Die Aufführung von Comedy-Mann Bernhard Westenberger im Wasserschloss verfolgten die Zuhörerinnen und Zuhörer auf den mit Abstand aufgestellten Stühlen. Foto: Knapp
+
Die Aufführung von Comedy-Mann Bernhard Westenberger im Wasserschloss verfolgten die Zuhörerinnen und Zuhörer auf den mit Abstand aufgestellten Stühlen. Foto: Knapp

Kultur

Lücken beim Start des Hofheimer Kreisstadtsommers

  • vonBehr
    schließen

Zur Eröffnung der beliebten Veranstaltungsreihe waren die Besucherplätze im Alten Wasserschloss stark begrenzt

Hofheim -Es war abzusehen, dass die 32. Auflage des Kreisstadt-Sommers im ungewohnten Gewand daherkommen würde. Die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie machten trotz der jüngsten Lockerungen ein Programm im gewohnt umfangreichen Rahmen unmöglich.

Bei der Eröffnung am Freitagabend im Alten Wasserschloss bot sich deshalb ein seltsames Bild. Exakt 80 Sitzplätze wurden mit dem nötigen Mindestabstand zueinander und in versetzter Anordnung auf dem Innenhof aufgestellt. "Hätte ich vor einem Jahr ein Auditorium mit solchen Lücken gesehen, dann wäre mir klar gewesen, dass ich den Zenit meiner Karriere überschritten habe", scherzte Bernhard Westenberger eingangs der Veranstaltung. Zu diesem - noch frühen - Zeitpunkt des Abends hatte der Comedian bereits gut lachen, schließlich wurde er kurz zuvor mit fast schon frenetischem Applaus auf der kleinen Bühne begrüßt.

Sehnsucht nach etwas Normalität

Sicherlich hat sich Westenberger diese akustischen Vorschusslorbeeren auch durch seine zahlreichen Auftritte im Show-Spielhaus verdient, doch im Beifall der Zuschauer schwang mehr mit als nur Personenkult. Es war der Ausdruck einer Sehnsucht nach einem Zusammensein, nach Unterhaltung außerhalb der eigenen vier Wände, nach einem Stück Normalität - kein Wunder nach einigen Monaten befremdlicher Einschränkungen der Sozialkontakte. Diese Freude wurde auch nicht durch die Begleitumstände gemildert - weder der Einlass mit Nasen- und Mundschutzmaske, die erforderliche Registrierung von persönlichen Daten am Eingang, noch die ungewöhnliche Bestuhlung ohne direkte Sitznachbarn drückten die Stimmung. Im Gegenteil. Die Leute hatten mehr denn je das Bedürfnis zu lachen und dank Westenberger durften sie dies ungehemmt tun. Er brachte einen Auszug aus seinem erprobten Bühnenprogramm "Der Teufels-Greis" mit. Darin schilderte er auf humorvolle Weise, was ihn nach der Midlife-Crisis bisher alles erwartet hat. Sein Finanzberater redet beispielsweise nicht mehr von "Altersvorsorge", sondern mittlerweile von "Soforthilfe". Doch Westenberger nimmt das älter werden gelassen, denn schließlich bringt es auch Schönes mit sich: Vor knapp sieben Wochen wurde der Humorist Großvater.

Auch die Corona-Pandemie, die bei ihm zu einer unfreiwilligen Bühnenabstinenz von rund drei Monaten führte, baute Westenberger in seinen Auftritt mit ein. So eröffnete er dem Publikum, dass viele seiner Kollegen derzeit ausschließlich in der Wetterau auftreten würden. Eine Ansammlung mit Personen aus mehr als zwei Haushalten könne dort erst gar nicht entstehen, schließlich gäbe es ja zwischen Taunus und Vogelsberg nur eine einzige Familie.

Ganz frei von Sarkasmus gratulierte er der Stadt Hofheim zum Kreisstadt-Sommer "en Miniature". "Ein solches Programm in kürzester Zeit auf die Beine zu stellen, ist nicht selbstverständlich", so sein Lob. In der Tat konnten trotz der widrigen Umstände 21 Veranstaltungen gebucht werden. Die Anzahl derer, die an diesen Veranstaltungen teilnehmen können, ist jedoch stark begrenzt. "Dieser Kreisstadt-Sommer wird in die Annalen eingehen", betonte Rathauschef Christian Vogt am Freitagabend, "denn schon jetzt sind alle Veranstaltungen ausverkauft."

Das habe man sich ursprünglich natürlich anders vorgestellt, so der Bürgermeister, der sicherlich gerne einer breiteren Masse die Abwechslung ermöglicht hätte, die am Freitagabend lediglich 80 Hofheimern zuteil geworden war. "Aber ich bin froh, dass wir zumindest etwas Kultur live anbieten können, und nicht bloß über das Internet", so Christian Vogt. Wer in diesem Jahr nicht dabei sein kann, der muss sich wohl oder übel auf den 33. Kreisstadt-Sommer im nächsten Jahr freuen. Bis dahin wird es vielleicht keine Beschränkungen für größere Veranstaltungen mit mehreren Hundert oder über Tausend Besuchern geben. Nicht auszudenken, wie euphorisch die Aktiven dann begrüßt werden. rk

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare