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Auf dem Podium stellten sie sich den Fragen der Schüler (von links): Andreas Nickel (FWG), Friederike Röhr (parteilos), Bernhard Köppler (SPD), Bianca Strauss (Grüne), Christian Vogt (CDU), Barbara Grassel (Linke) und Wilhelm Schultze (parteilos). Bürgermeisterwahl in Hofheim ist am 24. März.

Jugendliche löchern Kandidaten

Schüler diskutieren mit Bürgermeisterkandidaten über Windräder, Demos und Klimawandel

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Jugendliche haben an die örtliche Politik andere Fragen als Erwachsene. Und die Politik – in Person der Bürgermeisterkandidaten – hat durchaus auch unterschiedliche Antworten.

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Hofheim - In den Stadtteilen fehlen Einkaufsmöglichkeiten, in der Innenstadt Parkplätze und überall Wohnungen. Die Straßen sind verstopft und die öffentlichen Verkehrsmittel voll. Deshalb sind das die Themen im Bürgermeisterwahlkampf in Hofheim. Die sieben Kandidaten sprachen das eine oder andere auch an bei einer Podiumsdiskussion in der Main-Taunus-Schule. Die Schüler allerdings setzten andere Prioritäten – Windräder, Energiewende, Klimawandel-Demonstrationen, Politikverdrossenheit. Für die Kandidaten ist so etwas aber kein Problem. Denn erstens haben sie auch zu diesen Themen ihre Positionen. Zweitens dürfen die meisten Schüler in diesem Jahr, auch wenn sie aus der Oberstufe kommen, noch nicht wählen. Deshalb bat Christian Vogt (CDU) sie gleich einmal um ihre Stimme bei der Wiederwahl in sechs Jahren.

Gedankenspiel

Bei den Windrädern – zur Debatte steht, ob es in Langenhain sogenannte Vorrangflächen geben soll – sind die Positionen eindeutig: Christian Vogt (CDU), Bernhard Köppler (SPD), Andreas Nickel (FWG) sowie die parteilosen Kandidaten Friederike Röhr und Wilhelm Schultze lehnen diese Pläne ab, da die Region mit Infrastruktur ohnehin schon überlastet sei. Dagegen finden Bianca Strauss (Grüne) und Barbara Grassel (Linke) Windräder zwar nicht schön, nehmen sie aber in Kauf, wenn sie zu einer dezentralen und regenerativen Energieversorgung beitragen.

Die Schüler ließen die Windrad-Gegner aber so einfach nicht davonkommen und konfrontierten sie mit dem Gedankenspiel, statt der Windräder könnte ein Kohlekraftwerk gebaut werden, wenn sich hier entsprechende Vorkommen fänden. Die Kandidaten andererseits wollen sich vor eine solche Wahl nicht stellen lassen. Kohle sei kein Weg, man müsse sich um neue Arten der Energiegewinnung kümmern, so SPD-Mann Köppler.

Nickel kann sich vorstellen, die Langenhainer Ablehnung der Windräder dafür zu nutzen, die Bürger für ein Photovoltaik-Programm im Ort zu nutzen. Natürlich hat keiner der Kandidaten etwas dagegen, wenn zur regenerativen Energieerzeugung Genossenschaften durch die Bürger gebildet werden, um Anlagen zu bauen und zu betreiben. Bianca Strauss wünscht sich dabei mehr Unterstützung durch die Stadt. Dass weltweit viele Jugendliche finden, dass stärker gegen den Klimawandel gearbeitet werden muss, das zeigt sich an den freitäglichen Demonstrationen in der Schulzeit.

Unterschiedliche Meinungen

Auch dazu haben die Kandidaten unterschiedliche Meinungen. Andreas Nickel lehnt das ab, der Zweck heilige nicht immer die Mittel. Man könne auch nach dem Unterricht noch demonstrieren, merkte Christian Vogt an. Die anderen fünf Kandidaten begrüßten das Engagement der Schüler. Köppler sieht eine Kontinuität zu den Friedensdemonstrationen der 1980er Jahre, möchte aber keine Dauereinrichtung daraus machen; Bianca Strauss hofft, dass die Demonstrationen durch mehr Kampf gegen den Klimawandel bald überflüssig gemacht werden können, und Barbara Grassel findet, dass mehr über das Thema Klimawandel und weniger über die Demonstrationen gesprochen werden sollte. Aber in dem Punkt sind sich die Schüler offenbar weitgehend einig: Eine Demonstration nach dem Unterricht findet einfach viel weniger Aufmerksamkeit.

Ob man angesichts solcher Aktivitäten überhaupt von Politikverdrossenheit bei der Jugend sprechen kann, wurde nicht diskutiert, die Möglichkeiten stärkerer politischer Beteiligung der Jugend schon. SPD-Mann Köppler beließ es ähnlich wie sein CDU-Konkurrent Vogt bei dem Appell an die Jugendlichen, sich einzubringen und zu engagieren, aber auch wählen zu gehen, sobald sie das Wahlrecht haben. Barbara Grassel und Wilhelm Schultze wollen mehr auf die Jugendlichen zugehen, um mehr über deren Vorstellungen und Bedürfnisse zu erfahren. Andreas Nickel geht davon aus, dass man für die Bürger die Politik besser erklären muss. Die Grüne Bianca Strauss kritisierte, die Bürger hätten bei all den Beteiligungsformen nicht das Gefühl, wirklich ernst genommen zu werden.

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