Nele Neuhaus und Tim Bergmann verbreiteten jede Menge gute Laune bei der Lesung aus dem neuen Krimi der Bad Sodenerin.
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Nele Neuhaus und Tim Bergmann verbreiteten jede Menge gute Laune bei der Lesung aus dem neuen Krimi der Bad Sodenerin.

Bestseller-Autorin

Nele Neuhaus: In Pia steckt viel von mir selbst

  • VonBarbara Schmidt
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Weltpremiere: Die Sodener Schriftstellerin stellte in Hofheim ihren zehnten Taunus-Krimi vor.

Hofheim -Die Kreisstadt hatte die Ehre: Am Abend vor dem Erstverkaufstag stellte die Sodenerin Nele Neuhaus in der Hofheimer Stadthalle ihren neuen, zehnten Taunus-Krimi "In ewiger Freundschaft" vor. Das zog. Eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn hatte sich eine so lange Schlange vor dem Eingang gebildet, dass sie bis in die Elisabethenstraße reichte. Die Vorfreude war vielen ins Gesicht geschrieben. "Wir sind extra aus Aschaffenburg gekommen, aus Bayern, aber die Grenzkontrolle hat gut geklappt", scherzte Karl-Heinz Burkhart. Einen schönen Abend hatte er schenken wollen. "Meine Frau ist ein Fan", verriet er lächelnd. "Toll! Mein Mann würde gar nicht mitgehen", meinte die Liederbacherin, die vor dem Paar in der Warteschlange stand.

Damit scheint sie nicht allein, denn viele Frauen waren mit Freundin unterwegs und die Mehrheit deutlich Ü 30. Da fiel die 19-jährige Mareike Bittner schon auf. "Meine Eltern lesen es beide", verriet sie, wie sie auf Nele Neuhaus und ihre Taunus-Krimis gekommen ist. Auf den Tipp der Mama hin hat sie dann auch damit angefangen. Was ihr gefällt? "Ich find's einfach cool, dass man die Orte kennt."

"Sie ist sehr amüsant, eine tolle Frau"

Die beiden Hofheimerinnen Angelika und Carmen haben Nele Neuhaus schon live erlebt und sind daher nicht nur aus Neugier auf den neuen Fall für das Ermittler-Duo Pia Sander und Oliver von Bodenstein gekommen. "Sie ist sehr amüsant, eine tolle Frau", findet Angelika. Die aktuelle Pandemie-Entwicklung hatte sie allerdings noch ein wenig bedenklich gemacht, ob eine Veranstaltung mit 450 Teilnehmern trotz 2G-Vorschrift wirklich gut wäre. "Deshalb lassen wir die Masken auf", sagt Carmen.

Auch Nele Neuhaus hatte ihre Zweifel, wie sie der Reporterin verriet. Am Vortag habe sie mit der Stadtbücherei Hofheim und der Buchhandlung Tolksdorf, die die Benefiz-Veranstaltung zugunsten des "Weißen Rings" durchführten, aber noch einmal gesprochen. "Die Stadt hat so ein gutes Hygiene-Konzept", das habe sie dann überzeugt, sagt die Tochter des früheren Landrats Bernward Löwenberg.

Bürgermeister Christian Vogt weist in seinem kurzen Begrüßungswort zudem auf die neue Lüftungsanlage der Stadthalle hin, bevor er sich selbst als Krimi-Fan outete. "Schneewittchen muss sterben", mit dem Neuhaus der Durchbruch gelang, habe ihm sogar in Südindien "ein bisschen Heimat gegeben". Das sei "die große Kunst" der Autorin - die aber längst nicht nur im Taunus, sondern in aller Welt gelesen wird.

So hatte sich auch ihr Verleger Karsten Kredel, seit 2020 Chef bei Ullstein, zur Buchpremiere nach Hofheim begeben und hatte auch Lektorin Marion Wichmann mitgebracht. Ihr hat Neuhaus ihr neuestes Werk gewidmet, das im Verlagsmilieu spielt. Dass man mit einer Autorin "so viel Spaß haben kann bei der Arbeit", sei keine Selbstverständlichkeit, verriet Wichmann.

