Keith Dutlow und Lisa Marabini und ihre beiden deutschen Kollegen Martin Kessler und Markus Tassani-Prell (von links).	Foto: Reuß
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Keith Dutlow und Lisa Marabini und ihre beiden deutschen Kollegen Martin Kessler und Markus Tassani-Prell (von links). Foto: Reuß

Der Kampf gegen die Wilderer

  • VonBarbara Schmidt
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Dr. Lisa Marabini und Dr. Keith Dutlow sind zurzeit Gäste in der Hofheimer Tierklinik und machen Werbung für die „Aware“-Stiftung.

„Wie im Fieber“ hat Katharina Kessler im vergangenen Jahr ihren Mann nach seiner Rückkehr aus Afrika erlebt. Der Grund war aber nicht etwa der Welt-Tierärztekongress in Südafrika, zu dem Dr. Martin Kessler als Referent gereist war. Tief beeindruckt hatte den Mitbegründer der Tierklinik Hofheim vielmehr, was er nach dem Kongress im Nachbarland Simbabwe von Kollegen gezeigt bekam.

Angereist war er zunächst, weil die Referenten gebeten worden waren, ihr Know-How ehrenamtlich auch noch Tierärzten in Nachbarländern zur Verfügung zu stellen. Den kleinen Kongress in Simbabwe hatte Dr. Lisa Marabini organisiert. Zum Dank für das spontane Engagement Kesslers lud sie ihn gemeinsam mit Dr. Keith Dutlow ein, sich ein Bild von ihrem ehrenamtlichen Einsatz für Afrikas Wildtiere zu machen. Vier Tage, die Martin Kessler in jenes „Fieber“ versetzten, von dem seine Frau jetzt mit einem Lächeln berichtete. Denn was der Tierarzt von seinen Kollegen gezeigt bekam, hat ihn nicht nur „gnadenlos beeindruckt“, er war zugleich auch schockiert zu erfahren, wie bedroht besonders Elefanten und Nashörner wieder sind.

Artensterben

„Es schien ja in den 1990er Jahren, dass sich da vieles gebessert habe, aber die Wilderei wird mittlerweile wieder ganz massiv betrieben“, weiß Kessler jetzt. Was seine afrikanischen Kollegen ehrenamtlich alles versuchen, um dem Artensterben etwas entgegenzusetzen, hat den Hofheimer zu der Überzeugung gebracht: „Das muss man unterstützen.“ Darum hat er Marabini und Dutlow nach Deutschland eingeladen, um ihre „Aware“-Stiftung vorzustellen. Am Sonntag waren die Kesslers, die beide Tierärzte sind, gemeinsam mit ihren afrikanischen Kollegen deshalb mit einem Info-Stand im Kronberger Opel-Zoo zu Gast. Am Montag und Dienstag hatten die Gäste aus Simbabwe Gelegenheit, in der Klinik zu assistieren, außerdem gab’s einen Info-Abend für die Belegschaft.

Was Marabini und Dutlow berichten, lässt tatsächlich aufhorchen. Die Tierwelt Afrikas ist demnach nicht nur durch die weiter steigende Bevölkerungszahl bedroht, die immer mehr Land für den Menschen erfordert und immer weniger Raum für die Natur lässt. Krankheiten wie die Tollwut, die durch wild laufende Hunde übertragen wird, oder die Maul- und Klauenseuche dezimieren auch Wildbestände. Weil vor allem in China, aber auch auf den Philippinen oder in den USA Elfenbein und das Horn des Rhinozeros eine Menge Geld bringen, habe die Wilderei enorm zugenommen, erzählt Lisa Marabini. Die Tierärztin hat viele Fotos nach Deutschland mitgebracht, die zeigen, was sie bei ihren Einsätzen im Busch zu sehen bekommt. Schwere Schnittverletzungen durch ausgelegte Wildererschlingen, verwaiste Elefantenbabys, für die „Aware“ eine Aufzuchtstation eingerichtet hat, erschossene Nashörner und elend an Tollwut verendete Löwen sind für Marabini und ihren Mitstreiter Keith Dutlow leider keine Ausnahmen.

Ausrottung für immer

Um die Nashörner für Wilderer unattraktiv zu machen, betäuben sie die Tiere und sägen ihnen das charakteristische Horn ab. „Wie Fingernagel-Schneiden“ sei das, sagt Marabini, den Tieren fügt es keinen Schmerz zu, das Horn wächst mit der Zeit wieder nach. Alle acht Stunden werde in Afrika ein Nashorn getötet, alle 15 Minuten gar ein Elefant. „15 Jahre noch, und es gibt keine Elefanten mehr“, sagt Lisa Marabini, die ein T-Shirt mit der Mahnung trägt: „Ausrottung ist für immer.“

Das Impfen und Kastrieren der wild herumlaufenden Hunde gehört ebenso zum Programm von „Aware“ wie Bildungskampagnen, bei denen schon bei Schülern ein Bewusstsein geweckt werden soll, wie wichtig der Erhalt der Tierwelt und ihrer Lebensräume ist. Auch eine Schulung der Wildhüter, wie sie effektvoller gegen Wilderer vorgehen können, finanziert „Aware“. Vom Staat sei leider nicht viel zu erwarten, fasst Marabini ihre Erfahrung zusammen. Besonders für Nationalparks, die nur wenige Touristen anziehen, gebe es kaum Geld. Beim Tierärzte-Kongress in Baden-Baden werden die Veterinäre aus Simbabwe in den kommenden Tagen über die „Aware“-Stiftung informieren. Den Info-Stand hat übrigens die Firma Stihl gesponsert, mit deren Sägen Dr. Dutlow die Rhino-Hörner kappt. Martin Kessler hofft, in Baden-Baden Pharma-Firmen zum Beispiel für Impfstoff-Spenden gewinnen zu können. Wer sich für die „Aware“-Stiftung interessiert, kann sich über die Internetseite über sie und mögliche Formen der Unterstützung informieren.

(babs)

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