Markus Buch ist der neue Vorsitzende des Vereins Industrie, Handel, Handwerk (IHH) und hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Zahl der IHH-Mitglieder beispielsweise möchte er gerne von aktuell 120 auf mindestens 200 steigern.
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Markus Buch ist der neue Vorsitzende des Vereins Industrie, Handel, Handwerk (IHH) und hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Zahl der IHH-Mitglieder beispielsweise möchte er gerne von aktuell 120 auf mindestens 200 steigern.

Wirtschaft

Hofheims IHH-Chef: Wir brauchen einen City-Manager

  • VonBarbara Schmidt
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Vor einer Menge Herausforderungen stehen die Gewerbetreibenden nicht erst seit der Pandemie, die manche Entwicklung noch verschärft hat. Wie sieht der Verein Industrie,Handel,Handwerk Hofheim (IHH) die Situation und wo geht es hin unter neuer Führung? Darüber hat Barbara Schmidt mit Markus Buch gesprochen.

Herr Buch, Sie haben seit kurzem eine neue Würde: Sie sind jetzt IHH-Chef. Was hat Sie bewegt, sich zur Wahl zu stellen?

Die Folgen der Pandemie für die Gewerbetreibenden in Hofheim anzugehen, war ein Grund. Es war ja aber auch so, dass Eva Rembser angekündigt hatte, dass sie sich auf die Politik konzentrieren wollte. Wir haben dann gemeinsam überlegt, wenn sie diesen Part übernimmt, dass ich die Wirtschaftsvertretung mache.

Und das ist Neuland?

Ich war zumindest noch nie in einer ähnlichen Position, habe noch nie einen Verein geleitet. Ich bin zwar bei der IHK und beim Einzelhandelsverband engagiert, aber die Vereinsarbeit kannte ich gar nicht. Nun habe ich festgestellt: Das ist fast so umfangreich, wie eine Firma zu leiten.

Wo knüpfen Sie an, und was wird sich mit Ihnen beim IHH ändern?

Wir stehen vor drei Herausforderungen: die Folgen der Pandemie zu mindern, neue Mitglieder zu gewinnen beziehungsweise den Verein zu verjüngen und die Finanzierung seiner Arbeit sicherzustellen. Das wegen der Pandemie abgesagte Altstadtfest 2020 hat uns ein großes Loch in die Kasse gerissen. Das Barvermögen, es auszugleichen, ist zwar da, aber das kann ja so nicht sein. Da ist jetzt der Kaufmann gefragt, hier wieder ein solides Wirtschaften sicherzustellen.

Als Basis für neue Akzente?

Ja, der Fokus wird neu gestellt. Jeder schaut ja, was kann er gut, wo liegen seine Stärken. Bei mir ist das der Bereich Personal. Mitarbeiter zu gewinnen, das wird auch für viele unserer Mitglieder immer schwieriger. Daher möchten wir eine Ausbildungsmesse auf die Beine bringen. Um das umsetzen zu können, brauchen wir als Verein aber zuerst wieder eine hauptamtliche Geschäftsführung. Es soll ein City-Manager her. Dafür sollen Fördergelder genutzt werden, bei deren Beantragung uns die Stadt geholfen hat.

Wie weit ist das gediehen?

Ich habe bereits Bewerbungsgespräche geführt. Die Stelle soll so schnell wie möglich besetzt werden, aber wichtiger als der Zeitpunkt ist, die richtige Person zu finden.

Die Innenstädte haben alle das gleiche Problem: Der Internethandel macht ihnen zu schaffen. In Hofheim sieht es noch vergleichsweise gut aus. Welche Stärken der Stadt würden Sie gern stärken?

Wir verkaufen uns, glaube ich, unter Wert und zeigen die Stärken, die wir haben, noch zu wenig nach außen. Da gibt es mehr Möglichkeiten, das etwa in den Medien publik zu machen. Unsere Internetseite muss dringend moderner werden und auch bei Facebook und auf anderen Plattformen ließe sich mehr tun. Aber man braucht dazu auch die Manpower, und unser Büro ist eben schon seit einiger Zeit nicht mehr besetzt.

Und welche Schwächen würden Sie gern abstellen?

Wo Stärken sind, gibt es immer auch Schwächen, das gehört zusammen. Bei uns in Hofheim ist alles nah beieinander, aber die Kessellage der Innenstadt sorgt zugleich auch mit für unsere Verkehrsprobleme. Da sind die Überlegungen für eine zweite Brücke über die Bahnlinie sicher gut. Wie und ob das aber machbar ist, wird die Frage sein.

Lässt sich mit Blick auf die Internetkonkurrenz da auch vonseiten des Handels etwas konkret tun?

Ja. Einkaufserlebnisse. Emotionen, alles das, was der Mensch nicht am PC bekommt, sollte er bieten. Schmecken, sehen, fühlen, riechen, Kontakte - das liefert das Netz nicht.

Kann die Stadt noch mehr helfen?

Wir spielen uns schon die Bälle zu. Die Bereitschaft, sehr unbürokratisch zu helfen, ist in Hofheim sehr ausgeprägt. Gerade erst habe ich mit Jens Seidemann, meinem Stellvertreter im IHH-Vorstand, bei der Weihnachtsbeleuchtung die Lichter überprüft. Da ist uns eingefallen, dass wir den Bauhof gar nicht kontaktiert haben wegen der Aufhängung. Ich habe dann angefragt und festgestellt: Das läuft schon alles.

Sie haben gesagt, dass auch die Mitgliederwerbung ein Thema werden soll. Der IHH wird oft als Händler-Vertretung wahrgenommen, aber Handwerk und Industrie gehören ja auch dazu. Gibt es da noch Potenzial und damit auch Chancen?

Mit Herrn Anderlohr, dem Chef des Cafés im Alten Rathaus, habe ich ja immerhin schon einen Konditormeister, also einen Handwerker, für den Vorstand neu gewonnen. Und mit der Ausbildungsmesse wollen wir natürlich auch diese Betriebe ansprechen. Denn für alle ist es mit Corona noch schwerer geworden, gute Azubis zu finden. Was die Mitgliederwerbung angeht, ist mein Ziel, von aktuell 120 auf zumindest 200 Mitglieder zu wachsen. Wir haben einen Jahresbeitrag von 120 Euro - und wollen unseren Mitgliedern zeigen, dass sich ihr Beitrag in guter Leistung auszahlt.

ZUR PERSON

Markus Buch (58) führt mit seinen Brüdern Christian und Martin den Familienbetrieb in dritter Generation. Im Stammhaus in der Hauptstraße in Hofheim hatten seine Großeltern Anne und Lorenz Buch in den 1930er-Jahren zunächst mit einem kleinen Lebensmittelgeschäft, einem typischen Tante-Emma-Laden, begonnen. Ihr Sohn Heinz vergrößerte das Geschäft zu Hofheims erstem Supermarkt und stellte bereits 1968 auf Selbstbedienung um, 1969 führte er einen Lieferservice ein. Auch in Sachen Bio- und Öko-Ware war Buch Vorreiter; es gibt sie, ebenso wie das Reformhaus-Angebot bereits seit den 1970er-Jahren. Markus Buch ist Lebensmittelkaufmann und im Familienbetrieb, zu dem heute noch zwei Edeka-Märkte in Hattersheim (seit 2007) und im Hofheimer Chinon-Center (seit 2010) gehören, zuständig für den Bereich Personal. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. babs

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