Ganz anders geht es da zu in der Krimi-Handlung, die sich um ein fiktives Frankfurter Verlagshaus rankt. "In dieser Branche möchte man nicht gern arbeiten, wenn man dieses Buch gelesen hat", räumte die Lektorin ein. Zu diesem Zeitpunkt gehörte sie allerdings zu den ganz wenigen, die es schon kannten.

Strikte Vorgaben des Verlags

Der Verlag hatte ein striktes Verbot verhängt, die Bücher vor dem gestrigen Erstverkaufstag auch nur aufzuschlagen. "Auch wir durften noch nicht hineinlesen", verriet Kim Otto, Inhaberin der Buchhandlung Tolksdorf. Das müsse man als Händler sogar unterschreiben. Die 500 Exemplare, die ihre Mitarbeiterinnen aufgebaut hatten, hatte Neuhaus schon am Vormittag alle signiert. Wegen Corona sei es leider nicht anders möglich, bedauerte die Autorin. Auch Fotos mit ihr könne es diesmal nicht geben, dafür stehe nur ein Pappaufsteller zur Verfügung.

Die Fans zückten lieber mal das Handy in Richtung Bühne, wo Neuhaus dann gemeinsam mit Schauspieler Tim Bergmann, Darsteller des Oliver von Bodenstein in den Fernseh-Verfilmungen, Platz nahm und gleich locker losplauderte. "Freudig angespannt" sei sie, hatte sie vorab gesagt, aber wenn es dann losgehe, sei sie nie aufgeregt. "Da bin ich wie ein Zirkuspferd." Und zudem wisse sie ja, wovon sie rede.

Das zeigte die 54-Jährige vom ersten Moment an. Und ebenso, dass sie und Bergmann sich gut vorbereitet hatten auf diese Präsentation, die viel mehr war als eine Lesung. Zwischen den kurzen Szenen, die beide abwechselnd vortrugen, gab's immer wieder amüsante Einblicke in die Arbeit der Autorin.

In der Figur der Pia stecke viel von ihr selbst drin, erfuhren die Zuhörer etwa. Oder dass sie selbst oft schmunzle oder gar lache beim Schreiben und ein Autor auch ein bisschen wie ein Gott sei, weil er ja über die Geschicke von Figuren entscheide. Sollte ihr mal bei einer Verfilmung ein Schauspieler nicht gefallen, scherzte sie, könne sie ihn im nächsten Fall einfach sterben lassen. "Mit dir würde ich das nie tun", versicherte sie dann aber rasch dem Kommissar-Darsteller Bergmann. Dann würde ihr ja auch für diese Art Lesungen der ideale Partner fehlen, denn das Duo auf der Bühne unterhielt sein Publikum prächtig.

"Es war uns ein Fest", dankte Hofheims Bücherei-Leiterin Nicole Dietzel für die souveräne Vorstellung, die auch die beiden Schwestern Melanie und Daniela aus Sulzbach begeistert hatte. "Es war super!", so ihr Urteil. "Ich überlege jetzt", ergänzte Daniela, "ob ich schon anfange mit dem Buch gleich heute Abend."

Extra: Das neue Buch

Nele Neuhaus' neuer Kriminalroman "In ewiger Freundschaft" ist im Ullstein-Verlag erschienen.

528 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 97 8355 008 1040.

Zum Inhalt des Buchs schreibt der Verlag:

"Eine Frau wird vermisst. Im Obergeschoss ihres Hauses in Bad Soden findet die Polizei den dementen Vater, verwirrt und dehydriert. Und in der Küche Spuren eines Blutbads. Die Ermittlungen führen Pia Sander und Oliver von Bodenstein zum renommierten Frankfurter Literaturverlag Winterscheid, wo die Vermisste Programmleiterin war. Ihr wurde nach über dreißig Jahren gekündigt, woraufhin sie einen ihrer Autoren wegen Plagiats ans Messer lieferte - ein Skandal und vielleicht ein Mordmotiv? Als die Leiche der Frau gefunden wird und ein weiterer Mord geschieht, stoßen Pia und Bodenstein auf ein gut gehütetes Geheimnis. Beide Opfer kannten es. Das war ihr Todesurteil. Wer muss als nächstes sterben? Pia und Bodenstein jagen einen Täter, der ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint . . ." red

Der Andrang war groß: Für die Besucher hieß es am Mittwochabend erstmal Schlange stehen vor der Stadthalle.

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