+
Tanzstunde in schönem Ambiente: Der Saal im Obergesachoss des ehemaligen Ballhauses in der Hauptstraße macht auch optisch etwas her.

Tanzschule schließt

In Hofheims schönsten Saal wird an Silvester der letzte Tango getanzt

  • schließen

Wenn die Musik im Sommer aus den offenen Fenstern klingt, klagen Nachbarn über Ruhestörung. Auch vor diesem Hintergrund sind die Chancen, dass sich noch mal eine Tanzschule als Mieter für Hofheims wohl schönsten Saal findet, gleich Null.

Wenn seine Wände erzählen könnten, würden die Geschichten wohl ganze Bücher füllen. Der Saal des früheren Gasthauses „Krone“ in der Hauptstraße 38 hat schon sehr vielen Menschen für Versammlungen und Gesellschaften aus ganz unterschiedlichen Anlässen gedient. Die Stadtverordneten haben hier getagt, als das Rathaus noch direkt um die Ecke war. Die Fastnachtsveranstaltungen, die hier in den 1950er Jahren stattfanden, sind in Hofheim legendär. Regisseur Wolfgang Kaus etwa hat von ihnen geschwärmt, der Maler Hermann Haindl lernte hier seine Erika kennen. Der Künstler Siegfried Reich an der Stolpe schuf in dem Saal Kulissen für den Karnevalverein, und der Verein Industrie, Handel, Handwerk (IHH) hielt 1967 hier seine Gründungsversammlung ab. Nun geht eine Ära zu Ende. Denn mit der Schließung des Tanzstudios „Destinotango“ zum 1. Januar 2019 wird der Saal wohl nicht mehr als solcher vermietet.

Keine Hoffnung

Besitzer des Einzeldenkmals Hauptstraße 38, zu dem auch das „ehemalige Ballhaus mit Tanzsaal“ gehört, ist Immobilienmakler Ralf Weber. Er hat keine Hoffnung, dass es noch einmal möglich sein wird, einen Mieter zu finden, der den Saal seiner ursprünglichen Bestimmung entsprechend nutzen möchte. Denn seit langem schon gibt es immer wieder Probleme hier. Vor „Destinotango“ hatte die Tanzschule Metropol den Saal als Vereinsheim genutzt, davor war er in den 70er Jahren laut Weber eine Disco.

Ein Problem ist der Lärmschutz. Wenn im Sommer auch in den späteren Abendstunden die Fenster geöffnet wurden, gab es regelmäßig Beschwerden einiger Anwohner über als zu laut empfundene Musik. Dass nicht immer alle Gäste vorschriftsmäßig geparkt haben, war ein weiterer Grund für Ärger. Da nun auf dem ehemaligen Gelände des „Kaufhaus Diener“ direkt gegenüber auch noch 13 Wohnungen entstehen, steht für Ralf Weber endgültig fest, dass er für den Saal eine neue Nutzung braucht. Wenn nur ein „Hardliner“ in die Nachbarschaft ziehe, der auch vor Klagen nicht zurückscheue, würde das für jede Tanzsaalnutzung das Aus bedeuten, ist er sicher.

Die Folge: Weber hat sich für den Umbau des Ballsaals in zwei Loft-Wohnungen entschieden, wie sie bereits im ehemaligen Kino im Haus Hauptstraße 35 verwirklicht wurden. Auch dieser Gebäudekomplex war übrigens einst Gasthaus. Die wunderbaren Jugendstilfenster mit Blütendekor, von außen das auffallendste Element des Saals, blieben natürlich, wie sie seien, sagt der Besitzer. Sie sind der künstlerische Grund, dass der Anbau von 1905 unter Denkmalschutz steht.

Hohe Wohnräume

Die Wohnungen sollen daher sechs Meter hohe Wohnräume haben, eine doppelstöckige Nutzung sei dann im hinteren Bereich vorgesehen, erläutert Weber. Einen Bauantrag habe er bisher nicht eingereicht, das werde wohl erst im Frühjahr der Fall sein. Die Denkmalpflege habe er über das Vorhaben aber bereits informiert. Auf die Nutzung als Wohnraum werde es aber hinauslaufen. Dieser werde ja nun aktuell auch gebraucht, und eine andere Lösung für die Räume wisse er nicht. „Man muss mit der Zeit gehen“, meint der Besitzer.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare