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Der Taunusklub 1913 am Meisterturm, wo es bereits eine Wirtschaft gab. Nachwuchssorgen gab es im Verein damals nicht; auch nicht im Vorstand. Der Meisterturm wurde auf Anregung des damaligen Taunusklub-Vorsitzenden gebaut.

Vereinssterben

Nach 146 Jahren sind die  letzten Tage des Taunusklubs gezählt

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Der Hofheimer Taunusklub hat seine Auflösung beschlossen. Der Grund: Gewandert wird zwar viel, aber die Vereinsarbeit will keiner mehr machen.

Rund 90 Mitglieder hat der Hofheimer Taunusklub, fast die Hälfte davon waren jetzt zu einer Mitgliederversammlung gekommen. Das klingt nach einem ganz gesunden, mittelgroßen Verein. Aber der Schein trügt. „Wir haben einen Altersdurchschnitt von 82 Jahren“, sagt der kommissarische Vorsitzende Günter Loos. Die Mitglieder des letzten gewählten Vorstands sind durchschnittlich sogar 84 Jahre alt.

Durchaus verständlich ist, wenn man sich in diesem Alter von all den organisatorischen Aufgaben, die ein Vorstandsamt mir sich bringt, zurückziehen will. „Ich habe seit Jahren versucht, einen Nachfolger zu finden“, berichtet Loos. Von Erfolg gekrönt waren seien Bemühungen nicht. Also beschloss die Mitgliederversammlung das Ende, und zwar einstimmig: Der Taunusklub Hofheim wird zum Jahresende aufgelöst.

Das Sterben der Hofheimer Traditionsvereine geht damit weiter. Vor einer ganzen Weile verschwand der lange Zeit älteste Hofheimer Verein, der Gesangverein Concordia, sang- und klanglos von der Bildfläche. Der hatte sich immer auf traditionelles deutsches Liedgut konzentriert, jüngere Sänger aber setzen andere Prioritäten. Der Geschichts- und Altertumsverein hat sich ebenfalls aufgelöst, weil keiner die Vorstandsarbeit machen wollte.

Mit Vorstands-Nachfolgen kämpfen auch manche Sportvereine, die sich sonst über mangelndes Interesse nicht beklagen können. Dem Taunusklub aber fehlen die jüngeren Mitglieder, und das kennen die Schwestervereine nur zu gut. „Wenn wir wandern, sieht es aus, als habe das Altersheim Ausgang“, juxte vor einer Weile Ronald Braun, Wanderwart des Taunusklubs Lorsbach, der schon zweimal kurz vor der Auflösung stand. Was dort noch verhindert werden konnte, gelang anderen nicht – der Taunusklub Grävenwiesbach hat ebenfalls seine Auflösung zum Jahresende beschlossen.

Fünf neue Bänke

Viel zu beraten gab es bei der letzten Mitgliederversammlung in Hofheim nicht mehr. Beschlossen wurde, dass ein Teil des Vereinsvermögens dafür verwendet wird, fünf Bänke für den Stadtwald zu kaufen und aufzustellen. Die sind inzwischen bestellt. Der Verein griff damit ausdrücklich auf die Zeit um 1900 zurück, als das Wandern im Taunus eine große Blüte erlebte und die Taunusklubs überall Bänke aufstellten, Schutzhütten bauten und Wanderwege auszeichneten. Der Rest des Vermögens geht an die Waldjugend der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die von zwei ehemaligen Mitgliedern des Taunusklubs gegründet wurde. Beschlossen wurde auch, dass man sich in einem nicht organisierten „Freundeskreis des Hofheimer Taunusklubs“ zu altersgerechten Unternehmungen treffen will.

Womöglich werden noch viele, die gerne wandern, sich aber nie im Verein engagieren wollten, seine Auflösung mit Bedauern zur Kenntnis nehmen. Denn der Verein zeichnet einen Teil der Wanderwege aus. Dazu gehört auch der europäische Fernwanderweg 3, der durch ein blaues Kreuz gekennzeichnet ist; ebenso eine ganze Reihe von lokalen Rundwegen. Der Gesamtverein des Taunusklubs werde sich künftig darum kümmern müssen, sagt Loos. Die Markierung der Wanderwege ist für den Taunusklub wichtig, weil sie die Gemeinnützigkeit des Vereins rechtfertigt.

Läuft es also schlecht, verschwinden die Wegemarkierungen nach und nach, sofern kein anderer diese Aufgabe übernimmt. Eine bleibende Erinnerung an den übrigens 1872 gegründeten Taunusklub Hofheim ist dann nur noch der Meisterturm. Dieser wurde nämlich 1895 auf Anregung von Otto Engelhard gebaut, der damals den Taunusklub und den Verschönerungsverein führte. Während es den Verschönerungsverein schon lange nicht mehr gibt, wurde der Taunusklub 1952 wiedergegründet. Seinen 150. Geburtstag im Jahr 2022 aber erlebt er nicht mehr.

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