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Der Ortsbeirat Kernstadt hat in Auftrag gegeben, die Bäume vor dem Cohausentempel fällen zu lassen, damit die Aussicht auf Hofheim wieder frei ist. Das gefällt aber nicht jedem Bürger.

Fällungen in Hofheim

Kahlschlag am Cohausentempel: Ortsbeirat hat Bäume an Aussichtspunkt fällen lassen

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Am Cohausentempel sind die Kettensägen in Aktion getreten. Das gefällt nicht jedem. Aber die Aktion ist sozusagen parlamentarisch-demokratisch legitimiert.

Hofheim - Auf den ersten Blick könnte man glauben, ein Orkan habe sich unterhalb des Cohausentempels am Kapellenberg ausgetobt. Kreuz und quer liegen dort die Kiefern durcheinander, dünne Zweige, dicke Äste, ganze Stämme. Bei genauerem Hinsehen sieht man aber, dass die Verwüstung von Menschenhand gemacht ist, denn die Bäume sind nicht vom Sturm abgebrochen oder herausgerissen, sondern mit der Kettensäge in waagerechte Position gebracht worden.

Das gefällt nicht jedem. In Hofheim sind viele Menschen im Wald unterwegs, und nach einer unglücklichen Aktion im Marxheimer Wald vor einigen Jahren ist man auch besonders sensibel. Und so konnte auch der Kahlschlag am Cohausentempel weder unbemerkt noch unwidersprochen bleiben. In dem Fall ist es Leserbriefschreiber Eberhard Schmidt, der Fragen aufwirft und seinem Unmut Luft macht.

Der hat durchaus gehört, dass die Aktion den Zweck hatte, den freien Blick von dem Aussichtstempel auf die Stadt wieder herzustellen. Aber er ist auch der Meinung, dass der dafür verursachte Schaden dies nicht rechtfertigt. Denn es handele sich um einen „wertvollen Lebensraum für Vögel und Kleintiere“, während die freie Sicht auf Hofheim lediglich den Blick auf ein „ästhetisch anspruchsloses Zweckbautenkonglomerat“ bietet. Es hätte gereicht, so Schmidt, die Sträucher unterhalb des Tempels zurückzuschneiden.

Die Stadt geht allerdings davon aus, dass damit nicht viel gewonnen wäre. Denn ohnehin seien nur Bäume gefällt worden, die seit dem letzten Rückschnitt nachgewachsen seien, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Rathaus dazu. Der liege aber gerade zehn Jahre zurück. Schlussfolgerung: Geht man in dem Bereich mit der Kettensäge weniger rabiat um, muss der nächste Einsatz bereits im nächsten oder übernächsten Jahr folgen.

Die Pressestelle des Rathauses weist außerdem darauf hin, dass die Arbeiten am Kapellenberg ausdrücklich auf einen Wunsch des Ortsbeirates Kernstadt zurückgeht. Der findet den Ausblick attraktiver als Leserbriefschreiber Eberhardt Schmidt und hat beschlossen, dass die Stadt die freie Sicht wieder herstellen soll.

Hintergedanke war dabei womöglich auch, dass es wiederholt Klagen über spontane Feste gab, die dort oben gefeiert wurden – wegen beschmierter Wände, Lagerfeuern und zurückgelassener Abfälle wird das nicht gerne gesehen. Jetzt kann man eben nicht nur von oben den Blick schweifen lassen, sondern auch von unten erkennen, was sich am Cohausentempel tut.

Schmidt stellt den Wald dort allerdings in einen größeren Zusammenhang. Generell sei der Wald vielen Beeinträchtigungen ausgesetzt – Trockenheit, hohe Temperaturen, Seidenspinner, Borkenkäfer, Pilzbefall. Daher sollte immer geprüft werden, ob Rodungsmaßnahmen notwendig und umweltverträglich seien. Für Schmidt war dies am Cohausentempel nicht der Fall, der Ortsbeirat hat hier dem Freizeitwert des Waldes Vorrang eingeräumt.

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