Eindrucksvoller Blick über den Kirchturm von St. Peter und Paul im Herzen Hofheims. Seit Jahrhunderten prägen die Kirchen das Gesicht der Städte. Seit Jahrzehnten aber wird die Zahl der Gläubigen, die an den Gottesdiensten teilnehmen, kleiner.
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Eindrucksvoller Blick über den Kirchturm von St. Peter und Paul im Herzen Hofheims. Seit Jahrhunderten prägen die Kirchen das Gesicht der Städte. Seit Jahrzehnten aber wird die Zahl der Gläubigen, die an den Gottesdiensten teilnehmen, kleiner.

Main-Taunus

Kirchen: Mitgliederschwund durch Tod und Austritt

  • VonBarbara Schmidt
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Nur noch weniger als die Hälfte der Bevölkerung im Main-Taunus-Kreis gehört einer der beiden großen christlichen Kirchen an: Es gibt noch 63 000 Katholiken und 55 000 Protestanten im Main-Taunus

Main-Taunus -Nicht nur die Präsenz der Orden, die lange im katholischen Bereich den Main-Taunus spirituell und karitativ mitgeprägt haben, schwindet zusehends. Zuletzt hatten die Schließung eines Altenheims in katholischer Trägerschaft und die Ankündigung der Franziskaner, die Trägerschaft des Hofheimer Exerzitienhauses abzugeben, für Schlagzeilen gesorgt. Auch die Christen im Main-Taunus, die einer der beiden großen Kirchen angehören, werden immer weniger. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt mittlerweile unter 50 Prozent.

63 063 Katholiken und rund 55 000 evangelische Christen weist die Statistik 2020 für sie noch aus. Zum Vergleich: 2010 zählte der katholische Bezirk Main-Taunus noch 71 147 Kirchenmitglieder. Das ist in zehn Jahren ein Minus von 12,3 Prozent. Das Dekanat Kronberg gab 2010 an, rund 68 000 Mitglieder zu haben, hier liegt das Minus bei rund 19 Prozent.

Eine Krise der Glaubensweitergabe

Verantwortlich für diese Entwicklung sind im Wesentlichen zwei Faktoren. Eine große Rolle spielt nach wie vor, dass deutlich mehr Kirchenmitglieder sterben als durch die Taufe neu hinzukommen. Neben dem demografischen Wandel ist dafür auch eine zunehmende Krise der Glaubensweitergabe von einer Generation zur nächsten ein Grund. Auch die Bilanz zwischen Kirchenaustritten und -(wieder)aufnahmen ist seit vielen Jahren negativ. Dabei ist die Zahl derer, die der Kirche den Rücken kehren, 2020 gegenüber dem Vorjahr sogar leicht gesunken, was wohl nicht zuletzt an der Corona-Pandemie liegt.

Im Jahr 2020 verzeichnete das Dekanat Kronberg 802 Austritte (2019: 976). 727 Bestattungen (2019: 674) wurden gezählt. Durch die Taufe wurden auf evangelischer Seite 181 Kinder, Jugendliche und Erwachsene neu aufgenommen, außerdem verzeichnet die Statistik 79 Aufnahmen (davon 69 Wiederaufnahmen).

Der katholische Bezirk verlor 889 Mitglieder durch Austritt (2019: 1069). 674 Katholiken wurden bestattet (2019: 720). Zugleich gab es 259 Taufen, 25 Wiederaufnahmen und 6 Eintritte.

Nur schwer vergleichen lassen sich die Zahlen für die übrigen statistischen Werte, denn aufgrund der Pandemie unterlag die Gottesdienst-Teilnahme zahlreichen Beschränkungen bis hin zu völligen Absagen; Trauungen wurden nahezu keine mehr gefeiert, und auch Erstkommunionen, Firmungen und Konfirmationen wurden nicht überall im vollen Umfang durchgeführt.

Die Statistik für das evangelische Dekanat weist eine Zahl der Ehrenamtlichen aus. Sie ist beeindruckend, denn immerhin 2868 Menschen engagieren sich auf diese Weise in ihrer Kirche. Den Löwenanteil stellen mit 2018 dabei die Frauen. Eine Zahl für den katholischen Bezirk gibt es nicht, doch dürfte sich diese in einer ähnlichen Größenordnung bewegen.

Steuereinnahmen sinken absehbar weiter

Während das evangelische Dekanat aus 30 Kirchengemeinden besteht, hat die Strukturreform im Bistum Limburg schon deutliche Spuren hinterlassen. Im Bezirk Main-Taunus gibt es aktuell zehn Pfarreien, spätestens 2023 werden es nur noch fünf sein. Beide großen Kirchen bekommen die Folgen des Wandels auch in finanzieller Hinsicht zu spüren, die Kirchensteuereinnahmen sinken immer mehr. Die Folge: Am Personal muss gespart werden, Gebäude stehen zur Disposition, für Kirchen müssen Umnutzungen überlegt werden. Auch die Trägerschaft von Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten steht zunehmend infrage. Die katholische Kirche hat neben der Strukturreform einen Prozess der sogenannten "Kirchenentwicklung" angestrengt, um Menschen neu für den christlichen Glauben zu begeistern.

In der evangelischen Kirche wird ebenfalls nach neuen Formaten gesucht, um Menschen mit der Botschaft Jesu und dem Angebot einer Gemeinschaft im Glauben zu erreichen. Dass sie das Leben reicher machen und gerade in Krisenzeiten tragen, davon sind evangelische wie katholische Christen schließlich gleichermaßen überzeugt und einig im Auftrag, dies nicht für sich zu behalten, sondern weiterzusagen.

Zahlen und Fakten

Die Entwicklung im Main-Taunus im vergangenen Jahr:

Katholischer Bezirk

63 063 Mitglieder

10 Pfarreien

259 Taufen

674 Bestattungen

889 Austritte

31 Wiederaufnahmen/Eintritte

Evangelisches Dekanat

55 000 Mitglieder (Circa-Wert)

30 Kirchengemeinden

206 Taufen

727 Bestattungen

802 Austritte

109 Wiederaufnahmen/Eintritte

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