Die Vorzeige-Filiale von Spiele Max wurde 2014 auf dem Ikea-Gelände eröffnet.
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Die Vorzeige-Filiale von Spiele Max wurde 2014 auf dem Ikea-Gelände eröffnet.

Wirtschaft

Ikea-Einkaufspark Wallau: Spiele Max macht dicht

  • VonManfred Becht
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Wallau sollte ein Vorzeige-Standort des Spielzeughändlers für ganz Deutschland sein. Aber die Corona-Krise und die Online-Konkurrenz verschärften die ohnedies schon vorhandenen firmenspezifischen Probleme. Am Samstag ist Schluss in Wallau.

Wallau -Ein wenig häufen sie sich schon, die Meldungen über die Schließung von Filialen und die Insolvenz von Firmen. Erst in der vergangenen Woche wurde gemeldet, dass das in Wallau ansässige Busunternehmen Sippel zum Jahresende seinen Betrieb einstellt. Aus dem gleichen Stadtteil kommt nun eine weitere schlechte Nachricht: Der Spielwarenhändler Spiele Max macht seine auf dem Ikea-Gelände gelegene Filiale dicht. Letzter Verkaufstag ist der kommende Samstag.

Die Gründe sind vielschichtig, wie ein Wallauer Mitarbeiter des Unternehmens erläutert. Natürlich hat die Corona-Pandemie Umsatzeinbußen gebracht - in vielen Familien wurde zwar das Gesellschaftsspiel wieder entdeckt, aber viele kauften diese online oder griffen auf die Spiele zurück, die schon im Hause waren. 2020 waren das Weihnachts- wie auch das Ostergeschäft stark eingeschränkt.

Hauptsitz in Berlin

Und natürlich macht der Online-Handel den Fachmärkten zu schaffen; diese Entwicklung dauert branchenübergreifend seit Jahren an. Nicht nachvollziehbar ist für das Unternehmen allerdings, dass dies auch beratungsintensive Warensegmente betrifft. Viel Wert habe man zum Beispiel darauf gelegt, Eltern beim Kauf eines Kinderwagens gut zu beraten. Das schafft ein Online-Händler in der Form nicht. Trotzdem wurde auch dieses Angebot immer weniger nachgefragt.

Aber es kommen offensichtlich firmenspezifische Gründe dazu. Spiele-Max hat seinen Hauptsitz in Berlin und ist dort und im Umland gut bekannt und gut vertreten. In den westlichen Bundesländern dagegen habe man sich einen vergleichbaren Status nie erarbeiten können, heißt es. Das bestätigt auch der Blick in Wallauer Facebook-Gruppen. "ToysRUs war viel besser", erinnern sich einige an den Spielwarenmarkt, der vorher bei Ikea angesiedelt war.

600 Mitarbeiter in 70 Filialen

Die Corona-Krise hat auch in diesem Fall eine ohnehin vorhandene Entwicklung verschärft, wie der Mitarbeiter bestätigt. "Ohne Corona wären wir in ein, zwei Jahren in die Situation gekommen", sagt er. Die Situation? - Das ist die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens im vergangenen Dezember, das dann aber in diesem Jahr in ein Insolvenzverfahren mündete.

Dabei sind die Perspektiven für die 600 Mitarbeiter in rund 70 Filialen sehr unterschiedlich. In der Fachpresse war unlängst die Rede davon, dass für viele Filialen mit den jeweiligen Vermietern über die Mieten neu verhandelt werde. Für die Mitarbeiter von 22 Geschäften allerdings gibt es eine solche Hoffnung nicht, diese Läden werden geschlossen. Es sind vor allem Filialen in den westlichen Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die keine Zukunft haben. Offensichtlich ist es Spiele Max nicht gelungen, sich im Westen als Marke dauerhaft zu etablieren.

Dementsprechend schlecht ist die Stimmung in der Wallauer Filiale, wo es derzeit noch etwa 15 Mitarbeiter gibt. "Die Luft ist raus", sagt ein Kollege. Überraschend ist das nicht. Wer kommt noch motiviert zur Arbeit, wenn die Regale immer leerer werden, und wenn einige Kunden vor allem in der Hoffnung kommen, Räumungsverkaufs-Angebote abstauben zu können. Diese werden freilich enttäuscht - was nicht zum regulären Preis weggeht, wird in andere Filialen gebracht.

Wallau sollte ein Flaggschiff sein

Sein Wallauer Geschäft hatte Spiele Max im Jahre 2014 nach einem groß angelegten Standort-Investitionsprogramm des schwedischen Möbel-Riesen Ikea auf dessen Gelände am Wandersmann eröffnet. Als "erster Flagship-Store" wurde die Filiale bezeichnet, hier sollten alle Innovationen präsentiert werden. Spiele Max wurde 1982 gegründet. Noch 2019 hatte das Unternehmen verkündet, der Ausbau des Filialnetzes habe höchste Priorität, schon 2020 aber gab es in der Branche Gerüchte, das Unternehmen sei in Schwierigkeiten. Im Rahmen des Schutzschirmverfahrens freilich hatte der Sanierungsbevollmächtigte verlauten lassen, Spiele Max sei ein "an sich gesundes und operativ gut aufgestelltes Unternehmen."

An der Lage hat es in Wallau jedenfalls nicht gelegen, wie man dort auch bestätigt. In direkter Nachbarschaft zu Ikea gibt es viele potenzielle Kunden, mit Läden für Elektro- und Sportartikel hat Ikea dort ein Fachmarktzentrum entwickelt. Dieses liegt an der A 66 und damit an einer der verkehrsreichsten Autobahnen Deutschlands.

Ob Ikea deshalb schon einen neuen Nutzer gefunden hat, wollte das Kreisblatt gestern in Erfahrung bringen. "Da das betreffende Gebäude bereits 2017 veräußert wurde, können wir zum Sachverhalt keine Stellung nehmen", teilte Ikea-Standortsprecherin Claudia Seibert dazu mit.

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