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Forstwirt Tim Hinkel fällt eine befallene Fichte im Hofheimer Stadtwald mit der Motorsäge. Dies ist notwendig, damit sich der Buchdrucker nicht weitere Bäume befällt,

Fichten im Stadtwald

Käfer beißt sich durch die Bäume

Sein Name klingt harmlos, doch wenn der Buchdrucker, eine Unterart der Borkenkäfer, erst mal los legt, hat dies gravierenden Auswirkung auf die Forstwirtschaft.

Kein Wölkchen am Himmel, Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad: So hat sich der Sommer in diesem Jahr präsentiert. Und so angenehm das Wetter von den meisten Menschen empfunden wird, so problematisch ist es für die Natur, sich mit dem verändernden Klima zu arrangieren. Nicht nur die Kulturpflanzen der Bauern auf ihren Feldern haben zu wenig Wasser abbekommen, auch die Fichten in den Wäldern müssen zum Teil ums Überleben kämpfen. Denn ihnen setzt nicht nur die die Trockenheit, sondern außerdem ein winzig kleiner Schädling erheblich zu. Deshalb bekommen die Nadelbäume Hilfe von den Forstwirten, die die befallenen Bäume erkennen und dem Bestand entnehmen.

Durch die lange Trockenheit hat sich der Buchdrucker, auch unter dem Namen Großer achtzähniger Fichtenborkenkäfer bekannt, stark vermehren können. Der Rindenbrüter sorgt mit seiner Nachkommenschaft seit Jahren für große Schäden in den Wäldern.

Befallenes Holz hat zwar die selben technischen Eigenschaften wie gesundes, bringt aber beim Verkauf weniger Ertrag, weil in den „Käferjahren“ zu viel Fichtenholz im Angebot ist. Die Schädlinge können also die geordnete, planmäßige Waldwirtschaft empfindlich stören. Tritt der Befall in Waldteilen ein, die noch nicht verjüngt sind, entstehen Kahlflächen, die entweder wieder aufgeforstet werden müssen oder häufig lange Zeit forstwirtschaftlich unproduktiv bleiben. Im vergangenen Jahr sind rund 20 Prozent des geschlagenen Fichtenholzes auf den Befall des behaarten Schädlings zurückzuführen. Tendenz steigend.

In günstigen Jahren kommt es zu einer Ausbildung von drei Generationen, also zu einer Vertausendfachung der Population. Die Entwicklung der Brut ist stark temperaturabhängig. Ab einem Schwellenwert von 12 bis 15 Grad Celsius findet die Entwicklung statt. Somit ist bei der Frage, ob eine Massenvermehrung auftritt oder nicht, der Temperaturverlauf ab April von entscheidender Bedeutung. Der kleien Schädling mag es nämlich gern mollig warm. Findet der Buchdrucker bereits ab Mitte April Temperaturen von mindestens 15 Grad vor, wie beispielsweise im Jahr 2007, so durchläuft er die Entwicklung innerhalb von sechs Wochen von der Eiablage zum geschlechtsreifen Insekt. Findet sich bereits Mitte Juni eine geschlechtsreife zweite Generation, so ist mit einer Massenvermehrung zu rechnen.

Während die Menschen im Schwimmbad schwitzen, bohrt sich der etwa 5 Millimeter große Geselle aus der Familie der Borkenkäfer durch die Rinde der geschwächten Bäume, die er am Geruch erkennt. Dort legt er sein Brutsystem an, gräbt Gänge, in die er dann die Larven ablegt. Dadurch werden die Vitalfunktionen der Bäume empfindlich gestört und der Baum stirbt schließlich. Wenn man die Rinde vom Stamm löst und betrachtet, ähneln die verschlungenen Larvengänge geschnitzten Lettern. Dies hat dem Käfer seinen deutschen Namen „Buchdrucker“ eingebracht.

Die Fichte wehrt sich durch klebrigen und giftigen Harzfluss, mit dem er die ersten Angreifer abwehrt. Die Käfer wandeln Harzinhaltsstoffe aber in Duftstoffe um. Dies steigert die Attraktivität des Baumes für die „Kollegen“, was wiederum dazu führt, dass weitere Schädlinge den Baum angreifen und besiedeln. Auch die Nachbarbäume laufen nun Gefahr, vom Buchdrucker überrannt zu werden. Unter entsprechenden Bedingungen kann der Schädling bis zu drei Kilometer weit fliegen und weitere Bäume schädigen. Die einzige Möglichkeit, die Welle zu stoppen ist es, die befallenen Nadelbäume zu fällen und deren Holz so schnell wie möglich aus dem Wald zu schaffen, damit sich die noch gesunden Nachbarn nicht anstecken und der Schaden begrenzt bleibt. Deshalb dröhnen zurzeit die Motorsägen nicht nur im Hofheim Stadtwald.

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