Die Thema Kinderbetreuung ist in Hofheim ein Dauerbrenner.
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Die Thema Kinderbetreuung ist in Hofheim ein Dauerbrenner.

Soziales

Hofheims Kitas: Stadt will weg von Notlösungen

  • VonManfred Becht
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Probleme gibt es zurzeit in Lorsbach, Langenhain und Wildsachsen. Eltern suchen Plätze, und die Zeit drängt. Gibt es deshalb doch wieder nur neue Provisorien?

Hofheim -In Lorsbach wird ein Teil des Gemeindezentrums mühsam zur Kindertagesstätte umgebaut, in Wallau wird eine bestehende Einrichtung durch Anmietung weiterer Räume erweitert, in Langenhain wurde ein ehemaliger Jugendraum für die Kinderbetreuung umgebaut - an der Schaffung zusätzlicher Kindergartenplätze hat der Magistrat nicht übermäßig viel Freude. Lieber würde man umfassende Lösungen anstreben statt immer neuer Anstückelungen und Notlösungen, heißt es sinngemäß neuerdings auch aus dem Hofheimer Rathaus. Aber in den meisten Fällen drängt die Zeit.

In Wallau zum Beispiel hatte die Stadt in der Taunusstraße eine Wohnung angemietet, um einen provisorischen Kindergarten einzurichten für die Zeit bis zur Eröffnung eines Neubaus auf dem Ikea-Gelände. Aber die Stadt und das Möbelhaus konnten sich nicht auf einen Kaufpreis für das Grundstück einigen. Daher baut die Stadt jetzt weitere Flächen in dem Anwesen in der Taunusstraße um, damit sie dort eine zweite Gruppe einrichten kann. Freilich bezifferte der Magistrat Miete und Umbaukosten für die nächsten 20 Jahre auf 1,8 Millionen Euro.

Für eine einzige zusätzliche Gruppe sei dies zu viel, kritisiert der Linken-Stadtverordnete Bernd Hausmann. Es bringe nicht viel darüber noch zu diskutieren, weil man sich für diesen Weg schon entschieden habe, so die CDU-Stadtverordnete Birgit Krämer. Ein wenig Resignation angesichts der bestehenden Zwänge klingt da schon mit.

Planungen kommen nicht richtig voran

In Langenhain, wo ein ehemaliger Jugendraum für die Kinderbetreuung genutzt wird, sollte es 2022 mit der Erweiterung des Familienzentrums los gehen. Daraus wird aber nichts, weil die Planungen nicht schnell genug voran kommen; nach den Worten von Stadtrat Bernhard Köppler kamen die Vorgaben aus Langenhain zu spät. Jetzt wird erst 2023 gebaut - in der Hoffnung, dass dadurch keine neuen Probleme entstehen. Denn in Langenhain sind auch schon Kinder aus anderen Stadtteilen untergekommen, etwa aus Lorsbach.

In Lorsbach sieht der Magistrat keine Perspektive, die Einrichtung in der Talstraße über 100 Plätze hinaus zu erweitern - schon die aktuelle Ausdehnung ins Gemeindehaus hinein macht viel Stress. Nachgedacht wird über eine neue Einrichtung im Neubau der Wohnungsbaugesellschaft auf dem Nahkauf-Gelände. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass dies wegen der engen Platzverhältnisse keine gute Lösung sei.

Sie bringen eine Fläche angrenzend an die Grundschule ins Gespräch. Der Main-Taunus-Kreis überlege auch eine Erweiterung der Schule und suche nach Flächen, hieß es im Ortsbeirat. Seit langem ist bekannt, dass die Schule und das Betreuungsangebot aus allen Nähten platzen. Gut möglich also, dass sich an der Borngasse etwas für die Lorsbacher Kindergartenkinder und Schüler tut.

Das klingt nach einer längerfristig tragfähigen Lösung und wäre bisher eher die Ausnahme. Es fehlt eine große Linie, es fehlt offenbar auch die Zeit, eine solche zu entwickeln. Im Sozialausschuss drängten die Grünen auf den von der Stadt angekündigten Maßnahmenplan. "Die Zeit drängt, viele Eltern suchen Plätze", so die Stadtverordnete Christa Katzenbach. Bislang habe man noch für jedes Kind eine Lösung finden können, wenn auch zum Teil in anderen Stadtteilen, will Bianca Sigg, im Rathaus für die Kinderbetreuung zuständig, die Lage nicht dramatisieren. Freilich klingt dies so, als lebe man von der Hand in den Mund.

Neue U 3-Kita im Hofheimer Norden

Immerhin, es gibt Ansätze für den Versuch, zu runderen, längerfristig tragenden Lösungen zu kommen. So hat der Magistrat bei den Haushaltsberatungen berichtet, dass die ins Auge gefasste Erweiterung der Kindertagesstätte Wildsachsen wohl nicht kommt. Bekanntlich hat die Stadt das Busdepot in der Ortsmitte gekauft; das gesamte Gelände und der Platz davor sollen umgestaltet werden. In dem Zusammenhang könnte dort eine neue Kindertagesstätte entstehen.

"Wir müssen wegkommen von dem ständigen Anstückeln hier und dem Erweitern dort", erläuterte Stadtrat Bernhard Köppler, zuständig für die Kinderbetreuung, bei der Vorstellung des Haushaltsplanes. Ganz ähnlich äußerte sich auch Bürgermeister Christian Vogt. Diesen Gedanken folgt auch die Absage einer Aufstockung des sogenannten Gartenhauses in der Kindertagesstätte Steinberg, mit der zusätzliche Plätze geschaffen werden sollten. 1,7 Millionen Euro hätte dies die Stadt gekostet - und dabei sind, nach Köpplers Worten, solche Erweiterungen baulich keine zufriedenstellenden Kompromisse. Im Hofheimer Norden ist jetzt eine dauerhafte Lösung in Sicht: Wie am Samstag berichtet, soll auf dem ehemaligen Grundstück der Firma Polar Mohr an der Homburger Straße neben 95 Wohnungen auch eine neue U 3-Kindertagesstätte gebaut werden.

Insgesamt kann man auf den angekündigten Maßnahmenplan und die Debatte darüber nur gespannt sein. Gerade Wildsachsen zeigt dabei, dass man aufpassen muss, nicht doch wieder vom Bedarf unter Zeitdruck gesetzt zu werden. Im Ort würden gerade Wohngebiete nachverdichtet, so Köppler selbst. Außerdem steht das Baugebiet Jungehag an, und in der Ortsmitte könnten weitere Wohnungen entstehen. Damit werden sicher auch wieder neue Betreuungsplätze gebraucht. In Lorsbach scheint die Zeit ebenfalls zu drängen.

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