Jochen Niclaus im Eingangsbereich der BWS, den ein überdimensionaler Kabelkanal mit Strippen ziert ? es sind ja schließlich Berufliche Schulen.
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Jochen Niclaus im Eingangsbereich der BWS, den ein überdimensionaler Kabelkanal mit Strippen ziert ? es sind ja schließlich Berufliche Schulen.

Der Chef schätzt Humor

Jochen Niclaus ist der neuer Leiter der Brühlwiesenschule in Hofheim

  • vonBarbara Schmidt
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1800 Schüler, 120 Lehrer – die Brühlwiesenschule (BWS) ist ein Schwergewicht in der Bildungslandschaft des Main-Taunus-Kreises. Am nächsten Mittwoch wird ihr neuer Chef, Jochen Niclaus, offiziell ins Amt eingeführt.

Jochen Niclaus ist ein Mensch, der gern lacht. „Humor hilft“, ist der neue Leiter der Brühlwiesenschule überzeugt. „Und wenn man über sich selbst gut lachen kann, ist das auch schon was wert.“

Zu lachen hatte der gebürtige Erlanger allerdings als Schüler nicht allzu viel. Dass er Lehrer geworden sei, sagt Niclaus, habe seinen Grund darin, dass er „selber so eine miese Schulzeit“ gehabt habe. Er wollte es einfach besser machen. Zum Studium ging er 1976 nach Mannheim. „Damals ist man ja zu Hause nicht wohnen geblieben“, sagt der 59-Jährige mit Blick auf heute so ganz andere Gepflogenheiten der Jugend mit leisem Schmunzeln. Weil sein Abi zu schlecht gewesen sei, um Lehramt für Gymnasien studieren zu können, nahm er den Tipp seines Schwagers auf und wurde Diplom-Handelslehrer. Sein Referendariat machte er in Bensheim. Damit war das Hessenland erreicht.

Bundesweit bewarb sich Niclaus dann um eine Stelle, damals gerade echte Mangelware. „Aus Bremen habe ich nur eine Postkarte mit der Absage gekriegt, so arm waren die“, nennt er ein Kuriosum, dass ihm in Erinnerung geblieben ist. In Bayern fand man, ein Zweites Staatsexamen für das Lehramt an Beruflichen Schulen aus Hessen sei nicht niveauvoll genug. Darüber schüttelt Niclaus noch heute den Kopf. Denn er stellt der Schulbildung, wie er sie selbst im Freistaat genossen hat, kein gutes Zeugnis aus. „Wir haben unheimlich viel auswendig lernen müssen, aber nichts kapiert“, sagt er. Das habe er in Hessen anders kennengelernt. „Es gab hier schon weniger Stoff, er wurde aber gescheit aufbereitet.“

Das gefiel dem jungen Lehrer deutlich besser und so nahm er die Chance, in Frankfurt-Unterliederbach an der Ludwig-Erhard-Schule anfangen zu können, gern wahr. Wie man Lehrer für ihre Arbeit nicht motiviert, hat er damals dort gelernt. Und war nach dem Wechsel an die Konrad-Adenauer-Schule (KAS) in Kriftel im Jahr 1997 froh, hier einen anderen Leitungsstil vorzufinden. Ihn selbst hat es jedenfalls motiviert, dass ihm hier jemand etwas zutraute und er ermutigt und bestärkt wurde, wenn er mit Ideen kam. Heute ist er überzeugt: „Wenn man den Leuten den Spaß an der Arbeit gibt, dann funktioniert’s.“

Über viele unterschiedliche Leitungsaufgaben ging’s für ihn selbst beruflich voran. 2006 wurde er Studiendirektor und Abteilungsleiter für Einzelhandel, Großhandel und Schulentwicklung. 2008 wurde er zum Abwesenheitsvertreter des Schulleiters ernannt. Als nach dem Wechsel von Wolfgang Kollmeier ins Landratsamt der Rektorenposten an der KAS 2012 tatsächlich vakant wurde, übernahm Niclaus mit Peter Muhl für mehr als ein Jahr die kommissarische Leitung. Ein Grund, warum ihm seine neue Aufgabe ebenso wenig ganz fremd ist wie es die Schule ist, an der er nun tatsächlich Chef sein wird. „Ich war schon viele Jahre an die Brühlwiesenschule abgeordnet“, sagt Niclaus, der deshalb im 120-köpfigen Lehrerkollegium wie in der Verwaltung viele schon ganz gut kennt.

1800 Schüler hat die BWS aktuell. Welche große Verdienste sich sein Vorgänger Wolfgang Bill beim Ausbau der Schule zu ihrer heutigen Größe und Angebotsvielfalt erworben hat, ist Jochen Niclaus wohl bewusst. Und er macht keinen Hehl daraus, dass es eine reizvolle Aufgabe ist, nun in diese Fußstapfen treten zu dürfen. Dass sich niemand anderes auf die Schulleiterstelle beworben hat, kann Niclaus nicht wirklich verstehen. „Das ist dumm“, findet er, „denn dies ist wirklich eine schöne Schule“. Dass es an der Berufsschule schwierig ist, wie oft kolportiert wird, kann der Lehrer für Geschichte und Wirtschaft nicht teilen. „Die Schüler wollen nur respektiert und geachtet werden, und dann geht es auch alles sehr gut“, lautet seine Erfahrung.

Gern Lehrer, ja, das sei er tatsächlich, sagt Niclaus. „Ein Beruf macht doch immer dann Spaß, wenn man etwas Sinnvolles tut und Erfolg dabei hat.“ So freut sich der mit seiner Familie in Hünstetten lebende Franke, der zur Erholung besonders gern an Nord- oder Ostsee fährt, auf die neue Aufgabe an der BWS, in die er am 1. Februar offiziell eingeführt wird. Abteilungsleiter sei er schon eine ganze Weile gewesen, habe auch vieles neu eingeführt an der KAS. Für einen wie ihn, „der Veränderung mag“, sei es nach zehn Jahren einfach dran gewesen, sich neuen Herausforderungen zuzuwenden. Eine davon sind aktuell die „InteA-Klassen“ (Integration und Ausbildung) für junge Flüchtlinge. Zehn hat allein die BWS davon eingerichtet. Die größte Schwierigkeit sei, dafür Lehrkräfte zu finden, weiß Niclaus.

Eines der Themen, denen er sich im neuen Schulhalbjahr widmen wird. Dass er sich dabei nicht auf den bisherigen Stellvertretenden Schulleiter und Interims-Chef Norbert Wild stützen kann, der zeitgleich mit seiner Einführung in den Ruhestand veabschiedet wird, sagt Niclaus, sei natürlich „schon blöd“, aber etwas, was nun einmal vorkomme im Schulalltag. Grund zu lamentieren ist das für ihn nicht. Schließlich hat er in Asien einst gelernt, wie sich manche schwierige Situation besser meistern lässt: „Mit einem Lächeln.“

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