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Die IHH-Vorsitzende Eva Rembser und zwei langjährige, frühere Vorstandsmitglieder: ihr Vater Gerhard Rembser (rechts) und der Optiker Wolfgang Waller vor dem Alten Rathaus in der Hauptstraße.

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Industrie, Handel, Handwerk: Ein starkes Wir-Gefühl

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Eva Rembser, Vorsitzende der Hofheimer Kaufmannschaft, möchte die Stadt attraktiv halten. Dabei ist klar, dass die Gewerbetreibenden das nicht alleine stemmen können: Gemeinsam geht es besser.

50 Jahre ist der Verein Industrie, Handel, Handwerk (IHH) Hofheim zwar schon ein ganzes Jahr lang – das Jubiläum soll aber nun noch „richtig“ gewürdigt werden. Denn die im vergangenen Jahr neu gewählte Vorsitzende Eva Rembser sieht in der Geburtstagsfeier eine gute Gelegenheit, mit vielen Akteuren in der Kreisstadt wieder verstärkt ins Gespräch zu kommen. Das Miteinander in Hofheim will sie befördern, weil sie davon überzeugt ist, dass sich gemeinsam mehr bewegen lässt. Ihre Hoffnung: Ein starkes Wir-Gefühl könnte zum Standortvorteil für Hofheim werden und zu mehr Bereitschaft führen, etwas dazu beizutragen.

Dass in 50 Jahren IHH in dieser Hinsicht dem Verein schon einiges gelungen ist, ist natürlich auch ein guter Grund zum Feiern. Und zum Erinnern. An den Wäldchestag etwa, den der IHH ebenso kreiert hat wie den Nikolausmarkt, die beide zum Bedauern vieler ihrer Fans nur noch Geschichte sind. Den Hessentag nach Hofheim zu holen sei die Idee des langjährigen, hochverdienten Vorsitzenden Leonhard Gutfleisch gewesen, erinnert Wolfgang Waller, der selbst rund 25 Jahre Vorstandsmitglied war, an einen anderen Glanzpunkt. Auch der Maimarkt, die Bälle, die der IHH organisierte, oder das Frühlingsfest gehören zur Historie.

Eva Rembser kennt die IHH-Geschichte und die Geschichten, die sich darum ranken, gut. Ihr Vater Gerhard, ebenfalls viele Jahre im Vorstand dabei, ist kaum zu bremsen, wenn es darum geht, die eine oder andere Anekdote aus den Glanzzeiten des Vereins zu erzählen. Wie der IHH etwa mit rund 50 Mitgliedern 1987 die Bewirtung bei der Eröffnung des Kreishauses gestemmt habe und wie es ihm selbst vorab gelungen war, jedem Mitarbeiter eine handgemachte Praline als kleinen Willkommensgruß auf den Schreibtisch zu legen. „Fragen Sie doch mal, wie ich in all die Büros reingekommen bin“, sagt er mit verschmitztem Lächeln. Dass ihm einer aus der Kreisspitze den Generalschlüssel anvertraut hat – für ihn noch heute Beleg, wie gut man damals miteinander konnte in Hofheim.

Nicht die einzige Geschichte aus 50 Jahren IHH, die vor allem eines zeigt: Was früher schnell mal an Idee in die Tat umgesetzt wurde, geht so locker längst nicht mehr. „Wir hatten es in vielerlei Hinsicht leichter“, räumt Wolfgang Waller ein. In den 1970er und 80er Jahren sei es noch möglich gewesen, ein Straßenfest ohne einen Berg von Auflagen zu feiern. Vieles sei einfach gemacht worden, weiß auch Gerhard Rembser. Und die Unterstützung der Stadt war dabei immer ein wichtiges Pfund.

Die schon am Morgen nach dem Wäldchestag stets wieder blitzblanke Innenstadt etwa hat Wolfgang Waller, lange mit der damaligen IHH-Sekretärin Erika Sawatzki das Organisationsteam, Jahr für Jahr aufs Neue beeindruckt. „Für mich war der Wäldchestag daher erst beendet, wenn wir uns bei den Leuten vom Bauhof nach ihrem Einsatz am Mittwoch mit einem Frühstück bedankt hatten.“

Kontakt, Wertschätzung, das Ziehen an einem Strang – Eva Rembser wünscht sich das auch für die Zukunft. „Was für Hofheim gut ist, kann auch für die Gewerbetreibenden und Händler nur gut sein“, diese Devise, die ihrem Vater und vielen anderen Mitstreitern in 50 Jahren IHH Leitmotiv war, will sie neu stärken. Dass früher alles besser war – so will Eva Rembser die alten Geschichten aber keineswegs interpretiert haben. Aus ihrer Zeit als Betreiberin des Cafés im Alten Rathaus, das sie von Vater Gerhard übernommen hatte, weiß sie gut, dass der Druck, im Geschäftsleben zu überleben, stark gewachsen ist. Zeit und Kraft fehlten oft, sich noch groß ehrenamtlich zu engagieren. Für ihre Vorgänger Peter Blumenberg und Bernd Wischert und die Vorstandskollegen, die es geschafft hätten, vieles aufrechtzuerhalten, die Weihnachtsbeleuchtung etwa, und dazu Neues wie den Sommernachtsmarkt oder die Hofheim-Geschenkkarte zu wagen, habe sie daher höchsten Respekt, sagt Eva Rembser. Im Grunde könne die Vereinsführung heute nur noch jemand wie sie leisten, der nicht voll berufstätig sei. Und eine Veranstaltung in der Größenordnung des Altstadtfestes gehe nur noch mit professioneller Unterstützung, wie man sie sich ja nun auch geholt habe. Dennoch: Mehr umeinander und voneinander zu wissen wäre für sie ein gutes Ziel für die Stadtgesellschaft. Denn dass auch im Internetzeitalter durchaus die Chance besteht, Hofheim attraktiv zu halten, davon ist die IHH-Chefin überzeugt.

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