Philatelisten-Verein Hofheim

Auf Medaillenjagd

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Auf mehr als 130 Tischen waren am Donnerstag in der Stadthalle tausende von Briefmarken, Münzen, Medaillen und Postkarten versammelt, die zusammen Millionen von Kilometern zurückgelegt haben und abertausende Jahre alt sind. Manch eines der Sammlerstücke ist durch die Hände eines Königs oder einer Königin gegangen. Jedes Exemplar hat eine Geschichte zu erzählen.

Dass viele Menschen sich für Briefmarken nicht interessieren, das nimmt der Vorsitzende des Philatelisten-Vereins Hofheim, Heinz-Peter Wilke, schon seit Jahren bedauernd, aber nicht tatenlos hin. Aber dass man die Marken zum Altpapier steckt, noch bevor man sie gesehen hat....? „Wir stehen mit unserer Veranstaltung im Müllkalender der Stadt Hofheim drin. Keine Ahnung, wie wir da reingekommen sind“, grinst Wilke. Er trägt es mit Fassung und kann dem Versehen auch etwas Positives abgewinnen: „So wissen die Leute dann, dass es am letzten Sonntag im Oktober noch einen Großtauschtag in Hofheim gibt.“ Zwei Mal im Jahr treffen sich seit 1994 in der Stadthalle gut ein Dutzend Händler und mehr als 100 Sammler, um ihrem Hobby zu frönen: der Leidenschaft, Briefmarken, Medaillen, Münzen, Ersttagsbriefe und Postkarten zu sammeln. All das gibt es da, samt Zubehör. Etwa 400 Besucher lockt das in der Regel an, im vergangenen Herbst waren es sogar 600.

Der Verein selbst hat 44 Mitglieder und Nachwuchssorgen. „Ich bin der Jüngste“, sagt Wilke (47 Jahre). Wer wird künftig all die Dinge aus vergangenen Jahrhunderten bewahren? „Wir haben eine Kampagne gestartet“, erklärt er.

500 Flugblätter

hat der Verein drucken lassen, mit Postkarte daran, und sie ausgelegt. Mit „Hofheim schreibt“ soll im Zeitalter von E-Mail und SMS das Interesse an Briefmarken geweckt werden. „Briefmarken waren früher Alltag – heute nicht mehr“, bedauert Wilke.

Briefe schrieben viele schon nicht mehr, und diejenigen, die schreiben, legen oft keinen Wert auf die Marke. Dabei könne man damit jeden Brief verschönern. Ästheten achten darauf, dass die Marke zum Inhalt des Briefes, zur Jahreszeit oder zum Adressaten passt. „Ich habe zu Hause immer eine Vielzahl von Marken und schaue dann, welche ich draufklebe“, berichtet Wilke.

„Wir wollen auch einfach mal davon weg, dass wir als Briefmarkenverein nur ein angestaubter Haufen sind – das denkt man doch. Und wir wollen zeigen, dass wir ein Teil von Hofheim sind“, so Wilke. Deshalb gibt es auch eine nigelnagelneue Homepage (), und da sind Mitglieder gemeinsam mit dem mobilen Briefkasten von Hofheim zu sehen. Das angestaubte Image rührt vor allem daher, dass sich kaum junge Menschen für Wilkes Hobby interessieren – das Desinteresse kann er durchaus nachvollziehen, auch wenn er selbst als Junge, angeleitet von Vater und Großvater, mit dem Sammeln begonnen hat. „Und meine Freunde haben damals auch gesammelt. Das war unser Hobby. Es gab kein Internet und keine Telespiele. Als Jugendlicher fand ich es aufregend, eine Postkarte aus Algerien zu bekommen. Darüber hat man sich die Welt erschlossen. Da konnte man sehen, wie es woanders aussieht. Internet, wo man eben mal klickt und dann Fotos aus aller Welt anschauen kann, gab es nicht.“ Heute sei Briefmarkensammeln für Kinder und Jugendliche häufig eher uncool. Der eigentliche „Wert“ der Marken erschließt sich eben auch nicht durch ein kurzes oberflächliches Draufblicken. „Es gibt viel zu entdecken“, weiß Wilke. „Sie können die gesamte deutsche Geschichte in Briefmarken nachvollziehen. Da hängt unheimlich viel Wissen und Bildung dran. Es hat so viele Aspekte, man muss es nur erkennen“, betont der Vorsitzende.

Wilke versucht, einen leichten Zugang zu den Marken zu schaffen. Im Philatelisten-Blättchen, das die Hofheimer Sammler einmal im Monat herausgeben, stellt er nun spannende Rätselfragen zu Marken, durch die sich erschließt, was man durch Marken alles Spannendes erfahren kann. Am Großtauschtag hat Wilke seine Tochter Anna (16) dafür gewinnen können, zu zeigen, was man mit Briefmarken basteln kann: Tischsets zum Beispiel oder auch ein Memoryspiel.

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