Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Hofheimer Rathauses steht für eine wachsende Zahl solcher Anlagen: Mittlerweile werden 3,5 Prozent des Stromverbrauchs in der Kreisstadt durch die Sonne erzeugt. Ziel sind 15 Prozent.
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Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Hofheimer Rathauses steht für eine wachsende Zahl solcher Anlagen: Mittlerweile werden 3,5 Prozent des Stromverbrauchs in der Kreisstadt durch die Sonne erzeugt. Ziel sind 15 Prozent.

Zukunftsprojekt

Öko-Hofheim: Es gibt noch viel zu tun

Lokale Agenda: Ziel ist eine nachhaltige Stadt. Aber es gibt beispielsweise noch viel zu viele Autos in Hofheim. Dafür aber Fortschritte beim Solarstrom.

Hofheim -751 zugelassene Autos auf 1000 Einwohner in Hofheim hat die Lokale Agenda registriert - vor ein paar Jahren waren es 612. Das ist kaum mit dem Ziel vereinbar, umweltfreundliche Mobilität zu fördern. So richtig zufrieden wäre die Gruppe, wenn das Ziel von 200 Autos je 1000 Einwohner erreicht wäre.

Einen Fortschritt, immerhin, gibt es beim Abfall. Die Menge des produzierten Hausmülls ist von 200 auf 159 Kilogramm pro Einwohner und Jahr gesunken. Als Ursache dafür benennt die Lokale Agenda vor allem die flächendeckende Einführung der Biotonne. Die Entwicklung wird positiv beurteilt, das Ziel mit 70 Kilogramm pro Einwohner ist aber noch lange nicht erreicht.

Hunderte von Zahlen und Daten dieser Art findet man im dritten Nachhaltigkeitsbericht, den die Hofheimer Lokale Agenda 21 in Zusammenarbeit mit dem Magistrat vorgelegt hat. Ziel der Berichte ist es herauszuarbeiten, welche Fortschritte - oder Rückschläge - es auf dem Weg zu einer nachhaltigen Stadt gibt. Gedacht ist das als Arbeitsgrundlage für die Politik, die, wenn sie das will, aus dem Bericht Dutzende von Arbeitsaufträgen ableiten kann. "Wir müssen schauen, wo wir aktiv werden müssen", so Stadtrat Bernhard Köppler (SPD) vor dem Bauausschuss.

Der Bericht ist der Versuch, aus vielen Indikatoren Gesamtwerte für einzelne Bereiche und daraus eine Zahl zu errechnen, die die Veränderungen in Sachen Nachhaltigkeit anzeigt. Dabei sind die Bereiche unterschiedlich gewichtet - Ökologie und Ökonomie gehen zu jeweils 30 Prozent in die Endabrechnung ein, Soziales und Partizipation zu je 20 Prozent. Herausgekommen sind gegenüber dem letzten Bericht von 2012 deutliche Verbesserungen - von 40 auf 48 bei der Ökologie, von 70 auf 72 bei der Ökonomie, von 60 auf 68 bei der Partizipation. Beim Sozialen hat sich die Gesellschaft von der Erreichung der Ziele ein bisschen entfernt, der Wert ist von 73 auf 71 gesunken. Zusammengefasst ist der Nachhaltigkeits-Index von 60 auf 64 gestiegen - nachhaltig wäre Hofheim bei einem Wert von 100.

Agenda-Sprecher Harald Lührmann weiß, dass man über all diese Zahlen diskutieren kann. Man kann die Gewichtung der einzelnen Faktoren ändern, man kann die Ziele anders definieren. 3,5 Prozent des Stromverbrauchs beispielsweise werden in Hofheim über Solaranlagen erzeugt, vor acht Jahren waren es 2,0 Prozent. Als Ziel werden 15 Prozent angegeben. Würde man 5 Prozent als Ziel definieren, wäre man davon längst nicht mehr so weit entfernt.

