Im Sommer 2025, so ist es derzeit vorgesehen, werden die Franziskaner das Exerzitienhaus am Kapellenberg, für das 1925 der Grundstein gelegt wurde, verlassen. FOTO: Knapp
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Im Sommer 2025, so ist es derzeit vorgesehen, werden die Franziskaner das Exerzitienhaus am Kapellenberg, für das 1925 der Grundstein gelegt wurde, verlassen.

Abschied

Schluss nach 100 Jahren: Die Franziskaner verlassen Hofheim - Unklarheit über Exerzitienhaus

  • VonBarbara Schmidt
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Die Franziskaner werden immer weniger. Im Sommer 2025 wird der Orden Hofheim endgültig verlassen. Was wird dann aus dem Exerzitienhaus?

Hofheim - "Von schockiert bis zumindest sehr traurig", so Hausleiter Bruder Stefan Federbusch OFM am Samstagabend, reichten die ersten Reaktionen auf die am Freitag veröffentlichte Nachricht, dass die Franziskaner Hofheim verlassen werden. Wie kurz berichtet, hatte die Provinzleitung der Deutschen Franziskaner, der auch Federbusch angehört, am Donnerstag diese Entscheidung getroffen. Sie soll aber zumindest nicht Knall auf Fall vollzogen werden. Den Sommer 2025 hat die Ordensleitung für das Ende ihrer Trägerschaft für das Haus der Stille und Begegnung gewählt. Dann stünde eigentlich ein Jubiläum an, denn 1925 war auf dem Kapellenberg der Grundstein für das Exerzitienhaus gelegt worden. So wird mit dem 100-jährigen dann Abschied gefeiert.

"Abschiedlich leben", sagt Bruder Markus Fuhrmann, Stellvertreter von Provinzialminister Cornelius Bohl, das übten die Franziskaner seit vielen Jahren. Denn da sich nur noch sehr wenige jüngere Menschen für ein Ordensleben entscheiden, werden auch die Kleinen Brüder des heiligen Franziskus mit der Zeit immer weniger. "2030 werden nur noch ein Dutzend jünger als 60 Jahre sein", macht der Hofheimer Hausleiter Bruder Stefan die Entwicklung deutlich, die den Orden zum Handeln zwingt. Aus vielen, auch deutlich traditionsreicheren Orten als Hofheim haben sich die Franziskaner schon verabschiedet. In Vierzehnheiligen war im März 2019 eine Liste von Niederlassungen erstellt worden, an denen der Orden auch nach 2030 noch präsent bleiben will. Wie damals berichtet, wurde zugleich aber eine Entscheidung für die beiden Exerzitienhäuser in Hofheim und im niedersächsischen Ohrbeck offengehalten.

Hofheim: Franziskaner werden immer weniger - Hoffnungen ruhen auf dem Bistum Limburg

Vom Gedanken eines "Wettbewerbs" zwischen den beiden Häusern nahm die Provinzleitung dann aber schnell Abstand. Für beide Häuser sollte vielmehr nach tragfähigen Lösungen gesucht werden, sie in eine gute Zukunft zu führen.

Für Hofheim ruhten die Hoffnungen da vor allem auf dem Bistum Limburg - das angesichts eigener Sorgen um die künftigen Finanzen allerdings rasch abwinkte. Auch ein Gespräch mit Bischof Georg Bätzing, so der stellvertretende Provinzleiter Markus Fuhrmann, habe daran nichts geändert. Eine "Zukunftswerkstatt" mit verschiedenen möglichen Partnern brachte ebenfalls keinen Durchbruch. So fiel nun in München die Entscheidung, dass in Hofheim für die Franziskaner in vier Jahren in jedem Fall Schluss sein soll.

Verbunden ist dieser Schritt mit vielen offenen Fragen - und der stillen Hoffnung, dass sich doch noch ein Modell entwickeln lässt, das eine Fortführung des Hauses als "Geistliches Zentrum" ermöglicht. "Pfiffige Ideen" brauche es dazu, sagt Bruder Markus Fuhrmann, der versichert, wie mit dem Haus Maria Elisabeth solle es hier nicht gehen. An einen Verkauf des Geländes zur Schaffung von Luxus-Wohnraum sei nicht gedacht, versichert Fuhrmann. Für den langjährigen früheren Hausleiter Pater Helmut Schlegel wäre dies "der worst case", der schlimmste Fall, der dann berechtigt fragen ließe: "Franziskaner, wo gehört ihr hin?"

Exerzitienhaus in Hofheim: Ideen für die Zeit nach den Franziskanern gefragt

Die Franziskaner wollen in die weiteren Überlegungen unter anderem den Freundeskreis des Exerzitienhauses und die Stadt Hofheim einbeziehen, aber auch einen professionellen Projektentwickler im Immobilienbereich, wie der stellvertretende Provinzleiter Fuhrmann erläutert.

Ortspfarrer Helmut Gros bedauert den damit bereits dritten Rückzug eines Ordens aus der Kreisstadt ausdrücklich und das nicht nur für Hofheim. Immerhin, so Gros, verliere damit das Bistum sein einziges Exerzitienhaus.

Die Entscheidung der Franziskaner, sich von ihrer Niederlassung in Hofheim zu trennen, hat nicht zuletzt mit nötigen Investitionen zu tun. Die eigentlich für diesen Sommer angekündigten Baumaßnahmen, die sich bei Umsetzung aller Pläne im Millionenbereich bewegt hätten, sollen nun auf das unbedingt Nötige beschränkt werden, die Erfüllung neuer Auflagen des Brandschutzes.

Franziskaner-Orden verlässt Hofheim: Betroffenheit nach Ankündigung groß

Nach dem Gottesdienst im Garten des Exerzitienhauses am Samstagabend war die Betroffenheit über die Entscheidung der Franziskaner bei allen Teilnehmern wie auch den Brüdern selbst spürbar groß. Bei aller Traurigkeit, so Stefan Federbusch, sei aber klar: "Wir können jetzt hier nicht vier Jahre abschiedlich leben und Trauer schieben." Vielmehr gelte es, ganz im Sinne des heiligen Franziskus, nicht Müdigkeit und Resignation die Oberhand gewinnen zu lassen, sondern mit denen, die dieses Haus schätzen, die verbleibende Zeit gut zu nutzen. Leben sei immer Veränderung, so Federbusch. "Und vielleicht können ja auch neue Dynamiken und Möglichkeiten entstehen."

1925 wird der Grundstein für das "Exerzitienhaus St. Josef" auf dem damals noch kaum bebauten Kapellenberg gelegt. 1926 nimmt die Einrichtung unter franziskanischer Leitung den Betrieb auf. 1940 verfügen die Nationalsozialisten die Schließung, das Gebäude wird als Lazarett und nach dem Krieg als Lungenheilstätte genutzt. 1955 kehren die Franziskaner zurück. Nach Renovierungsarbeiten wird das Haus durch Bischof Wilhelm Kempf wiedereröffnet. Weitere Umbau- und Sanierungsmaßnahmen erfolgen 1980 bis 1982 und 2005/06 mit Unterstützung des Bistums, das seit 2001 hier mit dem "Refugium" eine eigene Einrichtung unterhält und das Haus ausdrücklich als "Geistliches Zentrum für das Rhein-Main-Gebiet" geführt sehen will. 1996 gründet sich ein Freundeskreis. Aktuell leben und arbeiten sechs Franziskaner in Hofheim. (Barbara Schmidt)

Ein Zeichen setzte der Orden im April 2021. Dabei segneten die Franziskaner in Hofheim Paare - und zwar alle, auch homosexuelle, unverheiratete und geschiedene.

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