Das ehemalige Motel prägte lange das Stadtbild an der Ecke Alte Bleiche/Seilerstraße. Die alten Gebäude sind längst niedergelegt. Dort baut nun die Taunus Sparkasse für den RMV ein Verwaltungsgebäude. ArchivFOTO:Knapp
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Das ehemalige Motel prägte lange das Stadtbild an der Ecke Alte Bleiche/Seilerstraße. Die alten Gebäude sind längst niedergelegt. Dort baut nun die Taunus Sparkasse für den RMV ein Verwaltungsgebäude. ArchivFOTO:Knapp

Bauprojekt

Kritik im Bauausschuss wegen Planänderung für Investor

  • VonManfred Becht
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Trotz Vorbehalten stimmt die Mehrheit für eine fünfstöckige Bebauung an der Alten Bleiche

Hofheim -Die Taunus Sparkasse möchte auf dem Grundstück des abgerissenen Motels an der Alten Bleiche ein Bürogebäude erreichten und an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) vermieten. Die Stadt Hofheim steht dem positiv gegenüber und ist daher bereit, den Bebauungsplan für dieses Gebiet zu ändern. Im Bauausschuss gab es Kritik an der Vorgehensweise der Stadt, die Mehrheit lässt sich aber nicht beirren und treibt das Verfahren weiter voran. Am Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung soll beschlossen werden, dass die Pläne erneut offengelegt werden.

Doch auch von unerwarteter Seite gab es Kritik. Erlaubt werden soll nördlich der Alten Bleiche, zumindest im Bereich des Projektes der Sparkasse, eine fünfgeschossige Bebauung. Bisher sind dort vier Etagen möglich. Der Bebauungsplan werde speziell wegen eines Vorhabens geändert, es handele sich um eine Investorenplanung, so der FDP-Stadtverordnete Ralf Weber. Dies sei nicht der Sinn solcher Bebauungsplanverfahren, monierte er. Die FDP stimmte später freilich trotzdem zu - das Vorhaben hatte vor der Wahl die Zustimmung der damaligen Koalition gefunden - die Fortsetzung des Bündnisses ist zwar noch nicht fest vereinbart, aber vorgesehen. Dies wird auch schon in aktuellen Entscheidungen des Parlaments deutlich.

Ideen zum Parkplatz der Volksbank

Die Grünen rückten ein anderes Grundstück in den Mittelpunkt der Debatte, nämlich den Parkplatz der Volksbank am westlichen Ende der Alten Bleiche. Möglicherweise könne dieses Grundstück bei neuen Überlegungen zum Busbahnhof einbezogen werden, erklärte die Grünen-Stadtverordnete Bettina Brestel und beantragte, die Südseite der Alten Bleiche aus dem Verfahren herauszunehmen. Es gehe darum, den Planern die Freiheit zu erhalten, so ihre Fraktionskollegin Marianne Knöss. "So treffen wir eine Entscheidung gegen Hofheimer Interessen."

Eingriff in Eigentum?

Bekanntlich hat der Magistrat vorgeschlagen zu prüfen, ob der Verkehr in der Innenstadt komplett neu organisiert werden kann; zur Disposition steht vor allem der sogenannte Verteilerkreisel rund um den Busbahnhof, das angrenzende Praxis- und Bürogebäude und der Parkplatz der Volksbank. Dabei ist klar, dass der Parkplatz, da durch ein Gebäude vom Busbahnhof getrennt, nicht Busbahnhof werden kann. Aber die Grünen kalkulieren ein, dass die Planer Ideen haben könnten, an die in Hofheim keiner denkt.

Bürgermeister Christian Vogt und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler sehen in dem Vorschlag der Grünen einen ungerechtfertigten Eingriff in das Eigentum der Bank. Erster Stadtrat Wolfgang Exner wies allerdings darauf hin, dass auch mit dem neuen Bebauungsplan die Bebauungsmöglichkeiten der Bank beschnitten werden: Eine Tiefgarage ist dann nicht mehr möglich, und ein Neubau müsste aus Gründen des Hochwasserschutzes auch auf Stelzen stehen.

Schadensersatzansprüche der Volksbank gibt es nach einem Hinweis des Linken-Stadtverordneten Bernd Hausmann nicht, was auch immer in einem neuen Bebauungsplan über das Grundstück auch stehen mag. Werde ein bestehendes Baurecht sieben Jahre nicht genutzt, könne es entschädigungslos zurückgenommen werden, so Hausmann. Fakt ist natürlich auch, dass die Volksbank bis jetzt die Möglichkeit hat, einen Bauantrag nach dem bisherigen Plan zu stellen.

Wie die Verwaltung erläuterte, beinhaltet der neue Plan auch eine Abstufung zur Hauptstraße hin, so dass in Richtung Altstadt nicht so hoch gebaut werden kann wie in Richtung Bahnhof. Der Magistrat deutete an, dass es weitere Grundeigentümer in dem Quartier gibt, die Baumaßnahmen ins Auge gefasst haben - konkretere Informationen dazu gab es nicht. Neu ist aber, dass entlang der unteren Hauptstraße auch im ersten Stock Wohnungen erlaubt sein sollen - bislang ist dies erst ab dem zweiten Obergeschoss erlaubt.

Der Bauausschuss ließ sich auch auf eine Vertagung des Beschlusses nicht ein. Erster Stadtrat Wolfgang Exner hatte erklärt, zeitliche Verzögerungen könnten das Projekt der Taunus Sparkasse zum Scheitern bringen, und daran habe die Stadt nun kein Interesse. Wie sehr sieht sich die Taunus Sparkasse selbst unter Druck? Es sei mit dem RMV vereinbart, dass dieser seine Büroräume im Herbst 2023 übernehmen könne, erklärte Sparkassen-Sprecher Lars Dieckmann auf Anfrage dieser Zeitung.

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