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Lebenslange Begeisterung für das Telefon

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Stolzer Sammler: Dirk Klaum vor einigen Objekten seiner Begierde. Der Funktechniker besitzt 1000 Telefonapparate und mehr als 400 Münzfernsprecher. FOTO: fricke
Stolzer Sammler: Dirk Klaum vor einigen Objekten seiner Begierde. Der Funktechniker besitzt 1000 Telefonapparate und mehr als 400 Münzfernsprecher. © Fricke

Besessen von Technik: Dirk Klaum aus Wallau hat mehr als 1000 Telefonapparate und 400 Münzfernsprecher gesammelt

VON PETER LÜCKEMEIER

Wallau. Alles begann, als Dirk Klaum im Alter von elf Jahren in einem unbewohnten Haus ein Telefon fand. Der wissbegierige Sohn eines Apothekers nahm den Apparat auseinander, studierte die Innereien und baute mit Drähten und einer Taschenlampenbatterie immerhin eine Sprechverbindung zwischen seinem Zimmer und dem seines Bruders.

Von da an war es um ihn geschehen. Er begann, Telefone zu sammeln, die Innereien zu studieren, sie nachzubauen und bald auch zu sammeln. Heute besitzt er rund 1000 Telefonapparate und mehr als 400 Münzfernsprecher. In Fach- und Sammlerkreisen gilt vor allem diese Kollektion von Bezahlapparaten, sei es mit Münzen oder den heute „ausgestorbenen“ Telefonkarten, als etwas ganz Besonderes.

Seine Sammlung ist mehr als ein Hobby

Der 53 Jahre alte Funktechniker ist in seinem Brotberuf für einen Elektrokonzern tätig und viel auf Reisen. Er plant Kommunikationssysteme für Kliniken, damit die Patienten möglichst komfortabel fernsehen, telefonieren oder im Internet surfen können. Klaum tritt freundlich und bescheiden auf. Die Beschäftigung mit seiner Sammlung ist für ihn weit mehr als ein Hobby. Davon zeugt auch Klaums Arbeitszimmer in seiner Mietwohnung in Wallau: Links und rechts in den Regalen reiht sich Telefon an Telefon; zwischendrin finden auch Informationsmaterial und Ersatzteile Platz: Anschlussdosen, Stecker, Platine, Münzprüfer, Kartenleser. Möchte man als Normalmensch in einem solchen Ambiente leben? Eher nicht. So empfand es auch die Frau des Sammlers. Die beiden verstehen sich immer noch gut, aber sie wohnen längst getrennt voneinander - ihre Freizeitvorstellungen sind einfach nicht kompatibel, denn der Sammler bleibt auch nach der Arbeit gern daheim und bastelt an seinen Apparaten.

Die allermeisten Objekte seiner Begierde bewahrt Dirk Klaum freilich nicht in seiner Wohnung, sondern im geräumigen Keller auf. Einen großen Schub hatte seine Münztelefon-Sammlung vor gut 20 Jahren bei der Euro-Umstellung bekommen. Das war die perfekte Zeit, um in Deutschland und den anderen Euro-Staaten die Hersteller um jene Münzfernsprecher zu bitten, die bald nicht mehr zu gebrauchen waren.

Auch derzeit findet sich wieder eine gute Gelegenheit fürs Schnorren, denn die Telekom baut wegen der Konjunktur der Mobilgeräte fast alle öffentlichen Fernsprecher ab, France Telecom hat dies schon 2019 getan. Auch die Zeit der Wiedervereinigung kam dem Sammler entgegen; damals wurden die Münzfernsprecher in den neuen Bundesländern ja auf D-Mark umgestellt und meist ausrangiert.

Anfangs hat Klaum seine Geräte vor allem durch Zeitungsinserate gefunden, heute hilft das Internet. Außerdem ist er natürlich längst Teil der Sammlerszene, die sich untereinander kennt und sich Tipps gibt, auch für Ersatzteile. Der Mann, der ursprünglich aus der Wormser Gegend stammt und seit 2001 in Hofheim lebt, ist Mitglied in der „Sammler- und Interessengemeinschaft für das historische Fernmeldewesen“, die zweimal jährlich auch Vereinsmitteilungen herausgibt. Hier finden sich dann beispielsweise Informationen über Prüfschränke der Reichstelegrafenverwaltung oder Artikel über „frühe Tastwahlfernsprecher von Siemens“. Dirk Klaums Sammelgebiet der öffentlichen Telefone ist sehr speziell; er schätzt, dass es in Deutschland von seiner Sorte fünf oder sechs außer ihm gibt.

