheim: Stammkunden sind Lichtblick für Gastronomen Bernhard und Milka Schmidt

Im Restaurant "Zum Taunus" in der Oberen Hauptstraße reicht Milka Schmidt dem Kunden um Punkt 12.30 Uhr mit einem Lächeln - unter der Maske - das bestellte Essen durchs Fenster neben der Eingangstür. Es sind die treuen Stammgäste, die derzeit für die Wirtsleute Bernhard und Milka Schmidt Lichtblick in schwieriger Zeit sind. Von den versprochenen Hilfen des Bundes sei "bisher ein Viertel angekommen", sagt Bernhard Schmidt. Gerade mal die Hälfte dessen, was für den November beantragt worden sei, als Abschlagszahlung, für die andere Hälfte sollten ja erst noch einmal genauer alle Angaben geprüft werden. Für das Paar, das den Betrieb derzeit ganz allein führt, heißt das: "Zwischenfinanzieren und hoffen, dass wir unser Konto am Ende wieder auffüllen können."

Gott sei Dank, meint Schmidt, hätten sie "das Glück und auch das Können", sich mit dem Abhol-Service zumindest ein wenig Einkommen zu sichern. Aber allein die Getränke machten normalerweise 50 Prozent des Umsatzes. "Das fehlt komplett." Und kann auch durch den Verzicht auf den Ruhetag, den sich die beiden seit dem Shutdown nicht mehr gönnen, nicht ausgeglichen werden. "Das geht an die Substanz, auch körperlich", hat der 65-Jährige Bernhard Schmidt schon festgestellt. Für die Treue der Kundschaft, darunter viele alleinstehende Senioren, seien sie "einfach nur dankbar".

Gastronom Pieter Prins aus Hofheim bei Frankfurt schaut hoffnungsvoll in Richtung Frühjahr

Das Restaurant "Die Scheuer" hat erst einmal Betriebsferien bis zum 13. Januar eingeschoben. Auch die Waldgaststätte zum Meisterturm ist komplett geschlossen. Dagegen steht im Weinlokal "Zum Türmchen" die Inhaber-Familie Prins mit sieben Festangestellten weiter für Gäste-Wünsche "to go" zur Verfügung. Die brächten derzeit allerdings allenfalls 10 bis 15 Prozent des sonst normalen Umsatzes. "Wir überleben nur, weil ich vernünftig gewirtschaftet habe", sagt Pieter Prins. Allen Angestellten zahle man weiter ein volles Gehalt, weil Kurzarbeitsgeld für die Familien einfach nicht zum Leben reiche. Er wolle so aber auch seine guten Leute halten - für die Zeit nach Corona. "Da brauche ich sie alle", ist Prins überzeugt. Er räumt ein, dass die aktuelle Belastung "an die Substanz geht jetzt". Und setzt auf das Frühjahr. "Wir gehen davon aus, dass wir im März, wenn die Terrassen-Saison beginnt, wieder arbeiten können", blickt der Gastwirt hoffnungsvoll nach vorn.

Gastronomie in Hofheim bei Frankfurt: Zusammenhalt ist in spürbar, aber Hilfen bleiben noch aus

Auf Urlaub und Kurzarbeit setzt Carlo dal Mas, damit seine Betriebe, das Kult-Eiscafé Venezia und das "Momenti italiani" den zweiten Shutdown überleben. Ein bisschen Abhol-Geschäft hat auch er. Dass die Hofheimer treue Kunden sind, der beschworene Zusammenhalt spürbar, sagt auch er. Klagen will der Italiener nicht. "Wir sitzen alle in einem Boot", sagt er. Und die Menschen, die in Altenheimen und Krankenhäusern arbeiteten, hätten es ungleich schwerer.

"Ganz schlecht" nennt Christos Giannoulis vom griechischen Restaurant "Ariston" die Lage. Auch er hat Hilfen beantragt, wartet aber noch auf das Geld. Das Abhol-Geschäft ist klein. Miete, Strom, Gas, alles laufe weiter. Das Personal ist in Kurzarbeit. Der Familie fehle das Einkommen. "Aber was sollen wir machen?"

Hofheim bei Frankfurt: Sogar eine Neueröffnung

Mitten im Shutdown gibt's sogar eine Neueröffnung. Sofia Lee hat sich in der Burgstraße 7 ihren Traum von einem zweiten Café, diesmal, anders als in Königstein, in denkmalgeschütztem Ambiente, verwirklicht. "Wir planen es seit Dezember 2019 und haben es durchgezogen", sagt Lees Ehemann Peter Kim.

Das neue Café Sofia in der Burgstraße ist liebevoll eingerichtet: Betreiberin Sofia Lee kann ihre Kuchen und Torten zurzeit aber nur draußen zum Mitnehmen verkaufen.

Sofia Lee setzt auf Selbstgemachtes mit südkoreanischer Note. "Sie backt alle Torten selbst und stellt auch alles andere selbst her", von der Limonade bis zu kleinen Snacks, versichert Kim. Sofia Lee hat schon festgestellt, dass die Hofheimer sehr offen auf ihr neues Angebot reagieren. Und freut sich auf bessere Zeiten, wenn die Besucher auf den antiken Sesseln auch Platz nehmen können oder im kleinen Hof sitzen. Und da das Café schließt, wenn die Tapas-Bar nebenan öffnet, könne man sich diesen Außensitzplatz dann künftig problemlos teilen, sagt Kim. Blick nach vorn - das bleibt in der Gastronomie klar die Richtung. babs

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