Kiara, die damals 11-jährige Tochter von Silvia Stengel, hatte Hahn Flecko selbst aufgezogen, vom Ausbrüten des Eis an. Ein Nachbar fand das Krähen des Tiers störend und zog vor Gericht. Nach langem hin und her steht jetzt fest: Flecko darf bleiben.
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Kiara, die damals 11-jährige Tochter von Silvia Stengel, hatte Hahn Flecko selbst aufgezogen, vom Ausbrüten des Eis an. Ein Nachbar fand das Krähen des Tiers störend und zog vor Gericht. Nach langem hin und her steht jetzt fest: Flecko darf bleiben.

Rechtsstreit

Marxheim: Hahn Flecko darf weiter krähen

  • vonBarbara Schmidt
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Die Stengels haben ein Hahn großgezogen - und der nervte mit seinem Krähen einen Nachbarn so, dass er vor Gericht zog. Nun blieb der Kläger allerdings den notwendigen Lärm-Nachweis schuldig: Freispruch für Flecko aus Mangel an Beweisen.

Marxheim -Die Erleichterung bei Silvia Stengel ist deutlich hörbar: Der unselige Rechtsstreit um Hahn Flecko, den ein Nachbar angezettelt hatte, ist endgültig zu Ende. "Die Widerspruchsfrist ist abgelaufen", kann Stengel dieser Zeitung sagen, die als erste im März 2018 über den Fall berichtet hatte. Den Kläger, der ein paar Häuser weiter wohnt, hatte das Krähen des Hahns so sehr gestört, dass er gegen seine Halter vor Gericht gezogen war. Für Silvia Stengel und viele andere Marxheimer ein Unding, denn gerade in der Schulstraße, in der die Familie wohnt, sind auch heute noch landwirtschaftliche Betriebe ansässig. Der Fall veranlasste den Ortsbeirat sogar zu einem gemeinsamen Antrag, der darauf zielt, den dörflichen Charakter Marxheims zu schützen.

Für Tochter Kiara, die den stolzen Hahn und zwei weitere weibliche Küken mit Hilfe einer Wärmeplatte in ihrem Zimmer ausgebrütet hatte, ist es ein tolles Geburtstagsgeschenk. Heute wird sie 14 Jahre alt. Für die ganze Familie falle ein Stück Druck ab, denn mit der Rechtskraft des Urteils zugunsten der Beklagten ist auch klar, dass das Damoklesschwert hoher Anwalts- und Gerichtskosten abgewendet ist. "Die Kosten muss der Kläger tragen", sagt Stengel.

Das Höchster Amtsgericht hatte kurz vor Weihnachten in dem Fall "mangels Beweisen" zugunsten der Halter von Hahn Flecko entschieden. Die Beweislast lag - so hatte es das Gericht festgestellt - beim Kläger. Der war zunächst auch bereit, 3000 Euro für ein Gutachten über den Hahnen-"Lärm" vorzustrecken, doch zur Durchführung einer amtlichen Messung kam es am Ende gar nicht. Der Nachbar habe selbst per App die Lautstärke von Fleckos Krähen gemessen und daraufhin wohl eingesehen, dass diese weit unter den gesetzlichen Grenzwerten blieben, glaubt Stengel. Sie selbst hatte auch mit Hilfe ihres Smartphones direkt am Hahnenschnabel die Dezibel ermittelt und war zum gleichen Schluss gekommen.

Lieber wäre ihr gewesen, das Gutachten wäre erstellt worden, damit das Urteil auf objektiver Grundlage und nicht mangels Beweisen zustande gekommen wäre, sagt Stengel. Denn dann könnte es bei ähnlichen Fällen herangezogen werden. Dass es immer wieder Ärger um krähende Hähne gibt, weiß die FWG-Politikerin, weil sie sich weit über das eigene Verfahren mit dem Thema beschäftigt hat. So hat sie neben der Initiative im Ortsbeirat eine Online-Petition initiiert und tauscht sich in einer Facebook-Gruppe mit anderen Betroffenen aus. "Wahrscheinlich wären mir ohne den Hahn nicht die Augen geöffnet worden, was hier so passiert", sagt Stengel. Das Ganze habe aber auch viel Zeit gefressen, viele Nerven gekostet und ihre ganze Familie belastet. Sie wird nun weiter dafür kämpfen, dass in Marxheims Ortskern eine Tierhaltung als "ortsüblich" festgeschrieben wird. babs

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