Interkeltisches Folkfestival

Meine 2700 Kilometer auf dem Jakobsweg

Der Jakobsweg und die damit verbundene Musik steht im Blickpunkt des Interkeltischen Folkfestivals vom 17. bis 20. August. Und der Hofheimer Thomas Zöller hat die 2700 Kilometer bis nach Santiago de Compostela mit dem Rad und zu Fuß selbst bewältigt. Mit dabei: sein Dudelsack.

Schon der zweite Tag war schlimm. Bis in den Hunsrück hatte es Thomas Zöller mit dem Fahrrad geschafft, hügelig ist es dort und nicht bevölkerungsreich. Sein Problem: Stechende Schmerzen im Knie, er konnte kaum noch Rad fahren, geschweige denn laufen.

15 Kilo Gepäck

„Ich bin halt nicht der sportliche Typ“, sagt der Hofheimer, und sein Training vor seiner Tour in Richtung Spanien war nicht zu vergleichen mit der Realität. Das etwa 15 Kilo schwere Gepäck war zu transportieren, Zöller hatte sich zudem für die Route entschieden, die eigentlich für Wanderer vorgesehen war. Da kam er an seine Grenzen.

Als er jedoch von Knieschmerzen geplagt gleich zu Beginn kurz vor der Aufgabe stand, zahlte es sich aus, dass er ausgerechnet diese Route gewählt hatte. Denn dort war eine Pilgerin zu Fuß unterwegs, die er nach seinen Zwangspausen immer wieder überholt hatte. Man kam ins Gespräch, sie war Ärztin und half mit entzündungshemmenden Mitteln, die sie in ihrer Hausapotheke dabei hatte. Die Schmerzen waren zwar nicht komplett weg, aber er war wieder mobiler, nach zwei Wochen ging es ihm dann wieder gut. „Der Körper gewöhnt sich an die Belastung“, sagt der Hofheimer.

Und sein Körper hatte noch eine weite Strecke vor sich. Denn Zöller wollte nicht die Strecke des Jakobswegs bewältigen, die Hape Kerkeling in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ beschrieben und populär gemacht hatte, sondern von zu Hause aus: 1800 Kilometer mit dem Rad, 900 Kilometer zu Fuß bis nach Santiago de Compostela. „Ich wollte das in der Gänze so machen“, sagt er. Und das alles in drei Monaten von Juli bis Oktober.

Doch anders als andere Pilger, die er unterwegs traf, war er nicht auf der Sinnsuche, sondern suchte nach den Wurzeln der Musik, die er liebt. „Jeder, der Mittelalter-Musik macht, wird automatisch damit konfrontiert“, erzählt der 40-Jährige, viele Pilgerlieder aus den Cantigas de Santa Maria, eine der größten Sammlungen von Liedern des Mittelalters, beschäftigen sich mit dem Jakobsweg, die hatte Zöller mit verschiedenen Bands schon gespielt. Deshalb auch die musikalische Spurensuche Zöllers, und sein Dudelsack gehörte zu seinem spärlichen Gepäck.

Dudelsack in der Natur

Der Hofheimer spielte auch auf seiner Pilgerreise, mal in der Natur, mal in kleinen Kapellen – mehr für sich als für andere. Das ungewöhnliche Instrument, das seinen Ursprung nicht in Schottland, sondern auf dem europäischen Festland hatte, war in allen europäischen Ländern zu Hause. In Frankreich traf Zöller auch den Dudelsackbauer und -spieler Gaëtan Polteau, mit dem er dort auch spielte und der auch beim zweiten Konzert des Interkeltischen Folkfestivals (18. August; siehe Info) in Hofheim zu Gast ist.

Postlagerndes Paket

Bis ins spanische Irun war der Hofheimer mit dem Rad unterwegs, dort wechselte er seine Kleidung, ein Paket wartete postlagernd schon auf ihn. Er hatte sich im Anschluss für die Nordroute am Meer entlang entschieden.

Was er bis dahin schon gelernt hatte: Verpflegung und Wasser können ein Problem sein; nicht in jedem Dorf gibt es einen Supermarkt, und die Läden haben auch nicht an jedem Tag auf. Aber die Freundlichkeit der Menschen entlang der Pilgerroute, deren Symbol – der atlantischen Jakobsmuschel – oft auf Straßenschildern zu finden sind, hat ihn überrascht. „Die Leute kommen aus den Häusern heraus, bieten Wasser an“, sagt Zöller, „ich wurde oft eingeladen“. Und je näher man Santiago de Compostela kommt, das mit seiner Kathedrale ist eines der bedeutendsten Pilgerziele der Christenheit ist, um so mehr trifft man auf andere Pilger. „Dieser Weg ist eine Strecke der Begegnung“, so Zöller. „Da entsteht ganz viel Austausch.“ Und nicht immer ist dabei eine gemeinsame Sprache nötig. So war der Hofheimer zwei Wochen lang mit einem Spanier unterwegs und sie brachten sich gegenseitig ihre Sprachen bei.

Was Zöller auf den insgesamt 2700 Kilometern erlebt hat, wird er auch auf seinem Interkeltischen Festival erzählen. Denn zu seinem Gepäck gehörte auch ein Tagebuch. Und daraus wird er bei den Konzerten vom 17. bis 19. August ausgewählte Stellen vorlesen.

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