Fast 13 000 Menschen im Main-Taunus-Kreis waren Ende 2020 auf Sozialhilfe angewiesen.
+
Die Arbeitslosigkeit in Hofheim nahe Frankfurt ist durch die Corona-Pandemie gestiegen.

Main-Taunus-Kreis

Corona sorgt für höhere Arbeitslosigkeit – Jetzt gibt es Grund zur Hoffnung

  • VonBarbara Schmidt
    schließen

Die Zahl der Arbeitslosen im Main-Taunus-Kreis in der Nähe von Frankfurt steigt aufgrund der Corona-Pandemie. Doch es gibt Anzeichen für Erholung.

Hofheim – Die Corona-Pandemie hat sich negativ auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Wenn Menschen ihre Arbeit verlieren, wird sie andernorts mehr: Im Sozialamt und im kommunalen Jobcenter des Main-Taunus-Kreises haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Kunden zu betreuen. So stieg die Zahl der Personen, die Sozialleistungen erhalten, bis Ende 2020 auf 12.956 an. 2019 - vor der Pandemie - lag die Zahl der Sozialhilfeempfänger bei 12.197. Nachlesen lässt sich das im aktuellen Sozialbericht für 2019/2020, den der Kreis am Donnerstag (29.07.2021) vorstellte.

Angestiegen ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen - ein Trend, der auch im zweiten Corona-Jahr 2021 anhält. Waren im März 2020 noch 1418 Personen mehr als ein Jahr ohne Job, waren es im Mai 2021 bereits 2228. Zugleich sei es dem Job-Center in weniger Fällen als in den Vorjahren gelungen, Menschen wieder in Arbeit zu vermitteln, so der zuständige Sozialdezernent, Kreisbeigeordneter Johannes Baron (FDP). Waren im Rekordjahr 2018 noch 2832 Menschen erfolgreich bei der Suche nach Arbeit, waren es 2020 lediglich 2087, ein Rückgang von fast 27 Prozent. "Die Schere ist weiter auseinander gegangen", kommentiert dies Baron.

Schwieriger noch, das zeige der Blick auf die Statistik aber auch, sei die Herausforderung nach der Flüchtlingskrise 2015 gewesen. Das galt sowohl rein zahlenmäßig wie wegen sprachlicher Hürden und der Qualifikation der Bewerber.

Corona-Beschränkungen am Flughafen Frankfurt wirken sich auf Arbeitsmarkt in Hofheim aus

Die Probleme auf dem Arbeitsmarkt beträfen alle Altersgruppen, also auch die jungen Menschen, erläuterte Baron. Wer einem Unternehmen erst kurze Zeit angehöre, werde eben auch schneller mal freigesetzt. Daher habe mancher, der erst vor einiger Zeit vom Jobcenter vermittelt werden konnte, nun erneut hier vorsprechen müssen. Die Pandemie-Beschränkungen hatten sich besonders stark auf alle Jobs rund um die Messe und den Flughafen in Frankfurt ausgewirkt, aus diesem Umfeld verzeichnete der Kreis entsprechend einen deutlicheren Anstieg der Arbeitslosen. Speditionen und den Beförderungsbereich nannte der Sozialdezernent als weitere besonders betroffene Branchen. "Alle die Dinge, die nicht liefen in der Pandemie, da haben wir auch die Einbrüche", so Baron.

Die gute Nachricht, die er mitgebracht hatte: "Die Lage wird schon besser. Das spüren wir auch", erkennen Baron und Jobcenter-Leiter Joachim Werle für die Konjunktur und damit auch die Nachfrage nach Arbeitskräften positive Anzeichen.

23 Maßnahmen hat das Jobcenter bereits auf den Weg gebracht, um Menschen wieder in Arbeit zu vermitteln. Mehr als 2000 Personen profitieren aktuell davon. 5,51 Millionen Euro Fördergeld von Bund, Land und Kreis können für diese Maßnahmen genutzt werden. Dazu gehören die Erlangung von Schul- oder Berufsabschlüssen, um die individuellen Chancen auf einen Job zu verbessern, Sprachförderung oder ein Bewerbungstraining. Das Geld kann auch für Eingliederungszuschüsse an Arbeitgeber genutzt werden.

Hofheim nahe Frankfurt: 50 Millionen Euro vom Bund für coronabedingte Arbeitslosigkeit

Damit die Behörden mit der steigenden Zahl an Kunden infolge der Corona-Pandemie besser zurecht kommen könnten, hatte der Bund Vereinfachungen bei Neuanträgen ermöglicht. Das galt für die Prüfung von Vermögen wie für die Kosten der Unterkunft. Die Regelung läuft Ende des Jahres aus. Wie die neue Bundesregierung da weiter verfahre, werde in allen Sozialämtern mit Spannung erwartet. "Werden Bestandskunden wie Neukunden behandelt, wird es sehr teuer", so die Einschätzung des Liberalen, "umgekehrt wird es viel Arbeit für die Behörden", die dann einiges an Prüfungen nachholen müssten.

Bleiben soll laut Baron die stärkere Beteiligung des Bundes an den Kosten der Unterkunft von Sozialhilfeempfängern. Statt 50 übernimmt der Bund mittlerweile 75 Prozent. Für den Kreishaushalt bedeute das eine Entlastung von immerhin 8 Millionen Euro.

Das Bundesteilhabegesetz soll Verbesserungen für Menschen mit Behinderung im Sinne der Inklusion bringen. Für den Main-Taunus-Kreis bedeutet es einige zusätzliche Aufgaben im Sozialbereich. Seit Anfang 2020 ist der Kreis zuständig für alle Eingliederungshilfen für Menschen mit Behinderung, die den Zeitraum von der Geburt bis zum Ende der Schulausbildung betreffen. Zuvor war dafür der Landeswohlfahrtsverband (LWV) zuständig, der dann aber wieder einige Fälle an den Kreis überwies. Dies sei nun klarer geregelt, sagt Ramona Mitter vom Kreissozialamt. In der Folge hat der MTK rund 30 seiner bisherigen Fälle an den LWV abgegeben, von diesem aber 430 Fälle dazu bekommen. Um das personell bewältigen zu können, wurde das Sozialamt personell um sechs Sachbearbeiter verstärkt. Der Kreis beziffert die Personalkosten dafür auf 300.000 Euro jährlich. Für Eingliederungshilfen werden pro Jahr rund 2,4 Millionen Euro aufgewendet, für Menschen in besonderen Wohnformen sind es weitere 2,5 Millionen Euro.

Reform in Corona-Zeiten: Behindertenbeirat in Hofheim bei Frankfurt für gute Arbeit gelobt

Der zuständige Kreisbeigeordnete Johannes Baron nannte zudem die Aneignung des nötigen Fachwissens eine "große Herausforderung". Ein "großes Lob" zollte Baron dem "sehr gut effizient und effektiv arbeitenden Behindertenbeirat", der sehr geholfen habe, mit der Reform gut umzugehen.

Besonders häufig werden Hilfen im Bereich Frühförderung, Integration in der Kita und Bildungsteilhabe gewährt. Der Sozialbericht hält zudem fest, dass im MTK wie auch in ganz Hessen deutlich häufiger bei Jungen als bei Mädchen eine Entwicklungsstörung oder eine geistige Behinderung diagnostiziert wird. (babs)

Auch an anderer Stelle sorgte die Pandemie für finanzielle Probleme. Trotzdem steht die Caritas in Hofheim während Corona auf soliden Beinen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare