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HWB-Geschäftsführer: Keiner unserer Mieter muss Angst haben

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Bürgermeister Christian Vogt (Mitte) und die beiden HWB-Geschäftsführer Josef Mayr (links) sowie Norman Diehl stellen die Jahresbilanz der stadteigenen Hofheimer Wohnungsbau GmbH 2021 vor.
Bürgermeister Christian Vogt (Mitte) und die beiden HWB-Geschäftsführer Josef Mayr (links) sowie Norman Diehl stellen die Jahresbilanz der stadteigenen Hofheimer Wohnungsbau GmbH 2021 vor. © Stadt Hofheim

Explodierende Energiekosten: Hofheimer Wohnungsbau GmbH erhöht wohl Vorauszahlungen und ruft zur Sparsamkeit auf.

Hofheim. Norman Diehl verkündet eine klare Botschaft. "Keiner unserer Mieter muss Angst haben, dass wir ihn auf die Straße setzen, weil er seine Heizrechnung nicht bezahlen kann", sagt der Geschäftsführer der Hofheimer Wohnungsbau GmbH (HWB). Gleichwohl müsse die HWB sich angesichts der "überall explodierenden Energiekosten" vorbereiten. Bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens stellte Diehl einen Dreiklang an Maßnahmen vor: Nicht ausgeschlossen sei, dass um 10 bis 20 Prozent erhöhte Vorauszahlungen auf die Mieter zukommen - trotz der ausdrücklichen Vorgabe, "moderate Lösungen für alle Beteiligten" zu finden.

Angepasst werden müsse zudem das Nutzerverhalten. "Energieschleudern, also heizen und die Fenster längere Zeit gekippt offen lassen, muss der Vergangenheit angehören." Drittens werde die HWB die Technik der Gas-Thermen auf Verbesserungsmöglichkeiten durchforsten. Da ein vergleichsweise hoher Anteil ihrer Wohnungen aus den 50er bis 70er Jahren stammt, sei das von erheblicher Bedeutung.

Breite Schichten der Bevölkerung

Die HWB als 100-prozentige Tochter der Stadt Hofheim habe einen unmissverständlich definierten Auftrag: Sie müsse niedrigen Einkommensschichten den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum ermöglichen, aber auch dem klassischen Mittelstand.

Der Wegfall der KfW-Förderung für energetisch optimierte Gebäude macht diese Aufgabe nicht einfacher. Beim Neubauprojekt Hofheimer Straße in Lorsbach mit seinen rund 20 Wohneinheiten muss mit 300 000 Euro weniger kalkuliert werden. Laut Bürgermeister und HWB-Aufsichtsratsvorsitzendem Christian Vogt soll dies von der Stadt Hofheim aufgefangen werden. Er habe der Stadtverordnetenversammlung vorgeschlagen, dafür das 1200 Quadratmeter große kommunale Grundstück Paulinenweg 24 bis 26 in Langenhain zu veräußern.

Ein Drittel des zu erwartenden Verkaufserlöses werde den Wegfall der KfW-Förderung in der Hofheimer Straße kompensieren, ein weiteres Drittel könne für die Sanierung der Obdachlosenunterkunft in der Rheingauer Straße verwendet werden. Noch im laufenden Jahr werde das 2000 Quadratmeter große Ballsport-Areal an der Höchster Straße zwischen Feuerwehr und Finanzamt fertig, versicherte HWB-Geschäftsführer Josef Mayr. Baubeginn auf dem ehemaligen Nahkauf-Areal in Lorsbach soll im Winter 2022 / 2023 sein. Rund 9,2 Millionen Euro werden dort für einen Mix aus bezahlbarem Wohnraum, Kinderbetreuung und Nahversorgung investiert.

Der Startschuss für den Bau des Stadtteiltreffs Nord soll im Herbst 2022 fallen. Das Gebäude beherberge neben dem Stadtteiltreff vier Wohneinheiten auf 438 Quadratmetern. Ebenfalls geplant, aber aufgrund der Thematik der fehlenden KfW-Förderung noch nicht terminiert ist das 26,3 Millionen Euro teure "Quartier-Hoch-Vier" in Hofheim-Nord mit 60 Wohneinheiten auf 4130 Quadratmetern.

"Wir haben das Glück, dass wir unsere Gewinne nicht ausschütten müssen", sagt Christian Vogt, "vielmehr können wir investieren." 2021 sei ein erfolgreiches Jahr für die HWB gewesen, man sei "ein jederzeit stabiler Partner". jd

EXTRA: 1697 Wohnungen im Bestand

Der durchschnittliche Mietpreis der Hofheimer Wohnungsbau GmbH (HWB) in Bestandshäusern beträgt 6,34 Euro je Quadratmeter; bei frei finanzierten Wohnungen sind es 6,76 Euro. Laut dem Portal Immoscout würden dem gegenüber 11,64 Euro pro Quadratmeter auf dem freien Markt der Kreisstadt aufgerufen. "Bei Neubauten allerdings bewegen auch wir uns in Richtung Markt", schränkt HWB-Geschäftsführer Norman Diehl ein. Im letzten Jahr hat die HWB 60 Wohnungen neu vermietet. 603 Haushalte stehen zurzeit auf der Warteliste - das sind rund 1400 Wohnungssuchende. Diese Zahl steige von Jahr zu Jahr. Insgesamt haben dank der HWB rund 3500 Menschen ein Dach über dem Kopf, also annähernd zehn Prozent der Hofheimer Bevölkerung. Öffentlich gefördert sind 39 Prozent der insgesamt 1697 HWB-Wohnungen; 61 Prozent sind frei finanziert. Wie im bundesweiten Durchschnitt sinkt auch bei der HWB der Anteil an öffentlich gefördertem Wohnraum: von 690 Wohnungen im Jahre 2018 auf prognostizierte 557 im Jahr 2028. Die Bilanzsumme der HWB ist von 83 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 115 Millionen im Jahr 2021 gestiegen.

Der Jahresüberschuss beläuft sich auf 807 000 Euro, im Jahr zuvor waren es 781 000. Die Eigenkapitalquote beträgt 26,6 Prozent. 2021 wurden 2,1 Millionen Euro in den Bestand investiert. jd

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