Schlicht, elegant und teuer - im Stil der Bauhaus-Architektur sollen an der Ecke Langgewann/Altenhainer Straße sechs große Wohnhäuser entstehen. Fertigstellung im nächsten Jahr.
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Schlicht, elegant und teuer - im Stil der Bauhaus-Architektur sollen an der Ecke Langgewann/Altenhainer Straße sechs große Wohnhäuser entstehen. Fertigstellung im nächsten Jahr.

Bauprojekt

Hofheims neues Edel-Quartier

  • vonManfred Becht
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Die Firmengruppe Weiß baut am Steinberg 51 Wohnungen der gehobenen Klasse. Die Linken hätten lieber Sozialwohnungen gesehen.

Hofheim -Die Linken hatten darauf gedrungen und zuletzt noch einen Antrag eingebracht: Warum werden im Hofheimer Norden, zwischen der Steinbergschule und der Straße Im Langgewann, nicht durch die stadteigene Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) Sozialwohnungen gebaut? Wo doch der Stadt eines der vier Grundstücke auf dem 5400 Quadratmeter großen Areal gehöre. Die Linken widersprachen damit einer Auskunft des Magistrats, die Stadt habe keinen Zugriff auf die Flächen, und diese seien für den Bau von Sozialwohnungen nicht geeignet.

Die Verwaltungsspitze hat dazu in dieser Woche berichtet, dass die HWB das Thema durchaus geprüft, von der Idee aber Abstand genommen habe. Weitere Erläuterungen dazu gab es nicht. Offensichtlich ist aber, dass die HWB zurzeit einfach genug Projekte am Hals hat. Der Komplex für Taunus-Sparkasse und Stadtbücherei am Kellereiplatz ist noch nicht fertig, am Finanzamt steht ein weiteres Großprojekt an mit mehr als 60 Wohnungen, darunter auch Sozialwohnungen. Und gebaut werden soll auch an der Hofheimer Straße in Lorsbach.

Der Bauantrag wird im März eingereicht

Im Langgewann jedenfalls sollen keine Sozialwohnungen gebaut werden. Infrage gekommen wäre dafür allerdings nur das 1600 Quadratmeter große Grundstück, das der Stadt gehört. Zum Zuge kommt nun die Firmengruppe Weiß, die in direkter Nachbarschaft, auf der anderen Seite der Straße, vor einigen Jahren ein Edel-Quartier im angesagten Bauhaus-Stil realisierte. Die Verabschiedung des Bebauungsplanes wie auch des Städtebaulichen Vertrages mit dem Investor gelten als sicher, die Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung war aber erst für gestern Abend vorgesehen.

Die Weiß Bau und Projektentwicklung GmbH kann, wenn es keine unvorhersehbaren Hindernisse gibt, bald loslegen. Die Bäume auf dem Gelände werden noch im Februar gefällt; danach ist das aus Rücksicht auf die Brut- und Setzzeit der Tiere nicht erlaubt. Der Bauantrag soll im März eingereicht werden, kündigt Geschäftsführer Michael Weiß im Gespräch mit dieser Zeitung an. Im Juli gehe es auf der Baustelle los. Maximal zwei Jahre lang werde gebaut.

Die Lage ist hochpreisig

Entstehen sollen 51 Wohnungen verteilt auf sechs Häuser, jedes dreigeschossig plus Staffelgeschoss. Die Wohnungen sind zwischen 70 und 210 Quadratmeter groß und haben zwei bis fünf Zimmer. Zu den Preisen der Eigentumswohnungen will Weiß nichts sagen, zu unkalkulierbar seien manche Kosten. Dass die Wohnungen am noblen Steinberg aber der höheren Preiskategorie angehören, daraus macht er keinen Hehl. Und das ist in einer hochpreisigen Lage, bei einer Ausstattung mit Aufzügen und Tiefgaragen, die alle Autos aufnehmen können, fast selbstverständlich.

Weiß betont gerne eine ganze Reihe von ökologisch-nachhaltigen Merkmalen seines Vorhabens. Als Clou kann man sicher die drei Elektroautos ansehen, die an der Altenhainer Straße geparkt und geladen werden sollen. Als Car-Sharing-Fahrzeuge stehen zwei davon ausschließlich den Bewohnern zur Verfügung, ein weiteres der Öffentlichkeit. Projektpartner ist hierbei die Hofheimer Genossenschaft Solarinvest, die sich bislang vor allem mit dem Bau von Bürgersolaranlagen befasst hat. "Ich bin gespannt, wie das angenommen wird", sagt Weiß.

Auf drei Dächer der sechs geplanten Häuser sollen Solaranlagen installiert werden; der Strom wird in Batterien gespeichert und als Gemeinschaftsstrom genutzt. Mit umweltschädlichem Styropor gedämmt werden die Gebäude nicht; sondern Hohlziegel sollen für eine Isolierung sorgen, die den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Drei weitere Dächer werden begrünt, die Tiefgarage zum Teil mit einer so starken Erdschicht bedeckt, dass Bäume dort gepflanzt werden können. "45 Bäume stehen dort jetzt, 50 werden gepflanzt", rechnet Weiß vor.

Stadt bekommt 2,5 Millionen Euro

Ein wenig kurios übrigens ist die Historie des 1600 Quadratmeter großen städtischen Grundstückes, dessen Verkauf an den Investor die Stadtverordnetenversammlung ebenfalls gestern Abend auf der Tagesordnung hatte. Vor mehr als einem Jahrzehnt wurde die Fläche in einem neuen Bebauungsplan für die Erweiterung der Steinbergschule vorgesehen. Sie hatte damit für den Eigentümer längst nicht mehr den gleichen Wert wie Bauland, da der Kreis die Fläche nicht kaufen wollte. Um einen juristischen Streit um den damaligen Bebauungsplan zu beenden, kaufte die Stadt das Gelände kurzerhand, um es jetzt gemeinsam mit Verkehrsflächen, die ihr durch die Erschließung zufallen, für 2,5 Millionen Euro an den Investor zu verkaufen. Die Stadt will die Hälfte des Erlöses jetzt an die HWB weitergeben, die es zum Bau von Sozialwohnungen einsetzen soll. Manfred Becht

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