Festivalchefin Gudrun Winter aus Hofheim
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Festivalchefin Gudrun Winter aus Hofheim

Hofheim

Kultur: Kurzfilmfestival funktioniert auch online

  • vonStephanie Kreuzer
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Die Hofheimerin Gudrun Winter erklärt, warum es "Shorts at Moonlight" dieses Jahr womöglich nur im Winter gibt

Hofheim -Mit dicken Socken gemütlich vor dem Kaminfeuer - ungewohntes Szenario für ein Kurzfilmfestival, das normalerweise "open air" und in lauen Sommernächten stattfindet. Doch im vergangenen Jahr war auch für "Shorts at Moonlight" alles anders, erzählt die Hofheimerin Gudrun Winter, die das Festival 2003 ins Leben gerufen hatte.

Normalerweise wäre es Mitte Juli 2020 auf der Schlossterrasse in Höchst mit 600 Zuschauern pro Abend wieder losgegangen, aber das musste coronabedingt abgesagt werden. "Bis dahin hatten allerdings schon mehrere hundert Leute ihre Festivalpässe gekauft, und als wir denen das Geld zurückerstatteten, waren viele sehr enttäuscht und fragten, ob wir nicht ein Online-Festival veranstalten könnten", erinnert sich Winter.

"Das hat uns total motiviert, auch wenn wir das noch nie gemacht hatten und es ein Wahnsinnsaufwand war, so etwas zu organisieren." Immerhin musste das Programm auf die Online-Sehgewohnheiten umgesetzt und interpretiert werden, und mit Hilfe einer Moderation sollte die gewohnte Open-Air-Atmosphäre so gut es ging eingefangen und übertragen werden.

Die insgesamt 20 verschiedenen, etwa 90-minütigen Programme mit Filmemacher-Interviews wurden sukzessive freigeschaltet und waren bis Ende August zu sehen, also zum Teil sechs Wochen lang. "Wir hatten fast doppelt so viele Besucher wie beim realen Festival. Bei der Zusammenstellung der Filme wollten wir unseren Fans in diesen trüben Corona-Zeiten vor allem ein paar schöne Stunden bieten. Dem begeisterten Feedback nach ist uns das auch gelungen", freut sich Winter.

Viel Ansporn also, um im Dezember auch eine Online-Winterreihe mit fünf Programmen zu starten. Ob es am Kaminfeuer lag oder den speziell ausgesuchten Kurzfilmen - das Festival war mit rund 10 000 Zugriffen jedenfalls noch mal ähnlich erfolgreich wie die Veranstaltung im Sommer (18 000 Zugriffe auf 15 Filme).

Inzwischen haben Mitglieder des Vereins Shorts at moonlight Kurzfilmfestival schon wieder ein paar hundert Werke gesichtet, um eine Auswahl für das nächste Festival zu treffen. "Wir haben dieses Mal halt per Zoom gemeinsam geschaut, diskutiert und abgestimmt", erzählt Winter. "Nun prüfen wir noch, ob wir auch diesen Sommer eine Online-Veranstaltung anbieten wollen. Denn sobald die Lockerungen greifen, werden vermutlich viele Leute lieber rausgehen wollen, als im Internet Filme zu schauen."

Schlossterrasse für 2022 reserviert

Doch ein coronakonformes Open-Air-Festival sei in Höchst nicht möglich, da aufgrund der Nadelöhrsituation am Eingang die erforderlichen Abstände - bei reduzierter Zuschauerzahl - nicht eingehalten werden könnten.

"Dieses Jahr tendieren wir dazu, nur ein Winter-Festival durchzuführen", so die Initiatorin, die gar nicht so unglücklich darüber wäre, mal einen Sommer "frei" zu haben und ihn - sofern die Pandemie das zulässt - genießen zu können.

Sie hat aber eine gute Nachricht parat: Für den Sommer 2022 ist die Schlossterrasse von Mitte Juli bis Anfang August bereits reserviert! Und sie freut sich schon auf die einzigartige Atmosphäre: "Unser Festival zeichnet aus, dass wir unserem Publikum einen besonders schönen Abend bieten. Daher kommen viele Gäste auch schon zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn, um ganz entspannt Musik und Gastronomie zu genießen und die Boote und Schiffe auf dem Main zu beobachten.

Sobald es dunkel wird, geht es los. Pro Abend werden immer sieben Kurzfilme gezeigt, die maximal 30 Minuten lang sein dürfen, denn keiner soll als "Hauptfilm" empfunden werden. Zumeist erfordern sie eine Menge Aufmerksamkeit, denn die Streifen sind so kompakt und intensiv-inspirierend, dass niemand zwischendurch aufsteht, um sich ein Bier zu holen.

Kurzfilme seien generell "Kinder der Leidenschaft", betont Winter. "Damit wird kein Geld verdient. Oft dienen Kurzfilme den Regisseuren nur als Visitenkarte, um zu zeigen, was sie können." Deutsche Kurzfilme haben immerhin schon häufig einen Oscar oder andere internationale Preise gewonnen, und heutige Top-Filmemacher wie Tom Tykwer oder Florian Henckel von Donnersmarck waren in früheren Jahren auch schon mit Kurzfilmen beim Festival vertreten.

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