Betriebsleiter Dirk Heislitz in den Umkleiden der Rhein-Main-Therme, die komplett neugestaltet werden.
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Betriebsleiter Dirk Heislitz in den Umkleiden der Rhein-Main-Therme, die komplett neugestaltet werden.

Wirtschaft

Hofheims Spaßbad ist eine große Baustelle

  • vonManfred Becht
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Eigentlich wäre jetzt Hochsaison in der Rhein-Main-Therme, aber wegen der Pandemie ist das beliebte Hofheimer Spaß- und Wellnessbad seit November geschlossen. Der Betreiber nutzt die wirtschaftlich schwierige Zwangspause, um gründlich zu renovieren.

Hofheim -Nein, einladend sieht es derzeit nicht gerade aus im Eingangsbereich der Rhein-Main-Therme. Fliesen und Baumaterial stehen herum, Werkzeuge und andere Dinge, die man auf einer Baustelle so braucht. Handwerker gehen ein und aus, machen sich an vielen Stellen in dem Gebäude zu schaffen. Die regelmäßigen Besucher wird es freuen: Die Therme nutzt die Pandemie-bedingte Schließung zu Sanierungs- und Renovierungsarbeiten.

Ohnehin ist die Vorstellung falsch, die Betreiber hätten einfach das Wasser abgelassen, alle Anlagen abgestellt, das Licht ausgeschaltet und das Bad von außen abgeschlossen. Die Filteranlagen würden, wenn man das so macht, komplett verkeimen, sagt Betriebsleiter Dirk Heislitz. Der Manager hat von kleineren Schwimmbädern gehört, die genau diese Probleme schon bekommen haben.

Wassertemperatur wurde abgesenkt

In den Becken wiederum würden die Kacheln, die ohne das Wasser viel stärker plötzlichen Temperaturschwankungen ausgesetzt wären, Schaden nehmen. Also bleibt das Wasser drin, und es werden auch im üblichen Rhythmus Proben genommen und untersucht. Lediglich die Temperatur wurde abgesenkt, von 31 auf 26 Grad. Ganz stillgelegt werden kann die ganze Anlage ohnehin nicht, denn das Sportbecken wird noch von Leistungssportlern für Einzeltraining genutzt.

Ein paar Euro spart das Unternehmen natürlich durch die Absenkung der Wassertemperaturen, geringere Verbräuche und anderes. Andere Ausgaben fallen gar nicht an, etwa der Einkauf für die Gastronomie. Aber so richtig ins Gewicht fällt dies alles nicht im Vergleich zu den Personalkosten. Bei etwas mehr als 200 Mitarbeitern in Therme und zugehörigem Hotel ist das der mit Abstand dickste Brocken.

Dass darunter 90 Aushilfen sind, lässt schon erahnen, wer die Hauptleidtragenden der Krise sind - sie werden aktuell natürlich gar nicht gebraucht. Die Festangestellten sind in Kurzarbeit. Acht oder neun Mitarbeiter lassen sich täglich blicken, um die Baustellen im Blick zu haben und die Anlagen zu überwachen. Nach der Trinkwasserverordnung muss in solchen Betrieben aus jeder Armatur mindestens alle drei Tage einmal Wasser fließen, sagt Heislitz. Das hat dazu geführt, dass er zeitweise selbst durch mehr als 90 Hotelzimmer gelaufen ist, um jeweils Toilettenspülung, Dusche und Wasserhahn im Waschbecken in Gang zu setzen.

Ausnahmen sind nicht drin

Gerade was das Hotel angeht, sehen sich die Mitarbeiter immer wieder einmal mit merkwürdigen Buchungsanfragen konfrontiert. Manche würden versuchen, irgendeine Lücke in den Kontaktbeschränkungen zu finden und zu nutzen, sagt Heislitz. Weder in der Therme noch im Hotel kämen sie damit durch. Verständnis hat er für die Schwimmbadbesucher, die sich aus gesundheitlichen Gründen regelmäßig bewegen müssen. Aber Ausnahmen sind nun mal nicht drin.

Wenn die Gäste - in normalen Betriebsjahren waren es bis zu einer halben Million - endlich wieder kommen dürfen, werden sie in einigen Bereichen auf ein verändertes Bild treffen. Die Sauna hat hellere Fliesen bekommen, das Dampfbad gar eine komplett neue Optik. Von dem früheren Ambiente einer römischen Therme, zumindest wie der Nutzer es sich so vorstellt, ist im Laufe der Jahre immer mehr verschwunden. Jetzt sind nur noch einige Wandmalereien da, von denen man sich nach den Worten von Heislitz aber nicht trennen wollte.

Dabei ist diese Baustelle keine Baustelle wie viele andere. Spezielles Material wird gebraucht, zum Beispiel wenn es um Metall geht. "Was aus dem Baumarkt kommt, ist ruckzuck verrostet", sagt Heislitz. Trotzdem gibt es Überraschungen: Als man eine Lieferung von Fliesen aus Spanien öffnete, stellte sich heraus, dass es nicht der richtige Farbton war. Eine endgültige Klärung steht noch aus.

Drei oder vier Tage Vorlauf sind nötig

Manche der Arbeiten standen ohnehin an, manches habe man aber zusätzlich ins Programm genommen. Die Fliesen in den Toiletten zu erneuern, das geht im laufenden Betrieb eigentlich nicht. Also wurde die sich jetzt bietende Chance genutzt. Wann sich die Thermenbesucher selbst einen Eindruck verschaffen können, steht noch nicht fest. Aber so chaotisch es derzeit an einigen Stellen der Baustelle auch aussehen mag - Heislitz ist sicher, dass der Betrieb ziemlich schnell, nach drei oder vier Tagen Vorlauf, wieder geöffnet werden kann.

Hier schwitzen zurzeit nur die fleißigen Handwerker: Das Dampfbad wird generalsaniert.

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