Kaplan Stefan Salzmann

Katholische Kirche: Auf dem Weg zum YouTube-Kanal

„Die katholische Kirche und die Medien“ lautet der Titel eines gerade erschienenen Buches, das sich auch mit der Nutzung der digitalen Medien beschäftigt. Werden diese hauptsächlich von den Pressestellen eingesetzt, oder taugen sie auch für die Arbeit der Pfarreien vor Ort? Darüber hat unsere Reporterin Barbara Schmidt mit dem Kaplan der Pfarrei St. Peter und Paul, Stefan Salzmann, gesprochen. Der 36-Jährige war IT-Mann, bevor er seiner Berufung zum Priesteramt gefolgt ist.

Die katholische Kirche hat beim Zweiten Vatikanischen Konzil festgehalten, es sei ihre Aufgabe, die Zeichen der Zeit zu erkennen und auf diese zu reagieren. Unsere Zeit wird massiv geprägt durch neue Kommunikationsformen. Wo nutzt die Pfarrei St. Peter und Paul denn solche Möglichkeiten?

STEFAN SALZMANN: Das Neueste ist sicher unser Instagram-Account. Wir haben gemerkt, die katholische Kirche hat einen großen Schatz an Bildern, die sie liefern kann. Vor allem aber kamen wir darauf, weil Facebook ja auf einem absteigenden Ast ist, vor allem bei Jugendlichen. Instagram dagegen haben sie alle. Auf Facebook sind wir, das heißt vor allem der offizielle Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit, Gemeindereferent Ralph Messer, und einige Ehrenamtliche, aber natürlich auch unterwegs. Eine neue Homepage ist gerade im Werden. Und geplant ist zudem, dass wir mehr Videos machen und dafür einen YouTube-Kanal einrichten.

Geht es dabei vor allem um Informationsvermittlung, oder verfolgt die Pfarrei damit auch andere Ziele?

SALZMANN: In erster Linie ist es für uns eine Form der Werbung, bei der wir Menschen gezielter erreichen können. Letztes Jahr habe ich Jugendlichen nach der Firmung einen Newsletter geschickt, von dem sie sich jederzeit auch abmelden können. Als wir dann über den Newsletter für eine Veranstaltung geworben haben, kamen tatsächlich auch einige auf diese Einladung hin.

Wie sieht denn die Zielgruppe aus? Ist das vor allem etwas für Jugendliche?

SALZMANN: Wir wollen die Menschen möglichst breit erreichen. Instagram nutzen die Jugendlichen. Auf Facebook sind es aus den genannten Gründen eher die Älteren, die reinschauen und die auch kommentieren. Ein Problem haben wir noch mit der Beschaffung von Bildern, die ja für das Internet so wichtig sind. Zwar haben heute auch 70-Jährige eigentlich ständig ein Smartphone dabei, aber bei den Veranstaltungen in den Kirchorten werden trotzdem kaum Fotos gemacht. Da fehlt noch das Bewusstsein.

Wie häufig werden diese Seiten besucht?

SALZMANN: Für die Internetseite haben wir keine Statistik. Bei Instagram sind es aktuell mehr als 70 Nutzer. Das ist nicht die Welt, aber die Zahl steigt wöchentlich. Auf Facebook sind wir vor einigen Jahren gestartet und haben jetzt 170 Likes.

Lässt sich mit Diensten wie WhatsApp oder Snapchat auch Seelsorge betreiben?

SALZMANN: Aus der Jugendarbeit ist WhatsApp nicht mehr wegzudenken. Seelsorge per WhatsApp halte ich aber für schwierig. (Denkt nach). Doch, es passiert schon auch Seelsorge über WhatsApp, etwa wenn mich ein Firmling bittet, seinen kranken Vater zu besuchen. Das im großen Stil zu betreiben, wäre aber sehr zeitintensiv. Das würde neben meinen vielen anderen Aufgaben nicht funktionieren.

Menschen, die im Netz kommunizieren, sind sehr meinungsfreudig und diskutieren gern. Dogmatische Vorgaben sind da nicht so angesagt. Wo wird eine Kirche, die feste Glaubenssätze lehrt, da als Gesprächspartner ernst genommen?

SALZMANN: Das Internet mit seinen sozialen Netzwerken kann nur eine erste Anlaufstelle sein. Dort muss man vieles verkürzt darstellen, Inhaltliches rüberzubringen, ist da ein Problem. Auch gibt es Möglichkeiten wie Predigtforen, auf Pfarreiebene ist das aber zu aufwendig. Am Ende geht es im Netz doch eher darum, Menschen irgendwo dabei zu halten. Unsere eigentliche Kommunikation passiert aber Face to Face, also im direkten Gegenüber.

Verändern die Kommunikationsmittel des Internets den Begriff von „Gemeinde“?

SALZMANN: Schwierige Frage. Es gibt ja in Deutschland Versuche, eine Online-Gemeinde zu etablieren. Aber das ist für mich eher Spielerei. Ich glaube immer noch, der persönliche Kontakt ist das A und O. Fragen zur Predigt per WhatsApp oder Twitter einzubringen, auch das wird schon probiert, aber das wirkt schnell anbiedernd. Eine Chance, mehr Interaktivität zu bieten, sehe ich eher zum Beispiel bei den Fürbitten. Wenn die Woche über Gebetsanliegen über das Netz genannt werden, könnten sie im Sonntagsgottesdienst aufgegriffen werden.

Sie haben selbst eine Seite mitinitiiert, die „gerne-katholisch“ heißt. Welche überraschenden Erfahrungen hat Ihnen das gebracht?

SALZMANN: Ganz viele. Da haben sich Menschen zu ihrem Glauben und ihrem Verhältnis zur Kirche geäußert, die sich sonst nicht geäußert hätten. Unsere Zugriffsstatistiken haben zudem gezeigt, dass uns Menschen gefunden haben, die eigentlich unter dem Stichwort ,Kirchenaustritt‘ gesucht hatten. Bei manchen haben die Äußerungen, die sie auf der Seite gelesen haben, dann ein neues Nachdenken ausgelöst. Das zu sehen, ist schon faszinierend. Eine neue Studie hat gerade gezeigt, dass Menschen zu Krankheiten gern ,Dr. Google‘ befragen. Das gilt auch für Fragen des Glaubens.

Wie kommunizieren Sie am liebsten?

SALZMANN: Ich war schon immer offen für das Internet und seine Kommunikationsmöglichkeiten. Ich probiere auch alles aus, was es neues gibt. Aber ich kommuniziere am liebsten Face to Face.

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