Acht solcher kleinen Elektrobusse sollen von Herbst an als On-demand-Angebot durch den Kreis rollen.
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Acht solcher kleinen Elektrobusse sollen von Herbst an als On-demand-Angebot durch den Kreis rollen.

Nahverkehr

MTV hofft auf Fahrgastzahlen wie vor der Pandemie

  • Ulrike Kleinekoenen
    VonUlrike Kleinekoenen
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Wegen Corona sind viele vom Bus aufs Auto umgestiegen. Nun entspannt sich die Lage, und die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft will für sich werben.

Hofheim -Die Corona-Pandemie hat sich seit März vergangenen Jahres unter anderem auch erheblich auf das Mobilitätsverhalten der Bürger ausgewirkt. Homeoffice und Homeschooling, Kurzarbeit und weniger Anlässe für private Fahrten fielen weg. Mancher hat statt Bus oder S-Bahn lieber das eigene Auto zur Arbeit genommen, um ein vermeintlich höheres Ansteckungsrisiko zu vermeiden.

Dabei sei laut einer Studie der Technischen Universität Berlin oder auch der Charité die Gefahr, sich bei einer kurzen Fahrt im ÖPNV mit dem Coronavirus anzustecken, sehr gering, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV) und Verkehrsdezernent des Main-Taunus-Kreises, Johannes Baron (FDP), jetzt vor der Presse. Die MTV habe schließlich mit entsprechenden Maßnahmen wie dem Einbau von Fahrertrennscheiben und spezieller Reinigung und Desinfektion der Busse sowie Maskenkontrollen auf die Pandemie reagiert.

Doch Fakt sei: In der Corona-Krise haben viel weniger Fahrgäste als sonst Busse und S-Bahnen genutzt. Die Auslastung im Rhein-Main-Verkehrsverbund lag im Dezember 2020 bei gerade mal 46 Prozent, im Januar dieses Jahres nur bei 41 Prozent.

Dies sei ein krasser Gegensatz zu der Zeit vor der Pandemie, als im Sommer 2019 der ÖPNV heiß gelaufen sei und man sich mit dem Problem befassen musste, genügend Busfahrer zu bekommen, erinnerte Baron.

Mit dem Virus habe sich das Blatt schlagartig gewendet. Genaue Zählungen seien nicht gemacht worden, erklärt MTV-Geschäftsführer Roland Schmidt. Doch während in der Pandemie der Individualverkehr nur um 15 Prozent zurückgegangen sei, gab es bei den S-Bahnen einen Einbruch der Fahrgastzahlen um 50 Prozent, bei den Bussen sogar teilweise bis zu 70 Prozent.

Bund und Land gleichen Verluste aus

Dies spiegelt sich entsprechend in den finanziellen Verlusten wider. Die größten Einbußen mit 58 Prozent gab es bei den Einmalfahrten und Tageskarten. Bei den Jahreskarten war der Rückgang hingegen mit fünf Prozent vergleichsweise gering. Insgesamt geht Schmidt von einem Minus von 1,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr aus, das jedoch aus dem Rettungsschirm von Bund und Land ausgeglichen werde. Der MTV-Geschäftsführer betont dabei, dass während des Lockdowns der reguläre Fahrplan aufrechterhalten wurde. Lediglich die Schülerfahrten seien eingeschränkt worden. "Wir wollten unser Angebot erhalten und damit auch verhindern, dass wir Personal durch Kurzarbeit verlieren."

Nun, da die Inzidenzzahlen rückläufig seien und es in Richtung Normalität geht, will die MTV versuchen, die Bürger wieder in den ÖPNV zurückzuholen. Wenn in absehbarer Zeit das Leben wieder durchstartet, die Schulen öffnen, Dienstreisen möglich sind und statt Homeoffice für viele Arbeitnehmer der Tag mit dem Weg ins Büro startet, dann müsse der ÖPNV wieder eine größere Rolle spielen, sagt Baron.

Deshalb werde die MTV die Werbetrommel in eigener Sache rühren. Schließlich sei während der Pandemie hinter den Kulissen an mehreren Nahverkehrsprojekten weitergearbeitet worden. Zum Beispiel auch in puncto Elektromobilität. Im Auftrag der MTV wird die HLB noch in diesem Jahr drei Elektrobusse im Stadtgebiet Hofheim in Dienst stellen. Acht kleine Elektrobusse sollen ab Herbst als Angebot On-demand das Anruf-Sammel-Taxi ablösen.

Drei für die Region bedeutende Projekte

Baron wies noch auf drei Projekte hin, die in der gesamten Region in Sachen Mobilität von großer Bedeutung sind. Aktuell werde eine Studie zum zweigleisigen Ausbau der Regionalbahn 12 zwischen Frankfurt und Königstein erstellt, erklärt Schmidt. Ein "komplexes Thema" sei die geplante Wallauer Spange, wobei der Bau des Haltepunktes als kommunale Planung von Hofheim, Hochheim und Wiesbaden gestemmt wird.

Obwohl die Querung des Bahnhofs in Höchst noch der Knackpunkt der Regionaltangente West ist, so sehe es für den Main-Taunus-Kreis doch sehr gut aus, so der Verkehrsdezernent, der zuversichtlich ist, dass alle drei Projekte 2026 - zumindest teilweise - in Betrieb gehen. Dann sollte auch der MTV wieder die Volllastzahl an Fahrgästen wie vor der Pandemie erreicht haben.

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