Wobei sich seine Auswahl keineswegs auf deutsche Geräte beschränkt. Aus mehr als 40 Ländern hat Klaum Geräte zusammengetragen, unter anderen aus Finnland, Luxemburg, Norwegen, Venezuela, den USA, Spanien, Österreich, Portugal, Griechenland, Australien, Korea, dem Iran, der Schweiz, Israel, Libanon und Tschechien. Bei der Suche helfen das Internet und gute Beziehungen in den Sammlerkreisen.

Die Technik bewegt sein Herz

Klaum geizt angesichts mancher Exponate auch nicht mit nahezu zärtlichen Attributen: „Glücksgriff“ sagt er dann oder „optisches Highlight“. Natürlich erfreut er sich am nostalgischen, funktionalen oder futuristischen Design der Telefone, doch was wirklich sein Herz bewegt, ist die Technik der Geräte. Auch Sammlerschmerzen sind ihm vertraut, etwa wenn er zu spät erfuhr, dass ein Hersteller sich von Geräten trennte.

Kann Klaum sagen, wie viel Geld er im Laufe der Jahre in seine Kollektion gesteckt hat? Zahlen nennt er nicht, er belässt es bei einem einfachen Wort: „Unsummen“. Und was wird er letztlich machen mit allen seinen Schätzen? Diese Frage lässt er unbeantwortet.

Natürlich wäre ein eigenes Museum schön. Aber davon träumen könnte er allenfalls als Rentner. Bis dahin wird er weiter seine Geräte warten, pflegen und reparieren. Wird Ersatzteile horten und einbauen, Baupläne studieren und vielleicht einen Artikel verfassen über einige seiner Schmuckstücke.

Wie jenen schwarzen Tischmünzfernsprecher, der in den dreißiger Jahren als „Groschengrab“ bekannt wurde. Schob man ein Zehn-Pfennig-Stück der Reichsmark in den Münzschieber, fiel der Groschen nach unten. Dafür konnte man dann aber auch telefonieren, solange man wollte. Als er diese kleine Geschichte erzählt, lehnt sich Dirk Klaum zurück und strahlt. Sammlerfreuden müssen etwas Schönes sein.

EXTRA: Vortrag und Repair-Café

Wer ihn live erleben möchte: Im Rahmen des Netzwerks Diedenbergen informiert Dirk Klaum über seine Telefonsammlung. Am Samstag, 23. September, wird er ab 10 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Diedenbergen in der Casteller Straße 37 einige seiner Schätze zeigen und über die Entwicklung des Telefons referieren. Von 12.30 bis 15 Uhr wird der Funktechniker dann wie zwölf weitere Reparierer im Repaircafé zur Tat schreiten: Dirk Klaum ist für alle Fragen und Reparaturen rund um Telefone und Elektronikgeräte einer der Fachmänner. Aber auch die anderen Spezialisten für Staubsauger, Kaffeemaschinen, Nähmaschinen etc. sind dabei. Wie immer gibt es während der Wartezeit belegte Brote und Kaffee und Kuchen. Für das Reparieren der Gegenstände braucht es keine Voranmeldung. Lediglich eine Schutzgebühr von 2 Euro pro Auftrag ist zu entrichten.

Die beiden weiteren Repair-Termine im Jahr 2023 sind der 28. Oktober und 2. Dezember. Infos bei Organisator Rainer Immensack, Telefon: 0 61 92 / 3 94 72. red

Klare Sache: Das durchsichtige Telefon verschenkte die Firma T&N 1954 an gute Kunden. Sammler Dirk Klaum lobt, „wie deutlich man den Kabelverlauf sehen kann“. FOTO: fricke
Klare Sache: Das durchsichtige Telefon verschenkte die Firma T&N 1954 an gute Kunden. Sammler Dirk Klaum lobt, „wie deutlich man den Kabelverlauf sehen kann“. © fricke
Groschengrab: Der Tischmünzfernsprecher von 1933 kam in Cafés und Kneipen zum Einsatz. Drückte man die beiden Münzschieber zusammen, fiel der Groschen. FOTO: fricke
Groschengrab: Der Tischmünzfernsprecher von 1933 kam in Cafés und Kneipen zum Einsatz. Drückte man die beiden Münzschieber zusammen, fiel der Groschen. © fricke
Auslandseinsatz: Das von Siemens 1968 gebaute Münztelefon war in Venezuela im Gebrauch und wurde mit einer Münze der Währung „Bolivar“ gefüttert. FOTO: fricke
Auslandseinsatz: Das von Siemens 1968 gebaute Münztelefon war in Venezuela im Gebrauch und wurde mit einer Münze der Währung „Bolivar“ gefüttert. © fricke

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