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Banane oder Erdbeere? Welche Geschmacksrichtung wird der Kaugummi haben, den Leonora für ihre 20 Cent vom Automaten in der oberen Hauptstraße bekommt?

Kindheitserinnerungen

Der Kaugummi-Automat ist Kult - was glitzert oder glibbert ist besonders beliebt

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Mehr als 1000 Warenspender braucht ein Automatenbetreiber, damit sich das Geschäft lohnt. Die Automaten hängen nicht mehr so dicht wie in ihrer Blütezeit, totzukriegen sind sie aber noch lange nicht.

In der oberen Hauptstraße hängt noch einer. Und auch in der Elisabethenstraße lockt ein Exemplar, das unweigerlich Kindheitserinnerungen weckt. Soviel sich in den vergangenen 50 Jahren auch auf der Welt schon verändert hat – den Kaugummi-Automaten gibt’s noch immer.

Ein Einzelgänger ist er zumeist nicht. Im rot und weiß lackierten Metall-Kasten sitzen mal zwei, mal drei oder sogar vier Automaten nebeneinander. Doch während früher erst einige Kaugummis gezogen werden mussten, bis dann doch mal die besonders begehrte Plastikkapsel mit einem Spielzeug oder Ring im Ausgabeschacht lag, können Kinder heute gleich wählen, wofür sie ihr Geld ausgeben wollen.

Keine Genehmigungen erforderlich

Kaugummi und Aufkleber für 20 Cent gibt's im Automaten

Für 20 Cent gibt’s in der Hauptstraße aktuell Kaugummi in zwei verschiedenen Geschmacksrichtungen. „Banana Strawberry“ steht auf dem Kasten. Die runden Kaugummis schmecken folgerichtig nach Banane oder Erdbeere. Alternativ gibt es Kapseln mit Klebebildchen, sogenannter „Sticky Fun“. Ob die kleine Kundschaft so parallel Englisch lernen soll, oder die Hersteller ihre Ware durch die englische Kennzeichnung international vermarktbar machen, darf spekuliert werden.

Erst mit mehr als 1000 Automaten kann man von den Einnahmen leben

Klar ist, wer den Automaten betreibt, denn das muss immer dranstehen. In Hofheim ist es Heiko Schütz. Der gelernte Raumausstatter hat vor elf Jahren umgesattelt und das Unternehmen eines Automatenbetreibers übernommen. Mehr als 1000 Warenspender brauche, wer von dieser Arbeit leben wolle, heißt es in der Branche und Schütz, der im Westerwald-Ort Unnau lebt, bestätigt das, wenn er auch nicht verraten will, wie viele seiner Automaten in Hofheim oder im Main-Taunus-Kreis hängen. Die Konkurrenz könne ihn dann zu genau einschätzen, begründet er seine Zurückhaltung. Dass er immer gern noch weitere Automaten aufhängen würde, auch in Hofheim, sagt er aber unumwunden. Warum Kaugummi-Automaten früher wie heute auf Kinder anziehend wirken? „Es ist nach wie vor die Neugierde dabei“, nennt Heiko Schütz eine Erklärung. Die Spannung: „Kommt die rote oder die weiße Kugel?“ Und selbst wenn ein Automat ausschließlich Ringe enthalte, sei doch die Frage: „Welcher kommt?“ Kinder könnten zudem am Kaugummi-Automaten auf ganz einfache Art ein erstes Geschäft abschließen, lernen, mit dem eigenen Geld umzugehen. „Was gibt’s sonst schon für 20 Cent?“#

Spielzeug oder Kaugummi? Heute kann man am Kaugummi-Automaten wählen, früher war alles gemischt und man musste Glück haben.

Dass genau dieses Geldstück „unsere Hauptumsatz-Münze“ ist, verrät Schütz noch. Für ihn ist es ein klarer Hinweis, dass seine Kunden „eher Impulskäufer“ sind. Wer 50 Cent oder einen Euro einwirft, der hat sich dann wohl bewusster entschieden – für einen Ring etwa. „Was glitzert und glibbert“, sagt Heiko Schütz, sei bei den Kunden am beliebtesten. Unter den Kaugummi-Kugeln sieht er dagegen keinen aktuellen Favoriten. Erdbeer gehe gut, der lange besonders gut nachgefragte „Center Shock“, der mit einer Portion Extra-Sauer für ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis sorge, sei dagegen nicht mehr so ein Renner.

Auch in der einfachen Technik der Automaten liegt für Schütz ein Anreiz, sie zu bedienen. Geld rein, Hebel drehen und schon fällt das Gewünschte in den Ausgabeschacht. „Das ist einfach von der Technik her eine tolle Erfindung, rein mechanisch und ganz ohne Strom, man sieht, wie ein Zahnrad ins andere greift“, schwärmt der Automatenbetreiber, der die Geräte aus dem Effeff kennt, weil er sie in seiner Werkstatt immer mal wieder repariert.

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Standorte für neue Kaugummi-Automaten zu finden, ist schwierig

Für ihn die deutlich schwierigere Aufgabe: Neue Standorte für seine Automaten zu finden. Denn dazu braucht es Immobilienbesitzer, die sich so ein Gerät an Hauswand oder Zaun anbringen lassen. Dafür winkt immerhin eine Beteiligung am Umsatz. „In der Regel wird es aus Idealismus gemacht“, glaubt Heiko Schütz aber, dass seine Partner einfach Kindern etwas Nettes bieten wollten.

Dass die Kästen leider immer mal beklebt oder besprüht werden, gehört zu den unschönen Erfahrungen. „Mir gefallen saubere Automaten besser“, sagt ihr Inhaber unmissverständlich. Ein Kollege habe kürzlich erfolgreich den Trick probiert, seine Zigarettenautomaten selbst mit einer Folie zu bekleben, die ein Graffiti vortäuscht. Wenn das dann sogar „einen gewissen Chic“ habe, könnte er sich eine solche Lösung auch für seine Kaugummi-Spender vorstellen.

Studenten verkaufen über die Automaten Mini-Kunstwerke

Die werden übrigens auch mal für ein Büro oder einen Partykeller gekauft. Selbst Kunststudenten hätten schon bei ihm angeklopft und ein Gerät für die Kasseler Documenta erstanden, mit dessen Hilfe sie dann Mini-Kunstwerke verkauft hätten, erzählt der Westerwälder, der sich sicher ist, dass der Kaugummi-Automat auch künftig seine Fans haben wird.

Mit sogenannten "Gum Walls" soll die Innenstadt von Frankfurt, besonders auf der Zeil, sauberer gehalten werden.

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