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Die Gesundheitsdezernentin Madlen Overdick in einem der Call-Center, die im Kreishaus eingerichtet wurden. Dort arbeiten Mitarbeiter aus anderen Verwaltungsbereichen, die das Gesundheitsamt unterstützen. foto: mtk

Pandemie

Main-Taunus-Kreis plant zweites Test-Zentrum

  • vonBarbara Schmidt
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Wegen der ständig wachsenden Zahl der Corona-Fälle wird im Hofheimer Gesundheitsamt im Schichtbetrieb gearbeitet. Die 40 Experten werden dabei von mehr als 100 Kräften aus der Kreisverwaltung unterstützt.

Hofheim. -Normales Arbeiten - davon ist das Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreises derzeit weit entfernt. Von 8 bis 19 Uhr wird in zwei Schichten Dienst getan. "Natürlich auch am Wochenende. Und das schon seit März", sagt Madlen Overdick. Als zuständige Gesundheitsdezernentin hat auch die Kreisbeigeordnete mit Grünen-Parteibuch seit dem Ausbruch der Pandemie deutlich mehr um die Ohren. Im Sommer hat es zwar so etwas wie eine Atempause gegeben, es sei zumindest möglich gewesen, dass jeder mal Urlaub und ein wenig Erholung bekommen habe, sagt Overdick. "Da haben wir auch sehr drauf geachtet." Doch mit dem stetigen Anstieg der Infiziertenzahlen im Herbst ist die Arbeitsbelastung wieder deutlich gestiegen. Alle seien nach wie vor "extrem leistungsbereit und motiviert", lobt die Kreisbeigeordnete, aber da die Pandemie "auf die Langstrecke" gehe, sei es schon kräftezehrend.

"Der Einsatz muss auch wertgeschätzt werden", ist für Overdick klar. Deshalb könne sie selbst sich am Wochenende nicht gut einfach aufs Sofa setzen. Lieber ist die Chefin mit an Bord.

Längst reichen die rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts nicht mehr aus, um all die Infizierten nach ihren Kontaktpersonen zu befragen und diese dann wiederum anzurufen und die jeweilige Ansteckungsgefahr zu beurteilen. Je nach dem, welchen Beruf oder welches Umfeld jemand hat, kommen da schnell einige Dutzend Telefongespräche zusammen nur für dieses aktuelle "Kerngeschäft. Längst sei es "keine Aufgabe mehr des Gesundheitsamtes, sondern der gesamten Kreisverwaltung", sagt Overdick. Mit Landrat Michael Cyriax (CDU) und Johannes Baron (FDP) bearbeite sie die anstehenden Fragen gemeinsam. "Gute Entscheidungen kann man nur in guter Diskussion treffen." Mehr als 100 Verwaltungskräfte aus anderen Fachbereichen im Kreishaus unterstützen das Gesundheitsamt. Angesichts des hohen Inzidenzwertes muss Overdick aber sagen: "Vollumfänglich schaffen auch wir es nicht mehr, die Kontaktlisten der Infizierten abzuarbeiten."

Weitere personelle Verstärkung ist immerhin in Sicht. Das Land habe angekündigt, den Gesundheitsämtern Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, berichtet die Kreisbeigeordnete. Damit die Einarbeitung leichter fällt, wurden Teams gebildet, die jeweils einen erfahrenen Leiter haben, der bei Fragen rasch weiterhelfen kann. Die Arbeit erleichtert habe zudem die neue Landesverordnung, die vorsieht, dass sich positiv auf das Virus getestete Personen direkt in Quarantäne begeben müssen. Eine schriftliche Anordnung des Gesundheitsamtes sei nicht mehr nötig.

Seit der Inzidenzwert die kritische 50er-Marke überschritten hat, ist der Main-Taunus-Kreis Teilnehmer einer regelmäßigen Telefonkonferenz mit dem hessischen Sozialminister Kai Klose (Grüne). Anfangs sei das ein "beschaulicher" Kreis gewesen, erinnert sich Overdick. "Mittlerweile sind alle Kollegen aus dem Rhein-Main-Gebiet dabei." Im Ballungsraum gelte aber ohnehin: "Alles lässt sich in der Region nur gemeinsam regulieren." Regelmäßig ist sie zudem mit anderen Gesundheitsdezernenten aus ihrer Partei per Videokonferenz im Gespräch. "Man muss viel kommunizieren, sich austauschen, einfach mal fragen: Wie machst Du das?" Mittlerweile gebe es einen starken Zusammenschluss, ist Overdicks Eindruck.

Als "super" bewertet die Gesundheitsdezernentin auch die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten und der Covid-Spezialpraxis in Hofheim. Ein weiteres Test-Zentrum im Kreis sei gerade in Planung, es werde vor allem für mobile Einsätze in Einrichtungen wie Schulen, Kitas oder Altenheimen gebraucht.

Die Schulen sind aktuell ein großes Thema. "Hohe Verantwortung" empfindet Overdick für die Alten- und Pflegeheime und die Flüchtlingsunterkünfte. Hier haben die vergangenen Wochen einige Hiobsbotschaften gebracht. Gleich in mehreren Altenheimen und einer Senioren-WG gab es Ausbrüche. In deren Folge ist die Zahl der Toten im Kreis weiter gestiegen ist. Infizierte und Quarantäne-Verfügungen gab es auch in den Flüchtlingsunterkünften in Hochheim (Tetra Pak) und Hattersheim (Kastengrund), wo jeweils rund 100 Menschen leben. Das erfordere einen verstärkten Einsatz von Sozialarbeitern, so Overdick.

Das Team, das sich im Landratsamt um Reiserückkehrer kümmert, habe nach wie vor viel zu tun, kann sie noch berichten. Hoch sei zudem der Beratungs- und Informationsbedarf. Rund 50 schriftliche und ungezählte telefonische Anfragen erreichten täglich das Gesundheitsamt, weiß die Kreisbeigeordnete. Was die Pandemie sie gelehrt hat? "Jeder Tag ist anders. Es gibt ständig neue Herausforderungen, auf die niemand vorbereitet war, denn das Ganze ist unheimlich dynamisch." Barbara Schmidt

Test-Zentren: Immer schlechteres Benehmen

Die Corona-Testzentren haben derzeit alle Hände voll zu tun, das gilt auch für die Einrichtung in der Kurhausstraße in Hofheim, in der die Mediziner Dr. Isabelle Clessienne und Dr. Stefan Weier und ihr Team einen schweren Dienst tun. Parallel zur steigenden Zahl der Infektionen verschlechterten sich allerdings auch die Arbeitsbedingungen in ihren Test-Zentren, beklagt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen. Das liege aber nicht allein an den vielen Abstrichen, die gemacht werden müssen, "sondern vor allem an zunehmender Aggressivität der Besucher", heißt es in einer Pressemitteilung. Auch Stefan Weier hatte dieser Zeitung schon vor einigen Wochen berichtet, dass der Ton sich seit dem Frühjahr bei vielen deutlich verschärft habe und viel Ungeduld und Aggression spürbar sei. Für die KV ist klar: "Durch diese Krise kommen wir nicht mit Unverschämtheit, Drängelei und Pöbelei." Jetzt gelte es zusammenzustehen, "und diejenigen bestmöglich zu unterstützen, die zur Bewältigung der Krise derzeit alles geben." babs

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