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Petra und Wilfried Stierstädter (von links) sowie Michael Henninger sind bekennende Eintracht-Fans und posieren beim Themenabend gern neben dem DFB-Pokal, den der Chef des Eintracht-Frankfurt-Museums mitgebracht hatte.

Themenabend

Wie kann Fremdenfeindlichkeit im Fußball verhindert werden?

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Rassismus, Ausgrenzung und Antisemitismus – das ist ein Thema bei großen und kleinen Fußballvereinen. Tatenlos hinnehmen muss man das nicht. Nicht in der Bundesliga und nicht in der Kreisklasse.

Bürgermeisterin Gisela Stang war am Ende zufrieden mit der Veranstaltung. „Der Abend hat sich gelohnt“, sagte sie unter Hinweis auf Kontakte, die zwischen Hofheimer Vereinen und dem Hessischen Fußballverband geknüpft wurden, sogar konkrete Termine wurden vereinbart. Gelohnt hat sich der Diskussionsabend im Wasserschloss übrigens auch für die Eintracht-Fans unter den Besuchern – Matthias Thoma, Chef des Eintracht-Frankfurt-Museums, hatte den im Mai errungenen DFP-Pokal im Gepäck. Den darf man zwar nicht anfassen, aber die Gelegenheit, ein Foto von sich selbst mit dem Pokal zu bekommen, die ließen die Fans natürlich nicht aus.

Aber der Fußball hat auch seine

Schattenseiten

. Thoma erinnerte an rassistische Beleidigungen, die es Ende der 1980er Jahren gegen den ghanaischen Fußballer Anthony Yeboah gab. Die Eintracht-Fans änderten ihr Verhalten schlagartig, als Yeboah 1990 nach Frankfurt kam. „Das ist aber nachhaltig in Erinnerung geblieben“, sagt Thomas. Es sind daraus eine Reihe von Aktionen gegen Rassismus und Rechtsradikalismus entstanden. Die Eintracht setzt dabei sehr auf Zusammenarbeit mit den Fans, und deshalb ist das Denkmal, das Eintracht-Fans auf dem Stadion-Gelände für Frankfurter Fußballer bauten, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, eine ganz symbolträchtige Angelegenheit.

Diskriminierungen gibt es freilich nicht nur auf der großen Bühne der Bundesliga, sondern auch auf den Fußballplätzen der Provinz, bis in die untersten Ligen hinab. Abfällige Bemerkungen über Spieler etwa mit dunkler Hautfarbe – und zwar durch das ganz gewöhnliche Fußballpublikum – sind nach dem Eindruck von Karl-Heinz Reichert, Kreisfußballwart im Main-Taunus-Kreis, her noch häufiger als im multikulturell geprägten Frankfurt. Angesichts einer Bundesligamannschaft, in der in Deutschland geborene Spieler inzwischen die Minderheit sind, wäre dies in Frankfurt auch mehr als sonderbar.

Aber was können die Vereine aus der Kreisklasse eigentlich tun? Bei Borussia Dortmund gebe es elf Mitarbeiter, die sich um die Fans kümmern, berichtete Daniel Lörcher, der diese Abteilung leitet. Keine Frage, die Borussia hat die Möglichkeit, eine solche Abteilung zu unterhalten, die allerlei mit und für die Fans unternimmt, bis hin zu Fahrten zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz, in dem die Nazis auch Dortmunder Fußballer ermordet haben.

Aber dass nicht alles nur am Geld hängt, das zeigen die Bundesligavereine auch. Diskriminierenden Äußerungen entgegen zu treten, ein tolerantes Klima zu schaffen, Opfer ernst zu nehmen und diesen Hilfe anzubieten, das hat mehr mit Zivilcourage zu tun als mit finanziellen Möglichkeiten. Der Kreisfußballausschuss sieht sich nach den Worten von Kreisfußballwart Reichert durchaus als Ansprechpartner.

„Es gibt schon mal Probleme“, räumt Reichert ein, dass es auch auf den Sportanlagen im Kreis und im Frankfurter Westen, der fußballerisch dazu gehört, zu Diskriminierungen kommt. Aber der Kreisfußballausschuss kümmere sich darum, schaue sich verstärkt bei Spielen von Vereinen um, die aufgefallen sind. Das beginnt schon im Jugendfußball, von der C-Jugend an aufwärts werde auch einmal unter der Gürtellinie operiert. Aber es gibt Konsequenzen: „Wir sind bereit, jemanden hinauszuwerfen“, sagt Reichert. Augenmaß sei aber gefragt – eine zweite Chance habe jeder verdient.

Die Vereine und die Funktionäre werden mit dem Thema auch nicht alleine gelassen. Christine Kumpert vom Hessischen Fußballverband wies auf Angebote des Verbandes hin, unter anderem gibt es Workshops für Vereine, Betreuer und Mannschaften zum Umgang mit solchen Phänomenen. Dabei werde versucht, die knappen Ressourcen der ehrenamtlich Aktiven nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen. Aber: Der Verband kann nur Angebote machen – es liegt an den Vereinen, diese auch anzunehmen.

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