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Parteiübergreifendes Stelldichein zum runden Geburtstag der Freien Wähler: Werner Steinmann (FDP), AlexanderTulatz (SPD), Christian Vogt (CDU), Matthias Hees FWG-Chef und der FWG-Bürgermeisterkandidat Andreas Nickel (von links) gratulieren.

Stadt aufgemischt

Vor 50 Jahren wurde die Hofheimer FWG gegründet

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Seit 50 Jahren gibt es in Hofheim eine Freie Wählergemeinschaft. Das Jubiläum steht im Zeichen des beginnenden Bürgermisterwahlkampfes.

Das Gasthaus „Zum Landsberg“ gibt es nicht mehr, und es lebt auch keiner mehr von denen, die dort im Jahre 1968, vor einem halben Jahrhundert also, die Freie Wählergemeinschaft (FWG) in Hofheim gründeten. Noch nicht so lange her ist die Zeit, als die Freien Wähler in der Hofheimer Politik als Gruppe älterer Männer galt, denen die ganz große politische Zukunft nicht mehr bevorsteht. Inzwischen gibt es einen, Andreas Nickel nämlich, der noch nicht im Rentenalter ist, und der nicht nur die FWG jugendlicher machen, sondern auch die Bürgermeisterwahl gewinnen will. Da geriet das kleien Jubiläumsfest im Stadtmuseum fast ein wenig zum Wahlkampfauftakt.

Ideologiefrei

und an Sachthemen orientiert Politik zu machen, das kennzeichnen die Freien Wähler gerne als ihren politischen Ansatz. So ist es durchaus eine Ironie der Geschichte, dass die Hofheimer FWG ausgerechnet im symbolträchtigen Jahr 1968 gegründet wurde. Fast könnte man diesen Akt im historischen Lokal Landsberg als Reaktion auf die Diskussionen dieser Zeit sehen, in denen es mehr um politische Grundüberzeugungen – oder Ideologien – ging als je zuvor oder danach in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Das war es aber nicht, zumindest wenn man Günther Rühl glaubt, einen der Initiatoren dieser Gründung, der vor einer Weile starb, dessen Aufzeichnungen zu einem früheren Jubiläum der langjährige Fraktionsvorsitzende Bodo Tadewald aber genau gelesen hat. Demnach waren damals CDU und SPD in der Stadtverordnetenversammlung fast gleich stark, was zu einem gewissen Stillstand führte.

Aber es gab Probleme in der Stadt. Die Verwaltung war, unpraktischerweise, auf fünf Gebäude verteilt. Ein Sportplatzprojekt galt als dringend, kam aber nicht voran. Die Vereine forderten mehr Räume, auch eine Stadthalle, drangen aber nicht durch. Es habe eine gewisse Unmut in der Bürgerschaft geherrscht.

Also fanden sich die FWG-Gründerväter zusammen und beschlossen, auch bei der noch im gleichen Jahr stattfindenden Kommunalwahl anzutreten. Viel Zeit war nicht, aber die FWG gewann 13,8 Prozent der Stimmen; das reichte für drei Sitze.

Damit konnte man entweder mit CDU oder SPD eine Mehrheit bilden – und tat das dann auch im bunten Wechsel, ohne festes Bündnis. Die anderen Parteien werden mit der Darstellung nicht einverstanden sein, dass die FWG die Dinge voran brachte. Aber in den 1970er Jahren entstanden das Rathaus, die Stadthalle und der Sportpark auf der Heide.

Die Freie Wählergemeinschaft ist seither aus der Hofheimer Stadtverordnetenversammlung nicht wieder verschwunden. Stolz ist man darauf, mit Werner Emde für zwei Wahlperioden einen hauptamtlichen Stadtrat gestellt zu haben. Dass die Freien Wähler 1990 einen weiteren hauptamtlichen Stadtrat im Rathaus installierten, wurde nicht erwähnt – die Zusammenarbeit mit Roman Sartowski entwickelte sich einst so schlecht, dass dieser 1993 wieder abgewählt wurde.

Jetzt will Andreas Nickel hauptamtlich ins Hofheimer Rathaus, als Bürgermeister. Der setzt voll auf neue Medien, will jüngere Wähler ansprechen, und lässt sich diesen auch sagen, wie sie sich ansprechen lassen. Wenn das klappt, kann man von einer neue Ära im der FWG sprechen. Bis zum nächsten runden Jubiläum wird man wissen, ob es klappt.

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