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Monika Weth und Walter Engelmann haben eine Kühltasche mitgebracht, worin sie auf dem Wochenmarkt Fleisch und Feinkost kühl halten.

Wochenmärkte

Kunden stellen sich früher an

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Frühes Aufstehen und Kühltaschen helfen denen, die von den Wochenmärkten auch an Hitzetagen frische Waren mitbringen wollen. Bei manchen Händlern ist die Menge der Waren wegen des Wetters allerdings reduziert.

Besondere Bedingungen hatte Hofheims Wochenmarkt am Samstag gleich in zweierlei Hinsicht. Zum einen musste er wegen des Street FoodFestival vom gewohnten Standort auf dem Platz am Untertor umziehen ans Kellereigebäude. Zum anderen stellen die hohen Temperaturen auch Markt-Händler vor Herausforderungen. Schließlich mögen empfindliches Obst und Gemüse, wenn sie erst mal geerntet sind, keine lange Lagerung in der Wärme.

Am Stand des Lindenhofs, den die Familie Ströll betreibt, sieht morgens um halb acht noch alles topfrisch aus. Und fühlt sich auch so an. Die Salatgurken sind fest und schön kalt. „Wir haben ja Kühlhäuser auf dem Hof“, sagt Verkäufer Tobias Gerigk. Die Ware sei daher gut vorgekühlt und werde von den Marktschirmen zudem beschattet. Nicht alles sei außerdem sehr empfindlich.

Das gilt sicher für Rote Beete, Zwiebeln, Kartoffeln oder Kohlrabi, aber was ist mit dem Salat? „Die Köpfe sind in den Kisten dicht gepackt und halten die Feuchtigkeit trotz der Hitze ganz gut“, sagt der erfahrene Markt-Verkäufer, der in diesem Sommer schon an so einigen heißen Markt-Samstagen Erfahrungen gesammelt hat. Zu diesen zählt auch, dass die Kunden deutlich früher unterwegs sind. Schon vor acht bilden sich kleine Warteschlangen. „Die meisten kommen bis zehn“, sagt Gerigk.

„Danach wird es dünn“ weiß auch Renate Beck, ebenfalls eine gestandene Markt-Frau. „Ich mache das schon über 50 Jahre“, sagt sie, während sie noch die letzten Kisten mit Obst arrangiert und die Preisschilder verteilt. „Auf allen Märkten ist es zurzeit ruhiger“, hat Renate Beck festgestellt. „Die Temperaturen sind vielen einfach zu hoch.“ Auch sie verweist darauf, dass die Ware frisch und gut vorgekühlt sei und daher erfahrungsgemäß den Marktmorgen ohne größere Ausfälle überstehe.

Klar, dass auch die Markthändler selbst mit den hohen Temperaturen zu kämpfen haben. „Wir trinken viel“, sagt Renate Beck, „und vor allen Dingen muss man langsam arbeiten. Das klappt sonst nicht.“ Das Schlimmste sei am Ende das Einräumen in der Mittagshitze. „Aber ich mach es schon so lange, da ist man auch das ein bisschen gewohnt.“

19 Jahre kommt Michaela Diegel bereits auf den Hofheimer Wochenmarkt. Sie hat besonders empfindliche Lebensmittel im Angebot, Geflügelfleisch, Eier oder Kochkäse etwa. Die Eschbornerin, die für einen Geflügelhof in Hünfeld-Mackenzell arbeitet, ist froh, einen noch sehr neuen Verkaufswagen zu haben. „Die Kühlung läuft ständig, definitiv, aber das geht völlig problemlos“, sagt Diegel und zeigt auf das kleine Thermometer, das eine Temperatur von Null Grad vorn in der Theke angibt. Ihre Ware kann die Eschbornerin also besten Gewissens verkaufen.

Für sie aber unverständlich: „Viele Kunden kommen ohne Kühltasche.“ Meistens heiße es dann: „Daran habe ich nicht gedacht.“ Sie weise immer darauf hin, dass sie in dem Fall keine Garantie mehr abgeben könne für das Verkaufte, denn eine ununterbrochene Kühlkette sei gerade bei Geflügel doch unerlässlich.

Walter Engelmann und Monika Weth, die gegen halb zehn, als die Temperaturen schon deutlich zugelegt haben, beim Marktbummel sind, haben es richtig gemacht und eine handliche kleine Kühltasche dabei. „Wir sind immer damit unterwegs“, sagt Monika Weth, die schon einiges vom Feinkost-Stand in der Tasche verstaut hat. Ein älteres Paar, das für sein Geflügelfleisch nur den Einkaufskorb hat, verweist darauf, mit dem Auto sei man ja schnell zu Hause.

Auf die Hitze eingerichtet hat sich längst auch Karola Bähr. Die Winzerin aus Saulheim hat zwei Kühlschränke mitgebracht. „Und viel Wasser“, sagt sie mit verschmitztem Lächeln, denn „viele wollen den Wein nur gespritzt haben. Und das ist ja auch besser – sonst komme sie auf einmal auch gespritzt daher.“

Ihr Nachbar, der Pfifferlinge und Waldheidelbeeren verkauft, hat zwei Stunden nach Marktbeginn schon den Großteil seiner Ware abgeben können. „Es ist zu schlimm mit der Hitz’“, klagt er, aber nicht, weil er sich selbst immer mal den Schweiß aus den Gesicht wischen muss, sondern weil sich dieser Sommer schlecht auf die Erntemengen auswirke. So kann er zwar früher Feierabend machen, aber es kommt auch nicht so viel in die Kasse. Auch das eine Schattenseite dieses sonnigen Super-Sommers.

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