Es gehe aber darum, Entwicklungen aufzuzeigen, sagt Lührmann. Der Politik müsse klar werden, wo Handlungsbedarf sei. In Hofheim ist das ausgerechnet die Ökologie. Vor allem bei der umweltfreundlichen Mobilität gibt es mit einem Ziel-Erreichungs-Grad von 26 Prozent ein großes Defizit. Schuld an dieser Bewertung ist übrigens auch der Fahrrad-Klimaindex des ADFC, der für Hofheim regelmäßig schlechte Werte ergibt und der das Ergebnis für das Kriterium umweltfreundliche Mobilität zu 40 Prozent bestimmt.

Über die Auswahl der Kriterien kann man ebenfalls diskutieren. Der Wald komme überhaupt nicht vor, auch das Thema Wasser müsse anders behandelt werden, so die Grünen-Stadtverordnete Marianne Knöss im Bauausschuss. Womöglich gibt es künftig für Stadtverordnete mehr Möglichkeiten, sich einzuschalten - im Sozialausschuss brachte Bürgermeister Christian Vogt (CDU) die Einrichtung eines Nachhaltigkeits-Beirats ins Gespräch. Darüber soll, so wurde man sich schnell einig, die neue Stadtverordnetenversammlung nach der Wahl sprechen.

Agenda-Sprecher Lührmann würde ein solches Gremium begrüßen; er weist auf die positiven Erfahrungen hin, die die Stadt mit anderen Beiräten gemacht habe, etwa zur Energiepolitik. Und die Lokale Agenda werde sich künftig zwar nicht aus der Arbeit am Nachhaltigkeitsbericht zurückziehen - nach dem Willen der Stadtverordneten soll es einen solchen schon in zwei Jahren wieder geben. Aber die Hauptlast der Arbeit müsse künftig schon von der Verwaltung erledigt werden, so Lührmann.

Wenn es um den Einsatz für internationale Gerechtigkeit geht, ist Hofheim nach Überzeugung der Lokalen Agenda Spitze - die Kreisstadt ist Fair-Trade-Stadt, das bedeutet einen Ziel-Erreichungsgrad von 100 Prozent. Das Kriterium gehört zum Bereich Partizipation, in dem es einiges gibt, bei dem die Ziele in weiter Ferne liegen. So wünscht sich die Lokale Agenda eine Beteiligung von 90 Prozent bei den Bürgermeisterwahlen - 45,3 Prozent waren es zuletzt. Rückwärts läuft die Entwicklung bei der Beteiligung von Frauen in der Kommunalpolitik - 28,9 Prozent der Abgeordneten in den politischen Gremien sind weiblich, vor acht Jahren waren es 31,1 Prozent. Immerhin: Im März wird neu gewählt. Bei anderen Kriterien muss man von Stagnation sprechen - der Anteil barrierefreier Ampelanlagen, wichtig für Senioren, hat sich mit 61 Prozent gar nicht geändert; und es ist auch nicht gelungen, die Erwerbstätigen-Quote bei Ausländern zu erhöhen, der konstant bei 52,5 Prozent liegt. bt

Immerhin: Ein Ziel ist erreicht

Wenn es um den Einsatz für internationale Gerechtigkeit geht, ist Hofheim nach Überzeugung der Lokalen Agenda Spitze - die Kreisstadt ist Fair-Trade-Stadt, das bedeutet einen Ziel-Erreichungsgrad von 100 Prozent. Das Kriterium gehört zum Bereich Partizipation, in dem es einiges gibt, bei dem die Ziele in weiter Ferne liegen. So wünscht sich die Lokale Agenda eine Beteiligung von 90 Prozent bei den Bürgermeisterwahlen - 45,3 Prozent waren es zuletzt. Rückwärts läuft die Entwicklung bei der Beteiligung von Frauen in der Kommunalpolitik - 28,9 Prozent der Abgeordneten in den politischen Gremien sind weiblich, vor acht Jahren waren es 31,1 Prozent. Immerhin: Im März wird neu gewählt. Bei anderen Kriterien muss man von Stagnation sprechen - der Anteil barrierefreier Ampelanlagen, wichtig für Senioren, hat sich mit 61 Prozent gar nicht geändert; und es ist auch nicht gelungen, die Erwerbstätigen-Quote bei Ausländern zu erhöhen, der konstant bei 52,5 Prozent liegt. Manfred Becht

Agenda-Sprecher: Dr. Harald Lührmann.

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