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Renommierte Tierklinik steht vor Verkauf – Internationaler Konzern schlägt wohl zu

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Von: Barbara Schmidt

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Blick in einen Behandlungsraum - seit sechs Jahren hat die Tierklinik ihren Sitz neben der Feuerwache an der Katharina-Kemmler-Straße.
Blick in einen Behandlungsraum - seit sechs Jahren hat die Tierklinik ihren Sitz neben der Feuerwache an der Katharina-Kemmler-Straße. © Knapp

Ein international operierender Konzern will die bekannte Tierklinik bei Frankfurt übernehmen. Das Bundeskartellamt prüft den Fall.

Hofheim - Die Tierklinik Hofheim ist ein Vorzeige-Unternehmen. Dr. Markus Tassani-Prell, Dr. Hans-Ulrich Kosfeld und Dr. Martin Kessler haben es 1997 in der Bienerstraße begründet und ein rasantes Wachstum begleitet. Seit 2016 firmiert die Tierklinik, die sieben Tage rund um die Uhr Kleintiere behandelt und eine der größten ihrer Art in Deutschland ist, an prominenter Stelle direkt am Hofheimer Ortseingang an der Einmündung der Katharina-Kemmler-Straße in die Landesstraße 3018 - und könnte bald eine neue Eigentümerin haben. Die IVC Evidensia GmbH, die schon zahlreiche Tierkliniken und Praxen in Europa und Kanada aufgekauft hat, will auch die Tierklinik Hofheim schlucken.

Der Brocken ist allerdings so groß, dass eine Übernahme nicht ohne Zustimmung des Bundeskartellamts möglich ist. Dort läuft für den angepeilten Besitzerwechsel seit dem 23. März 2022 unter dem Aktenzeichen B3-55/22 eine Prüfphase. Wird das geplante Geschäft nicht beanstandet, kann innerhalb von vier Wochen eine Freigabe erfolgen. Andernfalls wird ein Hauptverfahren eröffnet.

Tierklinik in Hofheim bei Frankfurt soll verkauft werden: Stillschweigen über mögliche Gründe

Für die IVC Evidensia wäre die Tierklinik Hofheim nicht die erste im Rhein-Main-Gebiet. Auch die Tierklinik Kalbach in Frankfurt gehört bereits zu den mehr als 50 Kliniken und Praxen, die der Konzern in jüngster Zeit in Deutschland aufgesammelt hat. Größter Anteilseigner des Unternehmens ist die schwedische Investmentgesellschaft EQT, zu der unter anderem auch die Deutsche Glasfaser gehört. Sitz des Tochterunternehmens IVC für die deutschsprachigen Länder ist München. Als Geschäftszweck wird beschrieben, man kaufe mittelständische Firmen und versuche dann, deren Marktposition "nachhaltig zu entwickeln".

Auskunft über die Gründe eines offenbar angestrebten Verkaufs gibt es bei der Tierklinik nicht. "Wir können uns zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht äußern", lässt Dr. Katharina Kessler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, auf Anfrage wissen. Es handele sich um ein schwebendes Verfahren, bei dem Stillschweigen zu wahren sei.

Tierklinik Hofheim bei Frankfurt vor Verkauf: Stadt hat keine Informationen über Verkaufsabsicht

Wie Bürgermeister Christian Vogt (CDU) auf Nachfrage dieser Zeitung sagt, hat die Stadt keine Informationen über die Verkaufsabsicht erhalten. "Klar ist: Die Tierklinik ist ein Aushängeschild unserer Stadt", macht Vogt deutlich, dass nicht unerheblich ist, was sich dort tut. Welche Folgen für die Gewerbesteuer es hat, wenn künftig ein Konzern mit Sitz in München Eigentümer ist, lasse sich nicht so einfach sagen. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab, so der Rathauschef.

Als ein Beweggrund, eine Tierklinik oder auch eine Tierarztpraxis in Konzernhände zu geben, wird generell der Verwaltungsaufwand genannt. Die IVC lockt damit, sich darum zu kümmern. Zudem kann ein Konzern - das ist nicht anders als bei Kliniken für Menschen - günstigere Konditionen etwa beim Einkauf von Medizinprodukten erreichen. Personal kann von einer zur anderen Einrichtung einfacher wechseln oder an verschiedenen Standorten eingesetzt werden. Nicht immer, aber immer wieder spielt bei der Entscheidung, Praxis oder Klinik einem Konzern einzugliedern, auch die Nachfolge-Frage eine Rolle.

60 Tierärzte arbeiten in der Tierklinik in Hofheim bei Frankfurt

Im Grunde gibt es zwei Unternehmen, eine Tierklinik Hofheim GbR und eine Tierklinik Hofheim Immobilien GmbH. Für die Klinik arbeiten mittlerweile rund 200 Angestellte, darunter an die 60 Tierärzte. Seit Beginn dieses Jahres wird sie von einem achtköpfigen Veterinärmediziner-Team geleitet. Neben den Gründern Dr. Hans-Ulrich Kosfeld und Dr. Martin Kessler sind nach und nach Dr. Michael Schmohl, Dr. Miriam Scheich, Dr. Kai Bessmann, Dr. Thilo von Klopmann, Dr. Stefan Rupp und Dr. Gernot Delfs in Verantwortung gelangt. Der dritte Gründer, Dr. Markus Tassani-Prell, war im vergangenen Jahr ausgeschieden.

Eine Internet-Petition gegen den Verkauf hat Daniela Hörpel initiiert, die Nachteile für Tierbesitzer von der Entwicklung fürchtet. In der Facebook-Gruppe "Wir sind Tierarzt" wird das Geschäft mit der Kreisstadt-Tierklinik zudem bereits heftig diskutiert. Hier heißt es, in Ländern wie Belgien, den Niederlanden, Schweden, Norwegen oder Finnland beherrschten IVC und einige weitere "Ketten" bereits nahezu den Markt. "Die Kollegen dort beneiden uns Deutsche um die Möglichkeit, bei einem freien Tierarzt zu arbeiten sehr", schreibt Ina Gröngröft, die aber vermutet, dass Deutschland dieselbe Entwicklung bevorsteht. Von häufigem Personalwechsel als einer Folge ist in der Facebook-Gruppe die Rede.

Wird Tierklinik in Hofheim bei Frankfurt verkauft? Nachwuchs fehlt

Lene Bollinger hat allerdings Verständnis, wenn Tierkliniken eine Veräußerung an eine Kette erwägen. "Das Problem ist einfach die Größe: Wer kann sich da als normaler junger Tierarzt leisten, dort einzusteigen?" So fehle es an Nachwuchs, wenn die Inhaber ins Rentenalter kämen. Sich für die aufgebaute Lebensleistung zu belohnen und den Kauferlös für die Alterssicherung mitzunehmen, sei nachvollziehbar. (Barbara Schmidt)

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