Frank Samuel (rechts) und Wolfgang Becker verkaufen im Radsportladen B&S in Bad Soden derzeit deutlich mehr Fahrräder als üblich.
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Frank Samuel (rechts) und Wolfgang Becker verkaufen im Radsportladen B&S in Bad Soden derzeit deutlich mehr Fahrräder als üblich.

Fahrrad

Main-Taunus: Ansturm auf die Fahrradläden

Der Fahrradhandel boomt. Vor den Geschäften kommt es immer wieder zu langen Warteschlangen. Die erhöhte Nachfrage führt dazu, dass die Unternehmer mit Lieferengpässen zu kämpfen haben.

Main-Taunus -Bereits kurz vor der Ladenöffnung steht ein halbes Dutzend Menschen vor dem Fahrradgeschäft Freund in der Niederhofheimer Straße in Hofheim. Mit Sicherheitsabstand und Schutzmasken in der Hand warten sie geduldig, bis sich die Türen öffnen. Um Punkt 10 Uhr beginnt der Verkauf. Doch die Kunden möchten alle auf einmal in das Geschäft. Einer nach dem anderen wird vom Personal hereingebeten. "Wegen der Corona-Pandemie sollen sich nämlich nur maximal zwei Kunden gleichzeitig im Laden aufhalten", sagt Geschäftsführer Uwe Fitjer. "Da momentan deutlich mehr los ist als üblich, kommt es oft zu Warteschlangen vor den Türen."

Umsatzsteigerung im April und Mai

In den Monaten April und Mai habe sich der Umsatz in dem Hofheimer Fachgeschäft im Vergleich zum Vorjahr um 60 bis 100 Prozent erhöht. Und dass, obwohl der Laden in der ersten Aprilhälfte wegen der Corona-Krise geschlossen bleiben musste. "In vielen Sportvereinen gibt es noch keinen Trainingsbetrieb. Deshalb suchen die Menschen nach alternativen Bewegungsmöglichkeiten. Es ist also kein Wunder, dass der Fahrradhandel boomt", so Fitjer. Auch die Online-Nachfrage habe sich erhöht.

Der Geschäftsführer ist froh, dass täglich so viele Kunden Interesse an seinen Zweirädern haben. Große finanzielle Einbußen muss er übrigens nicht wettmachen. "Während des Höhepunkts der Krise war zwar die Verkaufsfläche geschlossen, allerdings konnten die Kunden Termine in unserer Werkstatt machen, so dass der Umsatz nicht komplett eingebrochen ist", erklärt Fitjer.

Auch bei Radsport B&S in Bad Soden war in den vergangenen Wochen viel los. "Kurz nach der Wiederöffnung haben wir dreimal so viel verkauft wie sonst üblich", sagt Geschäftsführer Frank Samuel. In den vergangenen Tagen sei es zwar etwas ruhiger geworden, allerdings kämen immer noch verhältnismäßig viele Leute in den Laden. Samuel und seine Kollegen lassen maximal sechs Personen gleichzeitig hinein. Sowohl Mitarbeiter als auch Kunden müssen einen Mundschutz tragen und sich an die Abstandsregeln halten.

Fahrradlenker werden regelmäßig desinfiziert

Um das Infektionsrisiko noch weiter zu minimieren, desinfiziert der Chef regelmäßig die Verkaufstheke und alle Fahrradlenker. "Die meisten Kunden halten sich an die Regeln und zeigen Verständnis, wenn es wegen des großen Andrangs auch mal etwas länger dauert, bis sie an der Reihe sind", so Samuel, der bereits seit 27 Jahren Fahrräder in Bad Soden verkauft. Er hofft, dass möglichst viele Menschen, die nun mit dem Radfahren begonnen haben, dem Sport lange treu bleiben werden. "Es ist einfach eine schöne und gesunde Art der Fortbewegung."

"Die Leute sind momentan sehr kauffreudig", bestätigt Denis Scholz vom Radsporthaus Kriegelstein in Zeilsheim den aktuellen Trend. Deshalb habe man in den vergangenen Wochen besonders viele neue Fahrräder veräußert. Da immer mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr meiden wollten, seien die Räder sehr gefragt, weiß der Zweiradmechatroniker-Meister.

Auch vor dem Geschäft in Zeilsheim bilden sich mitunter längere Schlangen. Die Leute müssen am Tor klingeln und warten, bis sie hereingebeten werden. Nur acht Kunden dürfen sich gleichzeitig in den Verkaufsräumen aufhalten. Scholz hat immer mal wieder mit ungeduldigen Kunden zu tun gehabt. "Ich würde mich sehr freuen, wenn die Menschen mehr Verständnis aufbringen könnten. In diesen Zeiten läuft nunmal nicht alles wie gewohnt, und der Kauf oder die Reparatur des Fahrrades nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch", sagt er. Auch im Radsporthaus Kriegelstein blieb die Werkstatt zwischen Mitte März und Mitte April geöffnet, während die Verkaufsräume schließen mussten. "Es gab also keinen Stillstand und somit keine allzu großen finanziellen Einbußen", berichtet Scholz.

In den drei Geschäften in Hofheim, Bad Soden und Zeilsheim mussten seit der Wiedereröffnung viele Überstunden geleistet werden. "Teilweise waren wir mehr als zehn Stunden pro Tag im Geschäft", sagt Denis Scholz. Uwe Filtjer ergänzt: "Die Arbeit war recht stressig. Besonders in der Fahrradwerkstatt wurde auch an einigen Wochenenden und an Feiertagen gearbeitet."

Fahrräder und Ersatzteile fehlen

Sowohl das Fahrradgeschäft Freund als auch das Radsporthaus Kriegelstein und das Fachgeschäft B&S haben aktuell mit Lieferengpässen zu kämpfen. "Unser Lager wird immer leerer. Es fehlen Fahrräder und Ersatzteile", so Samuel. Beispielsweise seien Flaschenhalter momentan Mangelware. Einen besonders gefragten Fahrrad-Typ gebe es derzeit nicht. Das Interesse an E-Bikes, Kinderrädern und Mountainbikes sei in etwa gleich groß, sagen Scholz, Samuel und Fitjer übereinstimmend. tobias ketter

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