In der Straße "Alt Lorsbach" werden neue Wasserleitungen verlegt.
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In der Straße "Alt Lorsbach" werden neue Wasserleitungen verlegt.

Stress-Baustelle

Lorsbach: Irgendwie kommt man durch

  • vonManfred Becht
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Trotz der Vollsperrung in der Lorsbacher Ortsmitte muss die Feuerwehr keine langen Umwege fahren. Der Notarzt kommt allerdings über Langenhain.

Lorsbach. -Bis Ende Oktober müssen die Lorsbacher mit der Sperrung der Ortsdurchfahrt in Richtung Langenhain gleich hinter dem Bahnübergang leben. Die erste von zwei spannenden Fragen ist, ob der Zeitplan eingehalten werden kann. Anlieger haben beobachtet, dass die Baustelle, auf der neue Wasserleitungen verlegt werden, geruht habe. Dies sei notwendig gewesen, erklärte Olaf Mewes, Chef der Stadtwerke. Es habe keine Pause gegeben, sondern Hausanschlüsse mussten gemacht werden. Das sei so geplant gewesen.

Nicht planen kann man das Wetter im Herbst und Winter. Ohne die Vollsperrung hätte die Baustelle erheblich länger dauern müssen, hat die Stadt wissen lassen - die Stadtwerke wären mit dem Vorhaben in die kalte Jahreszeit gekommen. Dann kann es leicht zu witterungsbedingten Verzögerungen kommen.

Mewes erklärte auch, warum sich die Stadtwerke nicht für eine Ampelregelung entschieden haben. Dies hätte eine aufwendige Steuerung mit Kabeln über die Bahngleise hinweg verlangt. Bekommen hätte man dafür sehr kurze Grünphasen und einen für Fußgänger gesperrten Bürgersteig. Es finde alles in einem sehr beengten Straßenabschnitt statt.

Die zweite spannende Frage ist, wann es endlich rund läuft auf der Baustelle. Anfänglich hatte es falsch aufgestellte Absperrungen gegeben, die Anwohner wurden nicht informiert, Bio-Tonnen nicht geleert. Der Abstand zwischen der Vergabe des Auftrags und dem Beginn der Arbeiten sehr kurz gewesen, heißt es.

Immerhin, die Anwohner wurden nachträglich noch einmal ausführlich informiert. Aber die Linken-Stadtverordnete Barbara Grassel hat die Erfahrung gemacht, dass es für Fußgänger weiterhin nicht einfach ist, durch die Baustelle zu kommen. Auf der Straße fahren die Bagger herum; Grassel sprach von "kriminellen Zuständen".

Offensichtlich ist es auch nicht ganz leicht zu erkennen, wer zur Baustelle gehört und wer nicht. Die Deutsche Glasfaser nämlich lässt gleichzeitig, ebenfalls im Ortskern, Kabel verlegen. Die Stadt werde mit den Baufirmen noch mal Rücksprache halten, kündigte Bürgermeister Christian Vogt im Ortsbeirat an.

Sorge macht den Anwohnern auf der Südseite des Tals das Thema Rettungsdienste. Es dauere erheblich länger, bis der Rettungswagen da sei, so Kreisblatt-Leserin Mareile Müller-Felsch, die in der Neueburgstraße wohnt. Dabei gebe es Notfälle, in denen es auf jede Minute ankomme. Einen Einsatz in ihrem Quartier habe es bereits gegeben, bei dem der aus Eppstein kommende Rettungswagen verspätet eintraf.

Andere Lorsbacher berichten, dass man fast immer irgendwie durch die Baustelle käme, wenn es notwendig sei. Die Stadt hatte derweil erklärt, die Durchfahrt für Einsatzfahrzeuge sei jederzeit möglich. Die Arbeiter seien angewiesen, Baufahrzeuge notfalls auf die Seite zu fahren.

Christoph Lederer, Wehrführer der Lorsbacher Feuerwehr, sieht aktuell keine Probleme. "Eine Vollsperrung macht die Feuerwehr immer nervös", so Lederer. Zumal anfänglich auch die Wehr nicht richtig informiert worden sei. Aber inzwischen wurde an in die vielen Gespräche eingebunden, die wegen der Baustelle geführt wurden.

Resultat ist nicht nur, dass die Einsatzfahrzeuge im Notfall freie Durchfahrt bekommen. Bei einem kleinen Brand im Feld habe dies bereits funktioniert, so Lederer. Das gilt auch für die Alarmierung der Langenhainer Feuerwehr, die jetzt bei Einsätzen in Lorsbach immer mit gerufen wird. Außerdem wurde im Hof des Pfarrhauses ein Feuerwehrauto abgestellt - den erreichen die Feuerwehrleute durch die Baustelle notfalls zu Fuß und sind dann auf der südlichen Seite des Ortes.

Der Notarzt kommt allerdings nicht zu Fuß, und auch nicht durch die Baustelle. "Wir schicken die Rettungswagen über Langenhain", sagt Johannes Latsch, Pressesprecher des Kreises, über die Vorgehensweise der zentralen Leitstelle. Es bestehe das Risiko, dass Baumaschinen den Weg durch die Baustelle blockieren. Über Langenhain sei die Anfahrt zur Baustelle gesichert. Zumindest bis zur Ortsbeiratssitzung, so scheint es, hat von dieser Regelung in Hofheim und Lorsbach offiziell niemand etwas gewusst . . . Manfred Becht

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