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Annegret Kramp-Karrenbauer begrüßt Landrat Michael Cyriax (rechts) und dessen Tochter ? begleitet von den beiden Landtagskandidaten Christian Heinz (links) und Axel Wintermeyer. Foto: Nietner

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Kramp-Karrenbauer in der Wahlarena: Union probiert neues Wahlkampf-Format

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CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer war der Stargast in der Kreisstadt, auch wenn die Landtagskandidaten Axel Wintermeyer und Christian Heinz derzeit nicht gut auf das Berliner Polit-Theater zu sprechen sind.

Als ganz neues Format war sie angekündigt, die „Wahlarena“ der CDU am Samstagabend in der Hofheimer Stadthalle. „Locker, so wie wir sind als CDU, wir werden nur meistens nicht so wahrgenommen“, hatte Axel Wintermeyer, Landtagskandidat im westlichen Main-Taunus mit der Kreisstadt Hofheim, vorab gesagt. Das Neue an dieser Veranstaltung hielt sich aber doch in Grenzen. Ob es ein Vorteil ist, wenn die Redner nicht an einem Pult dem Publikum gegenüber, sondern auf einem Podest nur mit dem Mikro in der Hand inmitten ihrer rundum sitzenden Zuhörer sitzen? Wohl eher Geschmackssache oder Zeitgeist. Denn an der Tatsache, dass sie eine Rede halten – zumeist deutlich länger als geplant – ändert das nichts. Für die Redner selbst entsteht das Problem, dass sie sich im Grunde beständig drehen müssen, um nicht einem Teil des Publikums dauerhaft den Rücken zuzukehren. Zudem unterliegt ihre Kleidung, und die Figur, die sie darin machen, deutlich mehr der Bemusterung. Doch die Bilder für den Live-Stream auf der Facebook-Seite der Jungen Union (JU) Main-Taunus wirken so lebhafter, und das Ganze hat einfach ein bisschen mehr Show-Effekt.

Die Junge Union, die das Spektakel maßgeblich mit in Szene setzt, will auch über die Sozialen Medien eigenen Leuten und Wählern die Chance geben, die Veranstaltung mitzuverfolgen und Fragen zu stellen. „Die Partizipationsmöglichkeit ist wichtig“, bekräftigt Niklas Mulzer von „Wite Field“, dem Unternehmen, das diesen Auftrag technisch umsetzt. Immerhin mehr als 2000 mal wurde das Video von der „Wahlarena“ bis gestern Mittag aufgerufen. Die rund 250 Menschen, die sich entschieden hatten, live dabei zu sein, waren aber am wenigsten wegen des neuen Formats gekommen. Wie das Ehepaar Schwarz aus Schwalbach. „Wir sind in erster Linie hier wegen Frau Kramp-Karrenbauer“, zeigten sie sich neugierig auf den Stargast der Union aus Berlin. „Es ist doch etwas anderes, sie live zu erleben“, waren sich die beiden sicher.

Zunächst hatten allerdings Axel Wintermeyer und sein Pendant im Ostkreis, Direktkandidat Christian Heinz, ihren Auftritt in der quadratischen Arena, nachdem aus dem Off die Stimme von Ministerpräsident Volker Bouffier eingespielt worden war, der mit wohlgesetzten Worten um Unterstützung für die beiden Kandidaten und für sich selbst bat.

Wintermeyer versprach in seiner Rede, er werde bis zuletzt um jede Stimme kämpfen und verhehlte nicht, dass es ihm lieber wäre, wenn „ein bisschen weniger Berliner Politik“ im Hessischen Wahlkampf mitschwingen würde. Die CDU stehe in Hessen für Stabilität und Verlässlichkeit und habe das bessere Programm. Auf das verwies auch Christian Heinz, der ebenfalls eine Abgrenzung in Sachen Berlin vornahm. „Dieses Durcheinander“ und das Geschwätz, das dort herrsche, wolle man in Hessen nicht. Noch sei nichts entschieden, nahm Annegret Kramp-Karrenbauer den Faden auf. Sie verwies auf eigene Erfahrungen zum Beleg, dass es möglich sei, ein anderes Ergebnis zu erreichen, als es derzeit die Umfragen prognostizieren, nach denen die schwarz-grüne Koalition ihre Mehrheit verlöre. Es brauche aber dazu in den letzten zwei Wahlkampf-Wochen größtmöglichen Einsatz.

Die Generalsekretärin ist dabei überzeugt: „Bei allem, was wir an moderner Aufmachung, an Facebook und Online-Medien nutzen“ – Menschen wollten direkt angesprochen werden. Ihre Erfahrung aus dem Landtagswahlkampf im Saarland, wo der früheren Ministerpräsidentin mit der CDU ein von keinem Umfrageinstitut vorhergesagter Sieg nach enormem Schlussspurt gelang: „Der Haustürwahlkampf ist das probate Mittel Nummer eins.“ Denn Politik sei nun einmal „eine Angelegenheit von Menschen für Menschen.“

Die Generalsekretärin sparte nicht mit Lob für Volker Bouffier und die hessische CDU, deren Zusammenhalt vorbildlich sei. Da schwang viel mit aus den leidvollen Erfahrungen in Berlin, auch mit der eigenen Schwesterpartei CSU. Bouffier habe in diesem Sommer das Auseinanderbrechen der Union verhindert. Auch deshalb dürfe er in den letzten beiden Wahlkampfwochen auf jede Unterstützung der Bundes-CDU zählen. Jedes Mitglied forderte Kramp-Karrenbauer aber auf, nicht auf die Umfragen zu schauen, sondern mitzukämpfen. „Noch einmal Luft holen und raus!“

(babs)

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