Blick in eines der Zimmer im Neubau des Martha-Else-Hauses. Bis der zweite Bauabschnitt fertig ist, dürfte es aber noch eine Weile dauern.
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Blick in eines der Zimmer im Neubau des Martha-Else-Hauses. Bis der zweite Bauabschnitt fertig ist, dürfte es aber noch eine Weile dauern.

Altenpflege

"Notstand": Heftige Kritik an fehlenden Pflegeplätzen für Senioren – Bürgermeister wehrt sich

  • VonBarbara Schmidt
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Mit der Schließung eines Seniorenheims fallen in Hofheim (Main-Taunus-Kreis ) 70 Pflegeplätze weg. Die Situation ist für viele unbefriedigend.

Hofheim – Der Seniorenbeirat hat in seiner jüngsten Sitzung den Mangel an Alten-Pflegeplätzen und eine insgesamt unbefriedigende Pflegesituation in Hofheim angeprangert. Der Altenhilfeplan des Main-Taunus-Kreises sei aus dem Jahr 2017 und werde nur alle vier Jahre fortgeschrieben, bemängelte die Vorsitzende des Gremiums, Ingrid Schulz. In der Hofheimer Stadtverwaltung sei die Stelle für Altenhilfe-Planung seit längerem unbesetzt.

Für den Bereich Leben und Fürsorge sei Fachdienstleiterin Eva-Maria Hübner zuständig, erläuterte Bürgermeister Christian Vogt (CDU), dass die Stadt sich hier nicht mehr nur auf eine Altersgruppe fixiere. Weil das Problem Einsamkeit in allen Altersgruppen durch die Pandemie verstärkt auftrete, habe man sich sogar entschlossen, hier ein neues Angebot aufzubauen, auch wenn dies eine freiwillige Leistung sei. Zuständig dafür sei Cornelia Stellmacher.

Hofheim (Main-Taunus-Kreis): 70 Plätze durch Schließung des Haus Maria Elisabeth weggefallen

Der Wegfall von 70 Pflegeheimplätzen aufgrund der Schließung des Haus Maria Elisabeth habe zur Folge, dass Menschen, die privat einen Platz für Pflegebedürftige in Hofheim oder Kriftel suchten, derzeit keinerlei Aussicht auf Erfolg hätten, benannte Schulz ein weiteres Problem. „Man kann da echt von einem Notstand sprechen.“ Gleichzeitig stelle der Altenhilfeplaner des Main-Taunus-Kreises fest, im MTK gebe es genügend Heimplätze.

Das Problem, das Bürgermeister Christian Vogt benannte: Für den Kreis ist es nicht wichtig, wo es diese Plätze gibt, da zählt die Statistik. Zugleich hätten die Einrichtungen, anders als früher einmal, keine Möglichkeit mehr, Plätze bevorzugt an Hofheimer zu vergeben, machte Vogt deutlich.

Hofheim (Main-Taunus-Kreis): Umsetzung für Alten-Wohn-Modelle dauert drei bis zehn Jahre

Der Seniorenbeirat sieht dennoch, wie seine Vorsitzende, ein unzureichendes Angebot in der Kreisstadt. Er fragte daher nach dem Stand der Planungen für Alten-Wohn-Modelle auf dem Gelände der Fachklinik an der Kurhausstraße. Vogt erinnerte daran, dass die Stadt hier nicht Herr des Verfahrens ist, sondern mit der Gesellschaft für Soziales und Infrastrukturmaßnahmen (GSIM), eine hundertprozentige Tochter des MTK, zusammenarbeitet. Die GSIM ist Grundstückseigentümerin. Für eine Umsetzung des Projekts nannte der Bürgermeister einen Zeitraum von drei bis zehn Jahren.

Unbefriedigend ist für den Seniorenbeirat auch die Situation in der Tagespflege und im ambulanten Bereich. Die Pflegedienste seien derart ausgelastet, dass es für Angehörige oft unmöglich sei, jemanden für kleinere Unterstützungsleistungen zu finden. Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich, den Pflegebedürftige erhalten könnten, dürfe aber nur über Pflegedienste abgerechnet werden.

Altenpflege in Hofheim (Main-Taunus-Kreis): Berichte über Mängel in Martha-Else-Haus

Bis Ende Dezember habe der Bund aufgrund der Pandemie hier eine Ausnahmeregelung getroffen, doch wenn diese auslaufe, hätten viele wieder das Problem, sich nicht selbst Leistungen von Nachbarn oder Haushaltshilfen organisieren zu können. „Müssen wir erst eine Bürgerinitiative auf Bundes-Ebene gründen, damit sich da was ändert?", fragte Ingrid Schulz.

Klagen gebe es zudem aus dem Martha-Else-Haus, was auch Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler bestätigte. Über Mängel wie fehlende Handgriffe in Sanitärräumen oder in falscher Höhe angebrachte Schalter werde berichtet. Auf Nachfrage dieser Zeitung hatte Vorstandsmitglied Gabriele Binder-Isele allerdings erst vor einigen Wochen gesagt, von derartigen Mängeln sei ihr nichts bekannt.

Hofheim (Main-Taunus-Kreis): Corona-Pandemie erschwert Situation in Seniorenheimen

Bürgermeister Vogt ließ den Seniorenbeirat wissen, er sei, wie schon seine Vorgängerin Gisela Stang, nach seinem Amtsantritt Vorstandsmitglied der Martha-Else-Haus-Stiftung geworden. Diese habe den Vorstand nach einiger Zeit verlassen; nach der kurzen Zeit, die er selbst dort jetzt Mitglied sei, "kann ich es nachvollziehen". Zu den Gründen wolle er in öffentlicher Sitzung aber nichts sagen. Er sei der Ansicht, dass ein Heimleiter kein Bauleiter sein könne, sieht der Bürgermeister hier offenbar einen Grund für die Probleme, die es mit dem Neubau gab und nach wie vor gibt.

Der Seniorenbeirat will das neue Haus nun selbst in Augenschein nehmen, Stadtverordnetenvorsteher Hegeler signalisierte daran ebenso Interesse. Allein schon aufgrund der Pandemie-Lage wird das aber sicher nicht so bald umsetzbar sein. Mit dem zweiten Bauabschnitt werde man in Hofheim immerhin weitere Plätze für ein betreutes Wohnen erhalten, machte Rathauschef Vogt noch deutlich. (Barbara Schmidt)

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