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So können Senioren vor Trickbetrügern geschützt werden

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Leider passiert es immer wieder, dass Senioren auf Trickbetrüger reinfallen und ihre Ersparnisse vom Konto abheben, um sie den Kriminellen auszuhändigen.
Leider passiert es immer wieder, dass Senioren auf Trickbetrüger reinfallen und ihre Ersparnisse vom Konto abheben, um sie den Kriminellen auszuhändigen. © (96430086)

In den vergangenen Wochen ist es häufig passiert, dass Senioren ihre Ersparnisse vom Konto abheben und Betrügern aushändigen. Was können die Bankmitarbeiter tun, um zu erkennen, dass es sich um kriminelle Maschen handelt?

Es passiert immer wieder: Erst im November wurde eine 94-Jährige in Hattersheim hinters Licht geführt und von Ganoven dazu überredet, über 30 000 Euro von ihrem Konto abzuheben und den Gaunern auszuhändigen. Nur eine Woche zuvor hatten die Betrüger ihr Opfer in Kelkheim davon überzeugt, dass ihre gesamten Bankdaten ausgespäht worden sind und sie nun sämtliche Schließfächer räumen müsse. Um die vorübergehende Sicherung der Wertgegenstände würde sich jetzt die Polizei kümmern. Unsinn natürlich, wie die – echte – Polizei nicht müde wird zu betonen, denn niemals würde sie Vermögen vorsorglich sicherstellen.

Landesweites Konzept

„Vor diesem Hintergrund kommt der Zusammenarbeit mit Geldinstituten eine immer stärkere Bedeutung zu“, so Lisa Albert vom Hessischen Landeskriminalamt, „die Bankmitarbeiter sollen bezüglich Straftaten zum Nachteil älter Menschen sensibilisiert werden.“ Vor einem Jahr wurde dazu landesweit das Konzept „Letzte Chance Enkeltrick“ als Präventionsbaustein und zur Reduzierung der Fallzahlen eingeführt. Mitarbeitern von Sparkassen und Banken soll vor der Geldauszahlung an potenzielle Opfer ermöglicht werden, einem Schadensfall entgegen zu wirken. So gibt es für die Angestellten spezielle Infoblätter zu den Themen Enkeltrick und „falscher Polizeibeamter“.

Dank des ständigen Kontakts mit den Polizeidienststellen können die Geldinstitute ihre Mitarbeiter über aktuelle Vorkommnisse und regionale „Betrugswellen“ frühzeitig informieren. Jeder Kollege nimmt an Präventionsschulungen teil, ist beispielsweise von der Nassauischen Sparkasse zu hören. Außerdem organisieren die Geldinstitute regelmäßig gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Westhessen Infoveranstaltungen in den Filialen. Wichtige Multiplikatoren sind die insgesamt 93 Sicherheitsberater für Senioren, die ehrenamtlich für den Präventionsrat Main-Taunus-Kreis tätig sind.

Fingerspitzengefühl

Einer von ihnen, Peter Krissel, ist gleichzeitig Filialleiter der Taunus Sparkasse in Bad Soden sowie Betrugspräventionsbeauftragter. Er weiß: „Die meisten unserer Kunden kennen wir ja seit Jahren und haben Einblick in deren Zahlungsverhalten. Wenn dann jemand außergewöhnlich viel Bargeld oder Edelmetall bestellt, werden wir immer ein gesundes Misstrauen an den Tag legen und mit viel Fingerspitzengefühl, aber durchaus mehrmals und eindringlich nachfragen. Auch bei einer Überweisung am Schalter schauen unsere Kollegen noch mal genau drauf, und dank dieser Aufmerksamkeit konnte bereits in mehreren Fällen Schlimmeres verhindert werden.“ Zudem seien elektronische Sicherheitssysteme installiert, die nicht nur bei sehr hohen, sondern auch bei außergewöhnlichen Beträgen oder atypischen Überweisungen eine Plausibilitätsprüfung in Gang setzen.

Sensibilisierung, und zwar auf beiden Seiten, ist das Schlagwort schlechthin. Daher werden schon die Auszubildenden von Anfang an intern geschult. „Immerhin sehen wir ja auch eine Verantwortung gegenüber unseren Kunden“, betont Sabine Schmax, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei der Taunus Sparkasse. „Wenn wir also intensiv nachfragen, hat das nichts mit Neugierde zu tun. Wir würden uns auch niemals nach einer PIN erkundigen.“ Sie spricht von einem Spagat zwischen Kundenschutz und Diskretion: „Viele Kunden finden es durchaus gut, dass wir ständig aufklären. Aber nicht jeder möchte preisgeben, wofür er das Geld benötigt. Und wenn jemand trotz unseres Betrugsverdachts auf die Herausgabe besteht, haben wir schlussendlich keine Handhabe.“ Gerade jetzt vor Weihnachten sagen manche auch, dass sie so viel Bargeld brauchen, um es unter den Christbaum zu legen. Eine hundertprozentige Sicherheit, jeden Betrugsversuch im Keim zu ersticken, gäbe es also nicht. „Gerade weil sehr viel kriminelle Energie und Intelligenz dahinter stecken.“

Etwas uneins sind sich die Experten, inwieweit Kunden, die viel Geld abgehoben haben, nach Hause gebracht werden können. „Dass einzelne Mitarbeiter die Kunden begleiten, wird man niemandem zumuten wollen, außerdem könnte das auch rechtliche Probleme geben. Ein Taxi zu rufen ist vollkommen okay“, meint Andreas Elleringmann, Leiter Vorstandsstab und Recht bei der Taunus Sparkasse. In den Infoblättern der Polizei wird allerdings explizit empfohlen, Kunden nach Hause zu begleiten, wie Jürgen Moog vom Präventionsrat betont, „zumal sich dabei noch die Chance ergibt, weitere Gespräche zu führen und Vertrauen aufzubauen.“ Dies sei umso wichtiger, da die Gauner alles tun, um die Bankmitarbeiter als Gegner darzustellen.

Elleringmann skizziert, welch eingeschränkten Möglichkeiten ein Geldinstitut grundsätzlich hat: „Wenn wir bei bloßem Verdacht schon die Polizei rufen, verletzen wir gegebenenfalls den Datenschutz. Eine Begrenzung von Barauszahlungen kann der Konteninhaber direkt außer Kraft setzen. Um in auffälligen Situationen noch eine Vertrauensperson aus der Familie hinzuzuziehen, muss der Kunde damit einverstanden sein.

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