Sie koordiniert Personal und Termine des Projektteams ?Asyl und Integration?: Susanne Schindler.
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Sie koordiniert Personal und Termine des Projektteams ?Asyl und Integration?: Susanne Schindler.

„Da müssen wir ran“

  • VonBarbara Schmidt
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Ein Sprachkurs sowie nette Willkommensworte reichen nicht aus, wenn es um die soziale Eingliederung von Flüchtlingen geht. Wie umfassend die Integrationsarbeit sein muss, erklärt die zuständige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung.

Ein gutes Willkommen war das große Thema in der Flüchtlingsbetreuung im vergangenen Jahr. „Das ist durch, jetzt ist die soziale Integration die Hauptaufgabe“, sagt Susanne Schindler. Die Rathausmitarbeiterin ist die zentrale Ansprechpartnerin für den Kreis, die städtischen Gremien, die Bürger und Institutionen im neuen Projektteam mit der Bezeichnung „Asyl und Integration“ der Stadt Hofheim. Außerdem dabei: Ruth Schuck (bisher Familienbüro, jetzt Ansprechpartnerin für Koordinatoren und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer) und Susanne Bleistein (allgemeine Verwaltungsaufgaben) sowie Corinna Firle vom Sozialen Management der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (zuständig fürs Thema Wohnen und Einrichtung für anerkannte Asylbewerber).

„Die sind alle korrupt“

350 Asylbewerber wohnen derzeit in Hofheims Gemeinschaftsunterkünften. Eine enorme Steigerung gegenüber früheren Zeiten, wie Susanne Schindler unter Hinweis auf die 85 Flüchtlinge im Jahr 2014 in Hofheim aufmerksam macht. Und auch wenn sie der Stadt auf ihr Unterbringungskontingent nicht angerechnet werden, muss sie doch zusätzlich die rund 50 unbegleiteten Minderjährigen sowie die Menschen in der Wallauer Notunterkunft und die Ehrenamtlichen, die sich um sie kümmern, auf dem Schirm haben.

Für die gute Integration wird schon einiges getan. „Wir haben 13 Sprachkurse am Laufen, die von Ehrenamtlichen geleitet werden“, sagt Schindler. Mittlerweile wachse der Austausch und man erfahre langsam mehr darüber, „wie das Leben zum Beispiel in Syrien so läuft und verstehen, warum hier vieles nicht funktioniert“, erläutert Schindler. Dass es dort etwa üblich sei, seine Stromrechnungen nicht zu bezahlen, habe man so erfahren. . . Auch das Ansehen der Polizei und der öffentlichen Bediensteten sei schlecht. Die Meinung: „Die sind alle korrupt, man kann keinem trauen“, weiß die Rathausmitarbeiterin. Deshalb gelte es, deutlich zu machen, dass dies in Deutschland tatsächlich anders sei. „Da müssen wir ran“, sagt Schindler. Das gelte auch für Mülltrennung und Beachtung von Verkehrsregeln. Radelnde Flüchtlinge brächten sich selbst immer wieder in Gefahr, weiß Schindler. „Das sind die großen Themen“, für die man derzeit Lösungen überlege.

Werte sind auch ein Thema

Das Problem, dass Frauen nicht anerkannt oder gar belästigt werden, „das haben wir nicht“, kann die zentrale Ansprechpartnerin in Sachen Flüchtlinge aber versichern. Die vielen Frauen, die mittlerweile, auch durch den Familiennachzug, in Hofheims Unterkünften leben, wolle man im neuen Jahr verstärkt ansprechen. Eine erste Spiel- und Fördergruppe für Kinder wurde in St. Georg eingerichtet, in Kooperation mit der katholischen Kirchengemeinde. Sehr gut angekommen seien neben den Sport-Angeboten die Kaffee-Nachmittage, bei denen sich Hofheimer und Flüchtlinge auf sehr ungezwungene Art begegneten, weiß Schindler. Die Kirchengemeinden stellen dafür zumeist die Räume, die Asylkreise kümmern sich um die Durchführung. Dies sei in ihren Augen auch der beste Rahmen, um etwas davon überzubringen, für welche Werte und Normen die deutsche Gesellschaft steht. Später werde das ja dann auch Thema in den Integrationskursen sein, sagt Susanne Schindler. Die Stadt verteilt an die Flüchtlinge zudem einen „Refugee-Guide“, eine Art Führer für verschiedene Lebenslagen. Ratgeber sind aber nicht alles. „Wir müssen uns begegnen und miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Schindler. Deshalb freut sie sich, dass die Länder-Abende im Stadtmuseum, die in Kooperation mit dem katholischen Bezirksamt durchgeführt werden, im neuen Jahr eine Fortsetzung erfahren. Im Februar soll Syrien in den Blick genommen werden. Dazu sind dann auch wieder Flüchtlinge eingeladen, über ihre Fluchtgründe zu berichten.

Aus Syrien stammen derzeit die meisten der Asylbewerber in Hofheim. Die nächstgrößere Gruppe stellen die Afghanen. „Dann kommt erst mal lange nichts“, weiß Schindler. Zu den deutlich kleineren Gruppen zählen die Eritreer. Noch immer seien auch die Menschen vom Balkan in den Unterkünften, die nach der Einstufung ihrer Herkunftsländer eigentlich kaum noch Aussicht auf Asyl haben.

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