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Als unübersichtlich empfinden viele Autofahrer die Einmündung von der Hattersheimer Straße zur ?Alte Bleiche? in Hofheim.

Kreisverkehrsschau

Macht dieses Schild hier Sinn - oder nicht?

Wenn Querungshilfen verdreckt und Fußgängerüberwege doppelt markiert sind: Bei der Kreisverkehrsschau werden Verbesserungsvorschläge überprüft und markante Stellen in Augenschein genommen.

Um neuralgische Punkte im Straßennetz sollte es mal wieder gehen – bei der aktuellen Kreisverkehrsschau. So waren der Streckenverlauf und die zu diskutierenden Vorschläge und Anregungen vorab klar definiert, aber auch während der Sonderfahrt mit einem Bus ergaben sich für die dreizehn Teilnehmer Ansatzpunkte für eine intensivere Betrachtung. „Beispielsweise ist ein Überholverbotsschild, das bei einer durchgezogenen Linie aufgestellt ist, eine unnötige Doppelbeschilderung und kann entfernt werden“, erläutert Kai Uwe Pfeil. Außerdem will der Leiter des Straßenverkehrsamts im Main-Taunus-Kreis die Tempobeschränkungen entlang der B 519 bei einem gesonderten Termin überprüfen.

An der Einmündung von der Hattersheimer Straße kommend nach rechts in den Bereich „Alte Bleiche“ in Hofheim hatte ein Verkehrsteilnehmer vorgeschlagen, die linke der beiden Rechtsabbiegespuren mit einer Markierung direkt auf die dann folgende linke Spur zu führen, um die etwas unübersichtliche Situation zu verbessern. „Jetzt ist die Frage, ob das sinnvoll ist und uns weiterhilft, denn die Unfallzahlen in diesem stark befahrenen Bereich weisen nicht darauf hin, dass das hier derzeit ein Problem darstellt“, meint Pfeil und betont: „Auf der anderen Seite gibt es eben auch immer das Risiko, dass wir die Leute mit solchen Maßnahmen zu weiter verunsichern. Deshalb müssen wir abwägen. Nur wenn es hohe Unfallzahlen gäbe, müssten wir dringend aktiv werden.“ Sollten die Kollegen diese Idee befürworten, würde er eine sogenannte verkehrsbehördliche Anordnung anfertigen und entsprechende Maßnahmen anordnen. An der Kreuzung wird also intensiv beobachtet und diskutiert, die Köpfe beugen sich über eine Planskizze. Schnell wird jedoch ein Urteil gefällt – und der Verbesserungsvorschlag verworfen.

Immerhin sind an dieser Kreisverkehrsschau Experten aus allen maßgeblichen Gremien beteiligt: Neben der Landesstraßenverkehrsbehörde, Hessen Mobil – Abteilung Verkehr aus Wiesbaden sowie Straßenmeisterei – und dem Regierungspräsidium Darmstadt auch der regionale Verkehrsdienst des Polizeipräsidiums Westhessen, die Main-Taunus-Verkehrs GmbH, der ADAC sowie der Nahmobilitätsbeauftragte des Main-Taunus-Kreises.

Außerdem begleitet Verkehrsdezernent und Kreisbeigeordneter Johannes Baron, der solche Schauen alle zwei Jahre initiiert, die Fahrt: „Dieses Mal wollten wir besonders Probleme und Situationen in Augenschein nehmen, die auch überörtlich von Interesse sind. Ein Schwerpunktthema heute sind Umleitungsstrecken für Lastwagen.“ So liegen bei der Stadt Hofheim zwei Anträge für Lkw-Durchfahrtverbote – in Lorsbach und Wildsachsen. „Wir werden nun von Hofheim aus durch Lorsbach nach Eppstein fahren und auf dem Rückweg dann die Umleitungsstrecke, die Lastwagen bei einem entsprechenden Verbot wählen müssten, durch Kelkheim nutzen. Anschließend vergleichen wir die gefahrenen Kilometer und den Zeitaufwand“, erklärt Pfeil. Die Stimmungslage unter den Teilnehmern lässt schon auf dem Hinweg erahnen, dass am Status quo nicht gerüttelt wird. Denn die Ortsdurchfahrt in Lorsbach wird als weitgehend unproblematisch wahrgenommen, während die Umleitungsstrecke schließlich beinahe doppelt so lang ist. „Ein Verbot für Laster in Lorsbach würde also keinen Sinn machen.“

In Ehlhalten wurde der Wunsch geäußert, die Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 in der Königsteiner Straße zumindest zum Teil aufzuheben. Während sich die Experten auch hier schnell darüber im Klaren sind, dass die Regelung bestehen bleiben soll, erregt etwas anderes ihre Aufmerksamkeit: weiß-rote markierte Bordsteinkanten auf Höhe des Fußgängerüberwegs und weiß-blau umwickelte Pfosten des dazugehörigen Schilds.

„Es geht nicht nur darum, dass beispielsweise Fußgängerüberwege einheitlich gestaltet werden sollten, sondern dass auch an Knotenpunkten oder an den Stellen, an denen mehrere Verkehrssituationen aufeinandertreffen, nicht zu viele Informationen auf die Verkehrsteilnehmer einprasseln“, erklärt der Nahmobilitätsbeauftragte Lukas Berkel. „Daher muss man hier die Frage stellen, ob man noch eine zusätzliche Markierung benötigt beziehungsweise welchen Nutzen sie bringt.“ Nun soll geklärt werden, inwieweit diese im Rahmen der Straßenverkehrsordnung vorgesehen ist und gegebenenfalls angeordnet wurde. „Auch hier ist es wichtig, eine Verunsicherung zu vermeiden, denn kein Verkehrsteilnehmer soll sich daran gewöhnen, dass vermeintlich jeder Fußgängerüberweg doppelt und dreifach markiert ist“, ergänzt Baron. „Das betrifft ja eine Straße mit überörtlichem Verkehr und vielen Pendlern, und das Ziel sollte sein, dass sich alle Verkehrsteilnehmer nach einheitlichen Vorgaben im Verkehrsraum bewegen und nicht überlegen müssen, welche Sonderzeichen wo gelten.“

Auch eine Querungshilfe an der Frankfurter Straße – genau an der Trennlinie zwischen Flörsheim und Hochheim – wird genau begutachtet. Gerade für Radfahrer, die hier entlang der Regionalparkroute die Straße kreuzen, wird es innerhalb der schmalen Furt knapp, wenn sich dort immer mehr Sand anhäuft. Auch die Hinweisbeschilderung „rechts vorbei“ ist häufig verschmutzt und daher schlecht zu erkennen, außerdem verdeckt sie umgekehrt für Fußgänger die Sicht auf sich nähernde Fahrzeuge. Zuständigkeiten müssen also geklärt und Optionen geprüft werden, so die Experten.

Schließlich wird in Flörsheim – nach kurzer Begutachtung der ersten Fahrradstraße des Main-Taunus-Kreises – rasch entschieden, dem Antrag eines Verkehrsteilnehmers auf Einführung von Tempo 30 in der Hauptstraße nicht stattzugeben.

Dies mag manchen Beobachter ob der wegen parkender Autos etwas unübersichtlichen Altstadtstraße verwundern, aber für die Experten zählen auch an dieser Stelle ausschließlich die reinen Fakten: Die Straße ist kein Unfallschwerpunkt und breit genug, also spricht nichts für eine Geschwindigkeitsbeschränkung. Wobei alle zugeben müssen, dass hier sowieso maximal 40 Kilometer pro Stunde schnell gefahren wird.

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