Veränderte Planung

Neuer Standort fürs Stadtarchiv

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Es riecht nach neuer Entwicklung in Sachen Stadtarchiv. Von Umdenken ist die Rede, von neuen Plänen. Den fünf Bürgermeisterkandidaten wäre es recht. Diedenbergens Vereinen, die das frühere Feuerwehrhaus gern selbst nutzen würden, wohl auch.

Die CDU-Fraktion im Diedenberger Ortsbeirat macht einen erneuten Vorstoß in Sachen ehemaligem Feuerwehrgerätehaus. Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom September 2016 sollte in das Gebäude das Stadtarchiv einziehen. Das stieß in Diedenbergen auf wenig Gegenliebe vor allem bei den Vereinen, die das zentral gelegene Gebäude als Lager und auch als Veranstaltungsort etwa für den Bücherflohmarkt des Kulturvereins oder den Martinsmarkt mitnutzen. Die CDU-Fraktion will nun, dass der Ortsbeirat über den „aktuellen Stand der geplanten Verlagerung des Stadtarchivs nach Diedenbergen“ unterrichtet wird. Im Beschlussvorschlag heißt es weiter: „Für den Fall, dass der Magistrat von einer Verlagerung des Stadtarchivs nach Diedenbergen Abstand nehmen sollte, ist ein von der Stadt Hofheim zu moderierender Workshop einzurichten“. Dieser soll ein Konzept für die künftige Nutzung des ehemaligen Feuerwehrdomizils erarbeiten.

Ein Vorstoß, der offenbar nicht von ungefähr kommt. Immer klarer ist in den letzten Monaten geworden, dass der Plan, das Archiv nach Diedenbergen zu verlagern, immer weniger Freunde hat. Die Bürgervereinigung Altstadt hatte sich von vornherein dagegen ausgesprochen, und auch die Linke und die Grünen wollten das Archiv, das als „Gedächtnis einer Stadt“ gilt, in Hofheim behalten. Aufhorchen ließ, dass mit dem beginnenden Bürgermeisterwahlkampf CDU-Kandidat Christian Vogt, der auch CDU-Vorsitzender und Stadtverordneter ist, sich des Themas annahm. Am 23. September dokumentierte er auf seiner Info-Seite im Internet, dass er umgedacht hat. Als seine neue Position ist dort nachzulesen: „Das Stadtarchiv soll in die Kernstadt und nicht nach Diedenbergen.“

Das vertritt mittlerweile auch SPD-Bürgermeisterkandidat Bernhard Köppler, ebenfalls Vorsitzender seiner Partei und Stadtverordneter und also wie Vogt in nicht unmaßgeblicher Rolle an den ursprünglichen Beschlüssen beteiligt. Er persönlich habe die Meinung vertreten, dass das frühere Feuerwehrgebäude von der Substanz her nicht geeignet sei, dort das Stadtarchiv unterzubringen, sagt Köppler nun. Die Aufwendungen dafür seien zu hoch. Eine Million Euro wollte die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft, der auf Beschluss des Stadtparlaments das Grundstück in Diedenbergen bereits in Erbpacht übergeben wurde, investieren, die Stadt wollte 340 Quadratmeter Archivräume in Keller und Erdgeschoss für 36000 Euro pro Jahr mieten.

Der Bürgermeisterkandidat der FWG und Fraktionschef im Stadtparlament, Andreas Nickel, hat lange zu dem Thema geschwiegen. Schließlich habe es eine eindeutige Beschlusslage gegeben, sagt Nickel. „Doch jetzt ist offenbar Bewegung drin“, deshalb sage er klar: „Ja, es hat meine Unterstützung, von diesem Beschluss abzurücken - wenn der neue Plan besser ist als der alte.“

Die drei Bürgermeisterkandidaten von CDU, SPD und FWG sitzen übrigens allesamt auch im Aufsichtsrat der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB), die sowohl den Umbau des früheren Feuerwehrhauses in Diedenbergen stemmen, wie den Baukomplex rund um die neue Stadtbücherei am nördlichen Kellereiplatz-Rand realisieren soll. Genau dazu gibt es offenbar Neues. Denn die HWB hat für Mittwoch-Abend zur Pressekonferenz eingeladen. Der Ältestenrat der Stadtverordnetenversammlung soll eine Stunde früher informiert werden über den neuen Planungsstand.

Nicht nur der Antrag im Diedenberger Ortsbeirat spricht dafür, dass das Stadtarchiv nun doch in dem Gebäudeensemble am Kellereiplatz untergebracht werden soll.

Damit nähme man Grünen und Linken, die ebenfalls Bürgermeisterkandidaten stellen und von Anfang an für einen Verbleib des Archivs in der Innenstadt votiert haben, ein Thema und könnte zudem die unzufriedenen Vereine in Diedenbergen positiv stimmen.

Die Opposition dürfte mit dem Schwenk keine Probleme haben. Grünen Bürgermeisterkandidatin Bianca Strauss teilt die Position ihrer Partei. „Das Stadtarchiv als Hüter der Geschichte Hofheims sollte zentral untergebracht werden“, sagt sie.

Dr. Barbara Grassel, parteilose Bürgermeisterkandidatin der Linken, warvon Anfang an für eine Lösung in der Kernstadt. Die Linke hatte zuletzt den Hof Ehry favorisiert, weil weder der Magistrat noch die große Kooperation aus CDU, SPD, FWG und FDP im Stadtparlament eine Unterbringung in den geplanten Neubauten am nördlichen Kellereiplatz-Rand befürwortet hatten. Dass hier niemand wirklich mitgehen wollte, auch das ein Hinweis auf eine neue Entwicklung.

Vorgezogen werden soll übrigens auch die Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung – auf den Freitag vor der Landtagswahl, also den 26. Oktober.

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