Das Amtsgericht hat einen ehemaligen Hofheimer Fußballtrainer verurteilt.
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Das Amtsgericht hat einen ehemaligen Hofheimer Fußballtrainer verurteilt.

Kriminalität

Ein Jahr Haft für Fußballlehrer

  • vonAlexander Schneider
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Es war ein besonders schwerer Fall von Untreue:Die Eltern zahlten für eine Reise ihrer Fußball-Kids nach Barcelona, aber der Jugendleiter behielt die 10 000 Euro erstmal für sich.

Hofheim/Frankfurt. Es ist der Alptraum jeder Reisegruppe: Alles ist bezahlt, man sitzt in freudiger Erwartung auf gepackten Koffern an der Haltstelle und wartet und wartet und wartet: Kein Bus kommt, nicht einmal der Reiseleiter ist da. So ist es am 21. April 2019 auch einigen Fußballbuben des SV 09 Hofheim ergangen. Bald stellte sich heraus: Es konnte gar kein Bus kommen, weil gar keiner bestellt war. Und auch die Zimmer in Barcelona - dorthin sollte die Reise der natürlich maßlos enttäuschten D1-Kicker nämlich gehen - waren auch noch zu haben - keine Reservierung. Niemand hatte eine Erklärung. Und daran, dass der damalige Jugendleiter, der die Tour organisiert, auch die Reisekosten zwischen 550 und 330 Euro bereits in bar eingesammelt und sich am Morgen beim SV aus einer niederländischen Klinik angeblich krank gemeldet hatte, etwas damit zu tun haben könnte, mochte erst mal keiner denken. Und doch war es so: Der 37-jährige Fußballlehrer, der die offenbar hochtalentierten Nachwuchskicker sogar in die nächste Liga gecoacht und laut dem SV-Vorsitzenden nur einen Fehler ("Er ist Kickers-Fan . . .") hatte, wurde am Montag vom Frankfurter Amtsgericht wegen besonders schwerer Untreue zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die das Gericht auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt hat. Er hatte das Geld einkassiert, anfangs wohl auch noch die Reise organisieren und durchführen wollen, es dann aber nicht getan, sondern das Geld - 9368 Euro von den Eltern und einen Vereinszuschuss von 1500 Euro - für sich verwendet. Aber nur teilweise, der Rest sei ihm auf einem Hofheimer Rewe-Parkplatz aus dem Auto geklaut worden.

Ein Betrug war nicht nachzuweisen

Zunächst war der Staatsanwalt von gewerbsmäßigem Betrug in 20 Fällen ausgegangen, später im Prozess ging es dann um Untreue in einem besonders schweren Fall. Der Betrug war dem Mann nicht nachzuweisen, war doch nicht auszuschließen, dass er zum Zeitpunkt des Kassierens noch vorhatte, die Reise durchzuführen. Dass der Mann längst kein Bauleiter mehr, ohne festen Wohnsitz war und monatelang in seinem Auto wohnte - davon hatte man beim SV keine Ahnung. Es sei zwar aufgefallen, dass er oft sehr lange auf dem Platz war, sich größte Mühe mit den Kindern gab und auch sehr hilfsbereit war. Was wirklich mit ihm los war, das ahnte aber niemand im Club.

Warum der Mann, und es muss unmittelbar vor dem 21. April gewesen sein, dann doch beschlossen hat, das Geld für sich zu behalten und erst einmal nach Thüringen, wo er Hotelzimmer benutzt, aber nicht bezahlt hat, um dann zum Abtauchen an die Ostsee zu reisen, weiß er eigenen Angaben zufolge selbst nicht. Er sei erschüttert über sich selbst und schäme sich dafür, die Jungs nicht nur im Stich gelassen gelassen, sondern sie und ihre Eltern, die stets große Stücke auf ihn gehalten hatten, so maßlos enttäuscht zu haben. Vielleicht liege es an der Erziehung, sein Vater sei streng zu ihm gewesen, was bei ihm zu einer resignativen Antriebslosigkeit geführt habe. Dabei wäre, so der Richter, noch am Abreisetag das Schlimmste zu verhindern gewesen, denn da soll das Geld laut dem Angeklagten noch da gewesen sein. "Ich hatte Panik und Angst, sie würden mich für einen schlechten Menschen halten", jammerte der Angeklagte, der sich händeringend bei den Vereinsvertretern im Gerichtssaal entschuldigt und sie gebeten hat, ihm die Möglichkeit zu geben, durch die Rückzahlung des Geldes zu beweisen, dass er nicht der schlechte Mensch ist, für den viele ihn jetzt hielten. Das Geld, 10 868 Euro, muss er zurückzahlen, das ist eine Bewährungsauflage. Heißt: Spätestens in drei Jahren müssen die Familien der nun von einem anderen Trainer betreuten Fußballer ihr Geld zurückhaben.

Die Eltern bezahlten noch mal

Nach Barcelona, das ist die gute Nachricht, sind sie am Ende aber trotzdem noch gekommen. Die landesweite Fahndung von Hitradio FFH nach einem freien Omnibus, der mal eben rasch einen Sack Flöhe in die katalonische Kapitale chauffieren konnte, war erfolgreich. Und die Eltern bezahlten einfach noch mal, hoffen nun aber, dass der Angeklagte beruflich in Osthessen, wo er eine Umschulung zur Pflegefachkraft aufnehmen will, so weit Fuß fasst, damit es mit der Rückzahlung auch tatsächlich klappt.

Alexander Schneider

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