+

Hebammen fehlt Wertschätzung

Mehr als ein Beruf

  • VonManfred Becht
    schließen

Ulrike Morlang hat den Ehrenbrief des Landes Hessen bekommen. Gewürdigt wird damit ihr Engagement für die Hebammen im Kreis.

Ein wenig wundert man sich zunächst schon über die Aussage von Ulrike Morlang, dass Hebammen keine Lobby haben. Immerhin ist das ein anerkannt wichtiger Beruf mit einem positiven öffentlichen Image. Verwendet man einen zweiten Gedanken auf diese Feststellung, ist sie gar nicht mehr so überraschend. Die jungen Eltern, die von der Tätigkeit der Hebammen profitieren, kümmern sich vor allem um ihre Kleinkinder und deren Entwicklung. Da tauchen immer neue Themen auf, die Geburt und die Hebamme geraten etwas in Vergessenheit.

Umso wichtiger ist es, sich selbst zu engagieren, sagt Ulrike Morlang, die seit mehr als 25 Jahren in Hofheim als Hebamme arbeitet. Zwölf Jahre hat sie die Hebammen des Main-Taunus-Kreises im Vorstand des Landesverbandes der Hessischen Hebammen vertreten. Das ist eine ehrenamtliche Aufgabe, und daher hat sie nun den Ehrenbrief des Landes Hessen bekommen.

Darüber habe sie sich wirklich gefreut, berichtet sie. „Anfangs habe ich gedacht, es sei ein wenig zu viel der Ehre“, sagt Ulrike Morlang. „Manche engagieren sich bestimmt mehr“, vermutet sie. Dann aber hat sie es als Ehrung für alle Hebammen aufgefasst und ist auf diese Weise doch sehr zufrieden mit der Auszeichnung.

Mangel im MTK

„Das ist mehr als ein Beruf, das ist eine Berufung“, kommentierte Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang bei der Übergabe des Ehrenbriefes. Das Wissen der Hebammen habe mehr Wertschätzung verdient, sagt die Rathauschefin. Um Wissen und Informationen geht es Morlang auch bei der Arbeit im Landesverband. Es entsteht ein wichtiges Netzwerk zum Informationsaustausch – mit den Kinderärzten, den Beratungsstellen und anderen sozialen Einrichtungen.

Aber auch die Lobbyarbeit sei mehr als notwendig. So ärgert sie sich, wenn gesagt wird, in Hessen gebe es keinen Mangel an Hebammen. Das mag im Landesdurchschnitt stimmen, im Main-Taunus-Kreis gibt es bei 30 freiberuflichen Hebammen einen akuten Mangel. Irgendwelche Wartezeiten sind der Natur der Sache nach auch unakzeptabel. Drei Hebammen mehr wären für das Kreisgebiet aber durchaus angemessen.

Verschärft wird das Problem noch durch das Thema Versicherungsschutz. Die Beiträge sind so hoch, dass es für freiberufliche Hebammen immer schwieriger wird. Dies verschärft den Mangel im Kreis natürlich. Als Schritt in die richtige Richtung sieht sie das Konzept der Beleghebammen – sie begleiten die werdenden Mütter ins Krankenhaus, kennen sie aber vorher schon und arbeiten ebenfalls freiberuflich.

Überhaupt ist es die Sache von Ulrike Morlang, in neuen Konzepten zu denken. So sei sie an der Entwicklung des Konzepts für eine Schreiambulanz an den Main-Taunus-Kliniken maßgeblich beteiligt gewesen, sagte Landrat Michael Cyriax bei der Übergabe des Ehrenbriefes. 2008 gehörte sie zu den Initiatoren des Projektes Familienhebammen – diese helfen den jungen Familien über die Geburt noch ein Jahr lang bei allen Fragen, die im Zusammenhang mit dem Kind auftauchen. Diese Unterstützung können viele gut gebrauchen.

(bt)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare